Der "Tatort" im SchnellcheckAlles andere als ein Cold Case

In ihrem dritten Fall rollen die neuen Frankfurter Ermittler den tödlichen Brand eines Hochhauses neu auf - und geraten selbst in Gefahr. Können Hamza Kulina und Maryam Azadi erneut überzeugen?
Was passiert?
Fünf Jahre nach einem Hochhausbrand in Frankfurt, bei dem im Flammeninferno 13 Menschen starben, trifft Kommissar Hamza Kulina (Edin Hasanovic) auf einer Mahnwache seine erste Liebe Almila (Seyneb Saleh) wieder. Sie hat damals ihre Mutter verloren und kämpft seitdem für Aufklärung - denn das Sozialwohnungsgebäude brannte binnen Minuten, offenbar wegen billig verbautem Dämmmaterial. Als der dazu einberufene Untersuchungsausschuss kurz davor ist, ergebnislos zu versanden, bittet Almila ihren Ex-Freund um Hilfe.
Die Ermittlungen führen Kulina und seine Kollegin Maryam Azadi (Melika Foroutan) von einem offenbar vorschnell als Suizid abgehefteten Todesfall zum Geschäftsführer des Baustoffkonzerns (Stephan Luca), der damals die Dämmplatten produziert hatte. Je tiefer die beiden graben, desto deutlicher wird: Sie haben in ein Wespennest gestoßen, mit Gefahr für ihr eigenes Leben.
Worum geht's wirklich?
Die Vorlage für "Fackel" lieferte der Brand im Londoner Grenfell Tower mit 72 Toten aus dem Jahr 2017, bei dem brennbares Dämmmaterial eine entscheidende Rolle spielte. Und dass erst im vergangenen November - nach Abschluss der Dreharbeiten - sieben der acht Türme des Wang Fuk Court in Hongkong zerstört wurden und 168 Menschen ihr Leben verloren, verleiht dem Film eine gespenstische Aktualität.
Wegzapp-Moment?
Die Schlussszene ist zwar kein klassischer Moment zum Abschalten, aber einer, der definitiv schwer auszuhalten ist.
Wow-Faktor?
Wie schon in "Licht" und dem mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Erstling "Dunkelheit" ist es gerade die Abwesenheit von klassischen Wow-Momenten, die in der Summe für das Wow im neuen Frankfurter Team sorgt: Als Spiegel der bundesrepublikanischen Realität tun dem "Tatort" diese beiden Ermittler gut, die tatsächlich wie aus dem normalen Leben gegriffen scheinen.
Wie war's?
8 von 10 Punkten. "Fackel" ist ein hochspannender Fall zu einem relevanten Thema und mit einem frischen und über weite Strecken überzeugenden Team. An einigen Stellen hat Regisseur Rick Ostermann seinem Cast aber ein bisschen zu viel Natürlichkeit verordnet, weshalb das Over- bzw. Underacting in diesen Szenen besonders auffällt.