Musik

Zurück in der SpurMetallica geben wieder Gas

18.11.2016, 12:05 Uhr
imageVon Kai Butterweck
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Erlaubt ist, was Spaß macht: Metallica. (Foto: Universal Music)

"Hardwired … To Self-Destruct" kann was! Mit einem wirbelnden Lars Ulrich hinter den Kesseln und einem diabolisch grinsenden James Hetfield am Mikrofon melden sich Metallica endlich zurück. Da stört ein lustlos schmollender Kirk Hammett nur am Rande.

24 Stunden vor der Veröffentlichung des neuen Metallica-Albums "Hardwired … To Self-Destruct" traut man seinen Augen und Ohren kaum. Nach einer ausgedehnten Promo-Tour durch deutsche Großstädte, inklusive "HalliGalli"-Auftritt, Geheimkonzert und ausgedehntem Live-Chat, sitzen die Thrash Metal-Urgesteine doch tatsächlich in Jimmy Fallons "Tonight Show"-Music Room und trällern auf Kindergarten-Instrumenten ihren Über-Hit "Enter Sandman". Was für ein Bild! James Hetfield bläst auf der rosafarbenen Kinderflöte, während Lars Ulrich wie ein Duracell-Häschen ein "Toys Ur Us"-Trömmelchen bearbeitet. Herrlich. Da soll nochmal einer behaupten, Metal-Musiker hätten keinen Humor.

Die Jungs von Metallica scheinen sich nach über drei Jahrzehnten im Edelstahl-Business keine sonderlich große Außendarstellungs-Platte mehr zu machen. Erlaubt ist, was Spaß macht. Und Spaß macht den Herren Hetfield, Ulrich, Hammett und Trujillo dieser Tage nicht nur das Livespielen im intimen Rahmen, das Chatten mit Fans aus aller Welt und das Comedy-hafte Blödeln an der Seite von Jimmy Fallon, sondern auch das Sammeln erstaunter Fan-Reaktionen. Die Anhänger der Band erfreuen sich nämlich schon seit Wochen an in regelmäßigen Abständen ausgesandten Songs des neuen Albums.

Das große Ganze wurde sogar bereits komplett geleakt. Die Reaktion aus dem Metallica-Head-Quarter: "We don't care!". So kann's gehen. Der ehemalige Napster-Feind Nummer eins Lars Ulrich und seine Hartholz-Bande gehen anno 2016 in puncto Kommunikation mit der ganzen Welt auf Schmusekurs.

Fast eine Offenbarung

Musikalisch hingegen feuert die Band weiterhin aus allen Rohren. Die Mixtur aus Härte und Durchschlagskraft ist aber schon lange kein Garant mehr für flächendeckende Lobgesänge. Das wissen Metallica nur allzu gut. Seit der Veröffentlichung des alle Band-Rekorde brechenden Black-Albums im Jahr 1991 mussten sich die Kalifornier unzählige verbale Ohrfeigen einfangen.

Die Metallica-Anhängerschaft streckte in den vergangenen 25 Jahren nur ganz selten geschlossen den Daumen nach oben. Das "Load/Reload"-Desaster, der orchestral begleitete Mainstream-Murks "S&M" und der blecherne "St. Anger"-Krach waren allesamt Outputs, die eine Band präsentierten, fernab von ihren kreativen Glanzzeiten. Mit "Death Magnetic" ließ das Kollektiv zwar noch einmal aufhorchen, doch mit der im Jahr 2011 veröffentlichten Lou Reed-Hommage "Lulu" schien der Metallica-Drops endgültig gelutscht zu sein. Doch Pustekuchen! Metallica können's noch! Und zwar so richtig!

Sicher, auch "Hardwired … To Self-Destruct" zieht im Vergleich zu Klassikern wie "Master Of Puppets" oder "Ride The Lightning" weitestgehend den Kürzeren. Aber im Vergleich zu dem, was die Band in den letzten zwei Jahrzehnten aus dem Boden gestampft hat, kommt das neue Album fast schon einer musikalischen Offenbarung gleich.

Ein Stinkefinger für die Kritiker

Schon die vorab veröffentlichten Tracks beeindruckten mit schnittigem Songwriting, energiegeladener Attitüde und einem endlich mal wieder satt wummernden Sound. Es wurde einem ja schon wieder angst und bange, als durchsickerte, Kirk Hammett habe sein iPhone mit mehr als 250 festgehaltenen Riff-Ideen verloren. Glücklicherweise passt ein James Hetfield aber besser auf seine sieben Sachen auf. Bei dem Frontmann hatten sich in den vergangenen Jahren nämlich auch hunderte Gitarren-Themen angesammelt. Und die bilden nun das Fundament, auf dem sich scheppernde Drums und pulsierende Bassläufe nach Lust und Laune austoben.

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Das Album "Hardwired ... To Self-Destruct" ist ab sofort erhältlich. (Foto: obs)

Vor allem Lars Ulrich zeigt all seinen Kritikern endlich mal wieder den Stinkefinger. Mit der Energie eines Thrash-Jungspunds trommelt sich der Mittfünfziger auf den Speerspitzen des Albums ("Hardwired", "Moth Into Flame", "Spit Out The Bone") die Seele aus dem Leib. Da werden Erinnerungen an Zeiten wach, in denen man noch mit Fast-Forward-Granaten wie "Battery", "Master Of Puppets" oder "Blackened" auf den Ohren zur Arbeit marschierte.

Der zweite Frühling?

Auch James Hetfield und Robert Trujillo brausen fast durchgehend auf der Überholspur. Während der Frontmann endlich wieder mit diabolischem Unterton um die Ecke kommt, feuert der Silberrücken mit den langen Zöpfen eine grummelnde Bass-Salve nach der anderen aus seinem Viersaiter.

Einzig Kirk Hammett präsentiert sich wie ein Fremdkörper. Scheinbar noch genervt vom Verlust seiner Input-Ideen, schrammelt der Lead-Gitarrist lieblos auf seinem Instrument rum. Schade eigentlich. Das eine oder andere Ausnahme-Solo hätte vertrackten, fast schon progressiv daherkommenden Fillern wie "Am I Savage", "Here Comes Revenge" oder "Dream No More" sicherlich gut getan. Aber Schwamm drüber. Drei hochmotivierte Top-Athleten und ein Totalausfall reißen immer noch mehr Leute von ihren Sitzen als vier übersättigte Mitläufer. Drum lasst uns in die Hände klatschen und anstoßen: auf den Beginn des hoffentlich zweiten Frühlings einer Band, an der man als Liebhaber harter Klänge einfach nicht vorbeikommt. "Lulu", Hammett und Co hin oder her …

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Quelle: ntv.de

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