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Höhepunkte und Tiefflieger So lief die "Tatort"-Saison 2019/20

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Da braucht Murot (Ulrich Tukur) gar nicht so misstrauisch zu gucken: "Angriff auf Wache 08" ging absolut in Ordnung.

(Foto: HR/Bettina Müller)

Ein Schweizer "Elefant" sagt "Guat Nacht", in Saarbrücken siegt das Gute und Ulrich Tukur versucht sich an B-Movies: Die abgelaufene "Tatort"-Saison hatte viel zu bieten. Schade nur, dass Corona auch an der Deutschen liebster Krimiserie nicht spurlos vorübergeht.

Jedes Jahr aufs Neue beginnt für Krimifans eine Zeit des Leidens, wochenlang müssen sie ohne neuen "Tatort"-Nachschub auskommen. Und als hätte es in diesem Jahr nicht schon genug schlechte Nachrichten gegeben, mischt sich ein mieses kleines Virus nun auch noch in unsere Sehgewohnheiten ein: Weil die "Tatort"-Macher wegen Corona um ihren Nachschub an Filmmaterial bangen, muss die ARD-Programmdirektion die Sommerpause auf eine neue Rekordlänge ausdehnen: Erst am 6. September flimmert die erste Folge der neuen Saison über die Bildschirme.

Was bleibt also zu tun? Genau, in Erinnerungen schwelgen, den Guten wie den Schlechten - quasi Krimi-Methadon. Weil in so einer "Tatort"-Saison dann aber doch immer ganz schön viel passiert, haben wir mal zusammengefasst, woran es sich zu denken lohnt. 36 Mal ermittelten die "Tatort"-Kommissare von August 2019 bis Juni 2020, dazu liefen eine Handvoll ziemlich ordentlicher "Polizeirufe" - zuletzt das starke Rostocker Saisonfinale vom Sonntag.

Der Beliebteste

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Buddelten sich zum Quoten-Olymp: die Münsteraner Klamauk-Ermittler.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Die Münsteraner sind der FC Bayern der Krimilandschaft: Schon am Anfang der Saison weiß man, dass Professor Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Thiel (Axel Prahl) am Ende auf dem Quoten-Treppchen stehen werden. Zugegeben, in der Bundesliga war es dieses Jahr zeitweise ein bisschen spannender - und, oh Wunder, auch der Weihnachtsklamauk "Väterchen Frost" konnte entgegen der Befürchtungen des Kritikers diesmal inhaltlich größtenteils überzeugen (7 von 10 Punkten). Fanden übrigens auch die 12,90 Millionen Zuschauer, die diesen "Tatort" zum quotenstärksten überhaupt machten.

Der Unbeliebteste

Völlig unter ging dagegen ein Fall aus München: Gerade mal 5,3 Millionen Menschen wollten sehen, wie Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayer (Udo Wachtveitl) Kokskoffern und einem Drogenkartell nachjagen. Dabei vergab der Kollege Ingo Scheel immerhin 7 von 10 Punkten für "One Way Ticket" und urteilte: "Etwas überreizte Koks-Novelle, der ein wenig mehr Bewegung gut getan hätte, die aber dennoch bis zum Schluss unterhält." Nur blöd, wenn der neue Traumschiffkapitän Florian Silbereisen ausgerechnet zeitgleich auf große Fahrt geht und ein Gros der Zuschauer mitnimmt.

Die Neuen

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Schürk (Daniel Sträßer, l.) und Hölzer (Vladimir Burlakov) ermitteln ab sofort auf Saarbrückens Straßen.

(Foto: SR/Manuela Meyer)

Saarbrücken stand in den vergangenen Jahren vor allem für alberne Krimikost zum Fremdschämen. Im April schickten sich die zwei jungen Ermittler Schürk (Daniel Sträßer) und Hölzer (Vladimir Burlakov) an, das Image des Saarlands zu ändern: Die Story um Nazi-Altlasten in einer Unternehmerfamilie wurde düster und gut, wir vergaben 8,5 von 10 Punkten und urteilten: "'Das fleißige Lieschen' ist ein (fast) rundum gelungener Neustart für die Saarbrücker, die unrühmlichen Stellbrink-Zeiten sind offenbar ein für allemal vorbei."

Das letzte Mal

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Ihren Abschied gaben im vergangenen Oktober die Schweizer Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer), die bis dahin insgesamt 17 Mal in Luzern und Umgebung ermittelt hatten. "Der Elefant im Raum" wurde zum traurigen Finale: "Plakative Dialoge, Klischees in Reihe, nur das Benzin und die stimmungsvolle Schlussszene zünden", schrieb Ingo Scheel und vergab 3 von 10 Punkten. Definitiv einer der schlechtesten Fälle der Saison, irgendwie aber auch konsequent - bis auf wenige Ausnahmen kam bei den biederen Luzernern nur selten echtes Krimifeeling auf.

Der Klügste

Die Experimental-"Tatorte" mit Ulrich Tukur sind mit Abstand das Ungewöhnlichste, was die ARD am Sonntagabend zur besten Sendezeit ausstrahlt: "Angriff auf Wache 08", eine blutige Hommage an die B-Movies der 60er bis 80er-Jahre, ist da keine Ausnahme. Der Film strotzt nur so vor klugen Popzitaten und Anspielungen und macht in seiner vermeintlichen Tumbheit ganz neue Denkräume auf - wenn man sich darauf einlässt. In unserem Schnellcheck vergaben wir diesmal trotzdem nur 7 von 10 Punkten und urteilten: "'Angriff auf Wache 08' ist kein schlechter Film, aber nach den Ausnahme-Krimis, die man vom Tukur-'Tatort' sonst gewohnt ist, doch eine ziemliche Enttäuschung." Wir sind wohl ganz einfach verwöhnt.

Quelle: ntv.de