Musik

"Mein Leben ist vorbei - fuck it" Lady Gaga in Berlin, die perfekte Illusion

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Irgendwann wollte sie nicht mehr sitzen: Lady Gaga bei ihrem Auftritt in der Berliner Mercedes-Benz-Arena.

(Foto: Facebook / Universal Music Deutschland)

Mit einem Blitzbesuch beehrt Lady Gaga Berlin. Im Gepäck hat sie ihre neue Single "Perfect Illusion". Während Fans hoffen, wenigstens einen kurzen Blick auf ihr Idol zu erhaschen, philosophiert die Lady in einem Luxushotel über die Schattenseiten des Ruhms.

Sting mag seit knapp 40 Jahren im Musikgeschäft, Marius Müller-Westernhagen der "Pfefferminz-Prinz" und Andreas Gabalier der Party-König sein. Doch es kann nur eine geben: Lady Gaga. Und so ist die New Yorkerin im Reigen der Popgrößen bei der Jahrestagung des Labels Universal am Donnerstag zweifelsohne der Stargast Nummer 1.

Dabei dauert der Auftritt der 30-Jährigen in der Berliner Mercedes-Benz-Arena kaum eine Viertelstunde. Label-Chef Frank Briegmann nimmt auf Bitten der Lady direkt neben ihr auf einem Zweisitzer Platz und fragt sie nach der Entstehung ihrer neuen Single "Perfect Illusion". Das ist schließlich der Hauptzweck des Blitzbesuchs der Sängerin in der Hauptstadt: die Vorstellung des neuen Songs, der an diesem Freitag erscheint und schon einmal einen Vorgeschmack auf das noch in diesem Jahr erscheinende vierte Popalbum der Lady - neben einer Jazz-Platte mit Altmeister Tony Bennett - geben soll.

Vom Sofa aufgesprungen

Zu einer Live-Performance von "Perfect Illusion" lässt sich Lady Gaga leider nicht hinreißen. Stattdessen dröhnt der gewohnt tanztaugliche Song aus den Boxen. Einem Label-Chef angemessen, wippt Briegmann gesittet dazu im Takt, während Gaga auf den Boden stampft, die Haare schüttelt und schließlich zum Schluss des Songs vom Sofa aufspringt und unter dem Johlen des Publikums zu tanzen beginnt.

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Der Label-Chef und sein Star: Frank Briegmann und Lady Gaga.

(Foto: Facebook / Universal Music Deutschland)

Von dem, was sich drinnen abspielt, bekommt die Schar der Fans, die vor der Halle ausharrt, um ihr Idol wenigstens für einen Augenblick zu erspähen, freilich nichts mit. Doch siehe da: Lady Gaga nimmt sich am Rande ihres Auftritts tatsächlich auch die Zeit, um ihren "Little Munsters" genannten Fans Autogramme zu geben und mit ihnen ein paar Selfies zu schießen. Doch darüber hinaus hat Berlin an diesem Tag nur wenig von Lady Gaga - nach nicht einmal 24 Stunden an der Spree reist die Sängerin mit ihrer Entourage, darunter Vater Joseph Germanotta, weiter nach London.

Der Nachrichtenagentur dpa gibt sie vorher in einem Berliner Luxushotel jedoch noch ein Interview. Darin geht es nicht nur um ihre neue Single, sondern auch die Schattenseiten ihres Ruhms.

Diesen Freitag kommt Ihre neue Single "Perfect Illusion" heraus. Wie fühlt sich das an?

Lady Gaga: Es ist ein absoluter Traum, auf diesen Moment warte ich seit drei Jahren, seitdem mein letztes Album erschienen ist. Wenn wir nach London kommen, ich weiß nicht genau, um wie viel Uhr der Song im Radio rausgeht, will ich im Auto rumfahren und ihn dann zum ersten Mal hören. Ich muss mir diesen Moment nehmen. Es geht nichts über das Gefühl, einen Song zum ersten Mal auf dem Sender zu hören - auch nach fast zehn Jahren. 

Worum geht es in "Perfect Illusion"? Um das Ende einer Beziehung?

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Im Interview geht es auch um eines von Gagas Tattoos.

(Foto: dpa)

Das kann definitiv so interpretiert werden. Vor allem geht es aber um all die gefakten Dinge, die den Anschein haben, echt zu sein. Und wie man damit umgeht. Ob das eine Beziehung ist und Liebe - oder die sozialen Netzwerke, wo man sich durch endlose Bilder von perfekten Illusionen scrollt. Versuchen herauszufinden, was aufrichtig ist und was nicht - das beschäftigt uns doch alle derzeit.

Wie ist das für Sie als Superstar, fühlen Sie sich auch als Illusion? Oder genauer gefragt, haben die Fans eine Illusion davon, wer oder was Sie sind?

Es ist weniger so, dass ich mich selbst so betrachte. Aber ich bin mir darüber im Klaren, dass ich für manche eine perfekte Illusion sein kann - so wie viele andere Entertainer auch. Die Art wie wir geformt werden, wie man über uns kommuniziert, um diese Art von perfektem Wesen zu schaffen. Aber das sind wir ja eigentlich nicht, wir sind doch wie alle anderen auch.

Was sind für Sie die Nachteile des Ruhms?

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Mittlerweile ist Lady Gaga in London - und wurde auch dort schon vor ihrem Hotel gesichtet.

(Foto: imago/Matrix)

Er ist extrem isolierend. Am wenigsten daran mag ich, dass ich keine wirklichen menschlichen Erfahrungen in der Gesellschaft mehr mache, wenn ich in die Welt rausgehe. Ob in einer Bar, einem Club, einem Restaurant oder in einem Buchladen: Ich kann einfach kein normales Gespräch mit jemandem führen, den ich zufällig treffe. Ich liebe Menschen wirklich, sie inspirieren mich. Beim Musikmachen versuche ich immer, zu spüren, was Leute bewegt. Aber je berühmter ich wurde, desto schwieriger wurde es, dieses Gefühl zu bewahren - weil ich nicht mehr zu den Menschen durchkomme.

Der Ruhm hat Ihnen aber doch auch Freiheiten gegeben. Sie klingen, als wären Sie heute entspannter als zu Karrierebeginn.

Das bin ich auch. Aber nur, weil ich akzeptiert habe, wie es ist. Früher, wenn ich in einen Supermarkt gegangen bin und überall Paparazzi waren, habe ich Panikattacken bekommen, konnte nicht aus dem Auto aussteigen, habe geweint. Dann habe ich mich ins Bett gelegt und gedacht, "mein Leben ist vorbei!". Aber nun denkt man sich, fuck it. Das ist halt so - das ist mein Leben, und der Ruhm hat definitiv einen Preis. Aber ich bin sehr dankbar und versuche, das auch immer zu bleiben und nicht aufzugeben. Ich versuche, mich nicht mehr einschränken und mich meiner Kreativität und meiner Träume berauben zu lassen. Ich muss weiter machen.

Sie haben so viel erreicht, könnten sich mit Geld viel kaufen, aber eben nicht alles. Wenn Sie jetzt drei Wünsche frei hätten bei einer guten Fee, welche wären das?

Nichts für mich, ich würde mir ein Ende der Gewalt in der Welt wünschen. Ich würde mir wünschen, Menschen dazu zu inspirieren, sich mehr auf Verbindungen untereinander zu fokussieren und öfters ihre Smartphones wegzulegen. Und ich würde mir eine Welt wünschen, in der kein Kind hungert, zurückgelassen wird oder krank ist und keine Hilfe erhält.

Stimmt es, dass Sie ein großer Fan des deutschsprachigen Dichters Rainer Maria Rilke (1875-1926) sind?

Ja. Ich habe dieses Tattoo, seitdem ich 22 oder 23 Jahre alt bin. (Sie zeigt auf eine Tätowierung auf ihrem Arm mit einem deutschsprachigen Zitat aus einem Rilke-Gedicht)

Können Sie es auf Deutsch vorlesen?

Ich kann nur das Ende lesen. (Sie schaut auf ihren Arm und zitiert zunächst auf Englisch, dann auf Deutsch) Der letzte Satz bedeutet: "Muss ich schreiben?" Ich versuche, mich immer daran zu erinnern: "Muss ich schreiben?", denn es geht mir am besten, wenn ich diesen Drang verspüre, Musik zu machen - und nichts anderes zählt. Ich glaube, das gilt für jeden, egal, was er macht. Es geht darum, seine Leidenschaften zu nutzen, sich nicht dafür zu schämen, wer man ist.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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