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Vom Macho zum Spaßvogel Ein Engel, dieser Jon Hamm

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In der Serie "Good Omens" spielt Jon Hamm den Engel Gabriel.

(Foto: Amazon)

Wer hätte gedacht, dass Jon Hamm so witzig ist, so selbstreflektiert und so zuvorkommend? Seinen ganz großen Durchbruch feiert der Schauspieler als Macho-Werber in der Serie "Mad Men". Von dem rauchenden Misanthropen ist heute nichts mehr übrig.

Eigentlich müsste man es besser wissen und doch ist man zuweilen geneigt, den Schauspieler mit der Rolle zu verwechseln. Jedenfalls aber ist man kurz überrascht, wenn die Person in echt ganz anders ist. Jon Hamm ist nicht Don Draper. Er sieht genauso gut aus wie in "Mad Man", das war es dann aber auch schon. "Nachdem ich mit 'Mad Men' bekannt wurde, hat man mir andauernd Rollen angeboten, bei denen ich einen Hut aufgehabt und geraucht hätte", erinnert er sich im Gespräch mit n-tv.de. Aber Hamm wollte nicht den nächsten Macho spielen. "Wenn man dieselbe Sache wieder und wieder machen will, sollte man kein Schauspieler werden!"

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In der Serie "Mad Men" gab Jon Hamm sieben Staffeln lang den Macho-Werber.

(Foto: imago/Cinema Publishers Collection)

Einst gab Hamm den Teufel der Werbebranche, heute ist er als Engel zu sehen - wenngleich er als solcher jedwede Klischees sprengt. In der Amazon-Serie "Good Omens" spielt er den Engel Gabriel als ehrgeizigen Anzugträger, der die Apokalypse gewinnen will. Das Format basiert auf dem gleichnamigen Fantasy-Roman von Terry Pratchett und Neil Gaiman. Letzterer hat das Drehbuch zur Serie geschrieben und auch Regie geführt. "Ich will mit Leuten arbeiten, deren Arbeit mir gefällt", sagt Hamm. "Neil ist definitiv einer dieser Menschen."

"So weiß und männlich, wie ich bin"

Bei Gaiman darf Hamm lustig sein. Dass man ihm heute Humor zutraut, hat er aber anderen zu verdanken. "Ich hatte unglaubliches Glück, dass Lorne Michaels und Tina Fay mir die Chance gegeben haben, eine ganz andere Seite von mir zu zeigen", so Hamm. Produzent Michaels lud ihn einst als Gastgeber seiner Late-Night-Show "Saturday Night Live" ein, die für satirische Sketche bekannt ist. Er war es auch, gemeinsam mit Fay, der Hamm für die Comedy-Serie "30 Rock" besetzte. Fay engagierte ihn dann auch für ihre nächste Comedy-Serie "Unbreakable Kimmy Schmidt" als Sektenführer. "Wenn ich nicht mehr traurig herumsitzen und Gedanken wälzen muss, sondern stattdessen dumm und albern sein darf, sage ich zu", erklärt Hamm die Engagements.

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Hamm weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, Vertrauen geschenkt zu bekommen. Die Filmbranche ist bekannt für Schubladendenken - immer wieder spielen dieselben Typen dieselben Rollen. Er hat Glück gehabt. Selbstverständlich hat Hamm auch kämpfen müssen, aber er sieht ebenso, dass andere es noch schwerer haben. "Ich kann mir das nur schwer vorstellen, so weiß und so männlich, wie ich bin", sagt Hamm nicht ohne Charme, aber völlig ohne Ironie in der Stimme. Dafür schaut er in dem Moment auffordernd zu seiner Kollegin Adria Arjona hinüber, mit der er an diesem Tag gemeinsam die Fragen der Pressevertreter beantwortet.

Auf der Jagd nach der guten Geschichte

Arjona spielt in "Good Omens" die Hexe Anathema Device, für sie eine ganz besondere Rolle. "Es ist das erste Mal in meiner Karriere, dass ich eine Frau spiele, die nicht in irgendeiner Weise für einen Mann da ist", erzählt die 27-Jährige n-tv.de. Und Anathema ist auch keine toughe, ölverschmierte Action-Heldin. Ihre Stärke ist subtiler.

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Mit Adria Arjona stand Jon Hamm für "Good Omens" vor der Kamera.

(Foto: imago images / Matrix)

"Verrate doch mal den Unterschied zwischen deiner Arbeit mit Neil Gaiman und deiner Arbeit mit Michael Bay", stichelt Hamm. Arjona hat in Bays "Six Underground" mitgespielt. Der neue Film des "Transformers"-Regisseurs ist noch nicht in den Kinos, aber man kann sich vorstellen, was für ein Film das sein könnte. "Lassen Sie es mich so formulieren: Wie cool ist es, dass ich bei 'Good Omens' ein Kostüm anhabe, bei dem ich bis oben hin zugeknöpft bin?", antwortet Arjona diplomatisch. Und Hamm ergänzt: "Neil besitzt die Fähigkeit, großartige Frauenrollen zu schreiben."

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Wenn Jon Hamm und Adria Arjona nebeneinander sitzen, ist völlig klar, wer der Star im Raum ist. Es ist keine Seltenheit, dass Schauspieler für Interviewsituationen so gepaart werden. Ungewöhnlich ist, wie elegant Hamm darüber hinweggehen kann. Sicherlich, er führt das Gespräch. Er platziert seine Witze gekonnt. Einer wie er verstummt nicht aus moralischen Überlegungen heraus. Er muss aber auch nicht allein vorne stehen. Hamm zieht andere mit, weil er weiß, dass auch er einmal Starthilfe erhalten hat, mehr sein zu dürfen als das Naheliegende. Mit Klischeerollen braucht man ihm nicht zu kommen. "Es gibt in dieser Branche Menschen, für die ist Film ein Produkt. Die arbeiten dann am nächsten Marvel-Film oder an irgendeinem anderen Franchise", findet Hamm. "Neil Gaiman zum Beispiel kann aber wirklich erzählen." Don Draper jagte immer den nächsten Pitch. Es klingt ganz so, als gehe es Jon Hamm wirklich um die eine gute Geschichte.

"Good Omens" ist abrufbar über Amazon Prime Video.

Quelle: n-tv.de

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