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Der "Tatort" im SchnellcheckDas etwas andere Sonntagsmärchen

03.01.2026, 15:35 Uhr
imageVon Ingo Scheel
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ARD-SWR-TATORT-DAS-JUeNGSTE-GEISSLEIN-Fernsehfilm-Deutschland-2026-am-Sonntag-04-01-26-um-20-15-Uhr-im-ERSTEN-Friedemann-Berg-Hans-Jochen-Wagner-ist-der-einzige-der-aus-Eliza-Hanna-Heckt-ein-Laecheln-hervorlocken-kann-SWR-Benoit-Linder-honorarfrei-Verwendung-gemaess-der-AGB-im-engen-inhaltlichen-redaktionellen-Zusammenhang-mit-genannter-SWR-Sendung-bei-Nennung-Bild-SWR-Benoit-Linder-S2-SWR-Presse-Bildkommunikation-Baden-Baden-Tel-07221-929-22202-foto-swr
Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ist der Einzige, der aus Eliza (Hanna Heckt) ein Lächeln hervorlocken kann. (Foto: SWR/Benoît Linder)

Im Schwarzwald fällt Schnee, Friedemann Berg entrümpelt und Franziska Tobler soll einen Mord aufklären. Oder sind es sogar zwei? Es war einmal ein Krimi: "Das jüngste Geißlein" geistert durchs Unterholz seines verwunschenen Plots.

Was passiert?

Nach den Vorkommnissen rund um den letzten Fall ist Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) zunächst einmal suspendiert. Dass er kaum die nötige Ruhe findet, um das Elternhaus vor dem Verkauf vom Schutt der Vergangenheit zu befreien, dafür sorgt mal wieder jene Art von Zufall, die es im "Tatort" zuweilen braucht, um die Dinge voranzutreiben. Bei Berg ist es diesmal die Bäckerin des Ortes. Die gute Frau wartet vergeblich auf ihre Angestellte und bittet den kaltgestellten Kommissar, einmal bei ihr nach dem Rechten zu schauen. Berg findet das Haus verwaist vor, im Innern einer Standuhr hat sich die völlig verängstige Eliza (Hanna Heckt) versteckt - von den Eltern des kleinen Mädchens fehlt jede Spur.

Wenig später ist auch Franziska Tobler (Eva Löbau) gefragt, denn die Leiche von Elizas Vater schwimmt sorgsam verschnürt in einem nahen See. Das Rätsel erweist sich als schwer lösbar: Was weiß das kleine Mädchen? Was hat es mit ihrer Märchen-Kassette vom Wolf und den sieben Geißlein auf sich? Und wo steckt nun eigentlich ihre Mutter? Es scheint, als könne Evelyn Kaltenstein (Mina Tander) Antworten auf einige dieser Fragen geben, doch die verhuschte Psychologin erweist sich zunächst als wenig auskunftsfreudig.

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Eliza (Hanna Heckt) will nach Hause und hat Sorge, dass jemand sie aufhält. Nur begleitet von ihrem Hörbuch läuft sie durch den nächtlichen Wald. (Foto: SWR/Benoît Linder)

Worum geht's wirklich?

Autorin Ulrike Schölles und Regisseur Rudi Gaul machen aus diesem "Tatort" ein doppelbödiges Melodram. Da ist zum einen die klassische Ermittlung, der Mordfall und alles, was folgt. Und da ist die Geschichte der kleinen Eliza, mit Walkman statt Spotify wohl eine der letzten ihrer Art. Das Mädchen gewordene Geißlein, in Angst vor dem bösen Wolf, von der Hoffnung zusammengehalten, dass am Ende - so wie im Märchen - doch noch alles gut ausgeht.

Wegzapp-Moment?

Nicht vorhanden, wenn man sich im Schwarzwald, im tatörtlichen, denn wohlfühlt. Der Kontrast zwischen der Holzpaneele-farbenen Innenwelt und dem bläulichen Frost der Winterlandschaft ist reizvoll. Das Tempo ist etwas geruhsamer, das ist stimmungsvoll einerseits, leider kommt jedoch der Grip, das packende Element, bei dem Ganzen etwas zu kurz. Was hätte man aus den geisterhaften Geißlein für Schreckmomente zaubern können, so jedoch wirkt es zuweilen tatsächlich mehr wie die Abendvariante vom "Märchenfilm am Sonntag".

Wow-Faktor?

Dass Hanna Heckt, die am 4. Dezember ihren zehnten Geburtstag feierte, für Größeres bestimmt ist, stellte sie kürzlich erst in Mascha Schilinskis "In die Sonne schauen" unter Beweis. Auch den Part der verstört-verhuschten Eliza schultert sie überzeugend, selbst Friedemann Bergs Gesang kann ihr nichts anhaben. Dafür ein "Wow" mit Ausrufezeichen. Dennoch bleibt mit Blick auf die Dramaturgie - und den mörderischen Twist - der Eindruck, dass dem 16. Breisgau-Krimi etwas mehr Mut zum Blut gutgetan hätte.

Wie war's?

5 von 10 Punkten - viel Atmo, überschaubare Spannung, wuchtige Pointe. Der Rest ist Schneetreiben.

Quelle: ntv.de

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