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Insomnie im "Tatort" Schlechter Schlaf macht krank

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Hängt mächtig in den Seilen: Kommissarin Fellner (Adele Neuhauser).

(Foto: ARD Degeto/ORF/Prisma Film/Petro)

Die Jagd auf einen Mörder und Kindesentführer raubt Kommissarin Fellner den Schlaf: Schonungslos dekliniert "Die Amme" die Folgen schwerer Schlaflosigkeit herunter. Doch Insomnie ist nicht nur ein Problem von Mordermittlern, es ist eine Volkskrankheit.

Bibi Fellner (Adele Neuhauser) kann nicht mehr schlafen. Bleierne Müdigkeit umfängt sie, aber die Erlösung will einfach nicht kommen. Und wenn der Wiener Kommissarin dann doch einmal vor lauter Erschöpfung die Augen zufallen, schreckt sie nach spätestens zwei, drei Stunden wieder hoch und ist noch kaputter als zuvor. Abend für Abend das gleiche Spiel, und mit jeder schlaflosen Nacht wird Fellners Nervenkostüm dünner. Sie ist unkonzentriert auf der Arbeit, macht Fehler, grantelt sich durch die Gegend und gerät mit den Kollegen aneinander. Über den Vorschlag von Kollege Eisner (Harald Krassnitzer), es doch mal mit einer Tasse Tee und einem guten Buch zu versuchen, kann die Kommissarin nur müde lächeln: Wenn es doch so einfach wäre. Stattdessen bettelt sie in ihrer Verzweiflung zuerst den Pathologen und später eine Dealerin im Club nach Schlafmitteln an.

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Garantiert keine Lösung für Insomnie: Schlaftabletten bei einer Clubdealerin kaufen.

(Foto: ARD Degeto/ORF/Prisma Film/Petro)

Der Grund für Fellners Schlaflosigkeit liegt im neuen Wiener "Tatort" auf der Hand: "Die Amme" ermordet alleinerziehende Prostituierte und entführt deren Kinder. "Ich schlafe, wenn wir den Jungen gefunden haben", wirft sie Eisner an den Kopf, als der intervenieren und sie ins Bett schicken will. Das leuchtet nicht nur dem Kollegen ein, auch gesamtgesellschaftlich gesehen ist das ein "guter" Grund für Schlaflosigkeit - ähnlich wie bei einem Intensivmediziner auf der Corona-Station oder einem Kriegsberichterstatter.

Allerdings leiden nicht nur Menschen, die ein Leben am Limit führen, an Insomnie, ganz im Gegenteil: Schlafstörungen sind eine Volkskrankheit, laut DAK-Gesundheitsreport berichten 80 Prozent der deutschen Arbeitnehmer von Schlafproblemen. 9,4 Prozent leiden wie Kommissarin Fellner an einer schweren Schlafstörung: Ein- und Durchschlafstörungen, allgemein schlechte Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung sind die Symptome so einer Insomnie - seit 2010 sind die Zahlen sprunghaft um 60 Prozent angewachsen.

Schlechter Schlaf macht krank

Die meisten der Betroffenen sind dabei ganz normale Menschen mit ganz normalen Jobs: Verwaltungsangestellte, Schichtarbeiter, Lehrer, Hausfrauen- und männer. Obwohl es viele Gründe für eine Insomnie geben kann, sehen Experten starken Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und die ständige Erreichbarkeit nach Feierabend als Haupttreiber des Problems: "Viele Menschen kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie können ihre eigenen Batterien nicht mehr aufladen", fasst der DAK-Vorstandsvorsitzende Andreas Storm zusammen.

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Dass die meisten der Betroffenen, mehr als 70 Prozent laut DAK, trotzdem nicht zum Arzt gehen, hat auch viel mit der Wertschätzung von Schlaf in unserer Leistungsgesellschaft zu tun: Wenig Schlaf zu brauchen, ist etwas, mit dem sich nicht nur Manager brüsten, es ist ein gesamtgesellschaftliches Statussymbol. Menschen, die stolz davon erzählen, letzte Nacht acht oder neun Stunden durchgeschlafen zu haben, findet man dagegen eher selten. Dabei wäre es höchste Zeit, das Narrativ umzudrehen, denn schlechter Schlaf macht krank: "Schlafstörungen erhöhen das Risiko für Depressionen und Angststörungen", sagt Storm. "Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang mit dem starken Anstieg der Krankmeldungen bei den psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren."

Im Film findet die Kommissarin am Ende dann übrigens doch noch ihre Ruhe - im Krankenhaus, angeschlossen an Dutzende Schläuche, fallen ihr die Augen zu. Ob das Problem damit tatsächlich gelöst ist, lässt "Die Amme" offen. Im wahren Leben wäre die Antwort dagegen einfacher: Mit großer Sicherheit nicht, denn wer einmal unter Insomnie leidet, wird sie nur sehr schwer wieder los, wenn überhaupt. Umso wichtiger ist es, schon frühzeitig auf die Zeichen zu achten, entsprechend zu handeln - und zum Arzt zu gehen.

Quelle: ntv.de

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