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Der BKA-"Tatort" im Schnellcheck Auch Waffenschieber lesen Tolstoi

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Ist endlich Hauptkommissarin: Julia Grosz (Franziska Weisz).

(Foto: NDR/Meyerbroeker)

Wer an russische Gangster denkt, hat schnell ein Bild im Kopf: kahl rasiert, aufgepumpt, brutal. "Macht der Familie" möchte das ändern - und bricht eine Lanze für literarisch bewanderte Raketenschmuggler im Dandy-Look.

Was passiert?

Oberkommissarin Grosz (Franziska Weisz) wird endlich zur Hauptkommissarin befördert - und darf direkt die Leitung über eine groß angelegte verdeckte Ermittlung führen. Aus dem "darf" wird allerdings schnell ein "muss", als die Aktion außer Kontrolle gerät und sowohl der verdeckte Ermittler als auch sein Kontaktmann bei der ukrainischen Mafia spektakulär aus dem Luftraum über Zypern gebombt werden.

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Sogar verdeckte Ermittlerinnen verfallen den quasi nonstop klavierspielenden Timofejews.

(Foto: NDR/Meyerbroeker)

Von den beiden russischen Boden-Luft-Raketen, um die es bei dem fingierten Deal gehen sollte, fehlt dagegen jede Spur. Ebenso ratlos sind Grosz und ihr Kollege Falke (Wotan Wilke Möhring) ob der Hintergründe der Tat, vermuten aber Schmutziges unter der Oberfläche des Timofejew-Clans, zu dem auch der tote Mafioso gehörte. Zugang zur abgeschottet lebenden Familie erhoffen sich die Kommissare über die Schwester des Ermordeten - die ist nämlich, wie es der Zufall so will, ebenfalls verdeckte Ermittlerin und noch dazu eine alte Kollegin Falkes.

Worum geht es wirklich?

Auf die Suche nach einer versteckten zweiten Ebene muss man sich bei "Macht der Familie" eher nicht begeben: Es geht, wie im Film beschrieben, um illegale Deals mit russischen Waffensystemen, die aus dem unübersichtlichen Kriegs- und Krisengebiet im Osten der Ukraine ihren Weg in die Welt finden.

Wegzapp-Moment?

Davon gibt es jede Menge, weil Regisseur Niki Stein wie schon bei seinem letzten BKA-"Tatort" im AfD-Milieu ein Klischee ans andere reiht und Grautöne scheut. "Bei der Russenmafia denkt man schnell an kahl rasierte, aufgepumpte Muskelprotze", schreibt Stein etwa in der Pressemappe. Und wählt daraufhin das andere Extrem, indem er den Timofejew-Clan als feingeistige Exilfamilie anlegt, die melancholische Stücke auf dem Flügel aus der Hand schüttelt und Tolstoi am laufenden Band zitiert.

Wow-Faktor?

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Die minutiös geschilderte Zugriffsaktion gleich zu Beginn des Films: Das Zusammenspiel zwischen Ermittlern im Feld und der Arbeit des Stabs ist packend und authentisch erzählt und erzeugt ein echtes Mittendrin-statt-nur-dabei-Gefühl.

Wie ist es?

5,5 von 10 Punkten. Nach dem fulminanten Auftakt verliert "Macht der Familie" leider schnell an Fahrt und funktioniert spätestens zur Hälfte des Films nur noch als mildes sonntägliches Schlafmittel.

Quelle: ntv.de

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