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"Das Wichtigste im Leben" Eine schrecklich herzliche Familie

Nach "Club der roten Bänder" und "Milk & Honey" geht Vox mit einer dritten Eigenproduktion an den Start. "Das Wichtigste im Leben" erzählt von einer Durchschnittsfamilie, ist selbst aber herausragend.

Familie Fankhauser wohnt in einem mittelständischen Reihenhaus, irgendwo in Bonn. Mit zwei leiblichen und einem adoptierten Kind liegen Kurt und Sandra als Eltern zwar etwas außerhalb der Norm, aber ansonsten ist bei den Fankhauser alles eher durchschnittlich - im positiven Sinne. Die Familie plagen die ganz alltäglichen Sorgen. Philipp will nicht länger im vom Vater trainierten Basketballteam spielen, sondern hat sich ins Ballett verliebt. Teenie-Tochter Luna hat auch Gefühle, ausgerechnet für den verhassten Stiefbruder ihrer besten Freundin Tammy. Und der kleine Theo verliert sein Herz an Hund Fredo, der wiederum verloren geht, was den Jungen verstummen lässt. Mutter Sandra ist mit den emotionalen Achterbahnen ihrer Kinder zwar gut beschäftigt, fühlt sich ansonsten aber unausgelastet, hat sie ihre eigenen Träume zugunsten der Familie doch lange zurückgestellt. Und Vater Kurt? Der kämpft nicht nur für seine Kids, sondern auch gegen seinen dominanten Vater. Eine schrecklich normale, aber besonders herzliche Familie eben.

Nach "Club der roten Bänder" und "Milk & Honey" ist "Das Wichtigste im Leben" die dritte Serie in Eigenproduktion von Vox, für deren Hauptcast der Kölner Privatsender Jürgen Vogel und Bettina Lamprecht als Eltern und Bianca Nawrath, Sidney Holfreter und David Grüttner als deren Kinder gewinnen konnte. Mit den Drehbüchern zeigt Autor Richard Kropf, der unter anderem für "4 Blocks" und "You Are Wanted" schrieb, seine thematische Bandbreite.

Subtil und entschleunigt

Gemessen an dem, was man sonst derzeit in Sachen Serie geboten bekommt, ist "Das Wichtigste im Leben" erfrischend ungewöhnlich. Niemand wird getötet, nichts explodiert, es braut und verkauft auch keiner Drogen oder gerät mit der Unterwelt aneinander. Auf Slapstick und grobe Schenkelklopfer wird ebenfalls verzichtet, der Humor findet subtiler statt. Die Konflikte von Familie Fankhauser berühren durch ihre Normalität und den Umgang der Familienmitglieder miteinander. Denn der zeichnet sich durch Wärme und Menschlichkeit aus.

Dieser Idee ist die ruhige Erzählweise zuträglich. Während Amazon, Netflix und Co. aktuell gern auf überladene Storys, schnelle Schnitte und damit insgesamt auf ein hohes Tempo setzen, wählen die Macher von "Das Wichtigste im Leben" die Entschleunigung. Sie lassen Bildern, Szenen und Emotionen Raum, um zu wirken. Hier und da sind Parallelen zur US-Serie "This Is Us" auszumachen, was durchaus beabsichtigt sein dürfte. Immer ist es emotional genug, um am bürgerlichen Schicksal der Familie Frankhauser teilnehmen zu wollen und sich ehrlich dafür zu interessieren, wie es mit Kurt, Sandra, Philipp, Luna und Theo weitergeht. Und mit Fredo natürlich.

Zu verdanken ist das neben den fein gezeichneten Charakteren und ihren Dialogen vor allem dem Cast. Neben den fünf Familienmitgliedern überzeugen Aleksandar Jovanovic als Philipps gestrenger Tanzlehrer Dinko, Lea Zoe Voß als Lunas vor sich hin pubertierende Freundin Tammy, Walter Kreye als Besserwisser- und Alleskönner-Opa Hans und Annette Frier als ausnahmsweise mal gar nicht lustige Schulärztin.

Das Sahnehäubchen auf der Serientorte ist aber die Musik, unter anderem von Kid Kopphausen, José González, Wilco, Oasis, Woodkid und Drehz. Davon gibt es reichlich, sie ist hervorragend ausgewählt und pointiert gesetzt. Da kann einem durchaus auch schon mal eine Träne aus dem Augenwinkel kullern.

"Das Wichtigste im Leben" läuft ab 5. Juni immer mittwochs um 20.15 Uhr bei Vox.

Außerdem sind die Folgen schon vorab im Premium-Abo bei tvnow.de abrufbar.

Quelle: n-tv.de