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Mittwoch, 04. Juli 2018

Lob und Ehre von allen Seiten: Bill Withers - "Jeder ist von ihm beeinflusst"

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Bill Withers hat sich vor so langer Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, dass viele Musikfans denken, er müsse schon gestorben sein. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Bill Withers hat sich vor so langer Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, dass viele Musikfans denken, er müsse schon gestorben sein.

Bill Withers hat sich vor so langer Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, dass viele Musikfans denken, er müsse schon gestorben sein.

"Manchmal wache ich auf und frage mich das selbst", sagte Withers, hier 2017 bei einer Preisverleihung, jüngst dem Musikmagazin "Rolling Stone".

"Ein berühmter Priester rief mich einmal an, um herauszufinden, ob ich tot bin oder nicht. Ich habe zu ihm gesagt: 'Lass mich checken.'"

Withers lebt - aber nach rund 20 Jahren mit Hits wie am Fließband - ...

... wie "Just the two of us", "Ain't no sunshine", "Lean on me" - seit 1985 privat und zurückgezogen in den Bergen von Los Angeles. "Dieser Tage kann ich die Pop-Charts nicht von Pop-Tarts unterscheiden", sagt Withers.

2015 trat er ausnahmsweise noch einmal kurz auf, bei seiner Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame - ...

.. die Ehrung wurde von keinem Geringeren als Musik-Legende Stevie Wonder vorgenommen.

Und Wonder sang sogar für ihn - Withers' wohl schönsten, traurigsten und bekanntesten Song: "Ain't no sunshine when she's gone / It's not warm when she's away ..."

Aber Wonder sorgte auch für Lacher - mit einem seiner berühmt-berüchtigten Blinden-Witze. Als Withers bat, den Teleprompter anzuhalten, er wolle mal kurz frei sprechen, meinte Wonder: "Ich habe ihn gar nicht benutzt!"

Am 4. Juli 2018 wird Bill Withers 80 Jahre alt - musikalische Pläne hat er keine mehr.

"Ich bin aufgewachsen im Zeitalter von Barbra Streisand, ... (hier 1965 mit Ray Charles)

... Aretha Franklin (hier 1987 mit James Brown) und Nancy Wilson. Das war eine Zeit, als eine fette, hässliche Tussi, die singen konnte, noch wertgeschätzt wurde. Jetzt geht alles um Image. Das hat keine Poesie. Es ist einfach nicht meine Zeit", konstatiert Withers.

Musik habe ihn in seinen 30ern mehr interessiert. "Ich bin nicht motiviert, Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen oder überall hin zu reisen. Dafür gab es eine Zeit. Als es vorbei war, war es vorbei. Jetzt ist etwas anderes dran."

Zudem sei er glücklich mit seinem Leben, wie es jetzt sei, sagt Withers. Seine Frau Marcia kümmert sich um ihn und um die Verwaltung der Tantiemen, von denen beide gut leben können.

Die beiden erwachsenen Kinder (hier Tochter Kori, 2006) wohnen in der Nähe. "Was soll ich denn noch kaufen? Ich habe so viel Glück gehabt. Ich habe eine nette Frau, die mich wie Gold behandelt."

Geboren wurde Withers 1938 als jüngstes von sechs Kindern eines Bergarbeiters im armen Kohlebergwerksort Slab Fork in West Virginia. Schon dort beeindruckt ihn die Musik. "Wir lebten direkt an der Grenze zwischen der schwarzen und der weißen Nachbarschaft. ...

... Ich habe die Jungs Country-Musik spielen hören und in der Kirche hörte ich Gospel. Überall war Musik." Aber als er 13 ist, stirbt sein Vater und Withers muss Aushilfsjobs annehmen, um die Familie zu unterstützen. Zudem stottert er stark, wogegen er bis heute ankämpft. Mit 17 ging Withers zur Marine, danach baute er Flugzeugteile in Kalifornien. Als er zufällig mitbekommt, wie viel mehr Geld einige Musiker verdienen, ...

... bringt er sich selbst Gitarre und Klavier bei und beginnt, Songs zu schreiben. Tagsüber verdient er das Geld, das er nachts in die Aufzeichnung seiner Songs steckt - bis einige Jahre später Sussex Records auf ihn aufmerksam wird. (Bild von 1972)

In den kommenden rund 20 Jahren veröffentlicht Withers acht Alben, hat viele Hits, spielt umjubelte Konzerte auf der ganzen Welt und gewinnt drei Grammys. "Ich kann nicht Gitarre oder Klavier spielen, aber ich habe eine Karriere daraus gemacht, Songs auf Gitarre und Klavier zu schreiben. ... (1973)

... Ich habe Musik nie gelernt, sondern einfach gemacht. Ich habe mich einfach dazu entschieden."

Stars wie Barbra Streisand, Etta James, Will Smith, Michael Jackson, Tom Jones, Liza Minnelli, Diana Ross und Mick Jagger coverten Songs von Withers, Dutzende weitere lassen sich bis heute von seiner Musik beeinflussen. "Er ist der letzte afro-amerikanische Jedermann", sagte Rapper Questlove (im Bild) einmal. "Bill Withers ist für Schwarze das, was Bruce Springsteen am nächsten kommt."

Auch Sänger Sting lobt Withers: "Das Schwerste am Songschreiben ist, einfach und gleichzeitig tiefgründig zu sein. Und Bill schien instinktiv zu verstehen, wie das geht."

Withers sei wie Stevie Wonders, Michael Jackson oder die Beatles, sagt Sänger Ed Sheeran. "Niemand kann sagen, dass er nicht von ihm beeinflusst worden ist. Denn auch wenn man kein Fan ist, irgendwann ist man von jemandem beeinflusst worden, der von ihm beeinflusst worden ist."

Aber trotz all des Lobs - der eigenwillige Withers lässt sich nicht zu einem Comeback überreden. "Dieses Business kam in meinen 30ern zu mir. Davor war ich ein ganz normaler Typ. Ich habe mich nie gefühlt, als ob ich das Business besessen habe oder das Business mich."

Ein Hoffnungsschimmer für Fans: Withers hat ein Musikstudio in seinem Haus in Los Angeles. "Ich werde mich von niemandem bequatschen lassen, dass ich kein alter Typ mehr bin. Aber wenn ich etwas Musik machen und Wirbel verursachen würde, kommt vorbei und schaut es euch an." (abe/dpa)

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