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Erbstück und Geldanlage 300 Jahre Meissener Porzellan

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Typisches Zwiebelmuster: Meissener Porzellan war auch in Krisenzeiten gefragt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es wird als Erbstück geschätzt, stolz auf der Kaffeetafel platziert und sogar als Geldanlage geschätzt: Meissener Porzellan ist eine der ältesten Marken der Welt. In der Porzellan-Manufaktur im nahe Dresden gelegenen Meißen werden seit Jahrhunderten in aufwändiger Handarbeit Tafelservice, Figuren, aber auch Wandreliefe und Schmuck kreiert. Am 23. Januar feiert die Manufaktur ihr 300-jähriges Bestehen - mit Sonderausstellungen, limitierten Jubiläums-Editionen und einer Tourismus-Offensive.

Das wohl bekannteste Dekor aus Meißen ist das "Zwiebelmuster". Es wurde bereits 1739 nach chinesischen Vorlagen geschaffen und verdankt seinen Namen kurioserweise einem Irrtum: Denn das "Zwiebelmuster" stellt keineswegs Zwiebeln dar, sondern Granatäpfel, die sich neben Pfirsichen und Zitronen auf dem asiatischen Vorbild finden und von Zeitgenossen missinterpretiert wurden. Vielleicht auch, weil selbst den Malern der damaligen Zeit die seltenen Früchte unbekannt waren.

Zwiebeldekor: Oft gefälscht und kopiert

Der Beliebtheit des "Zwiebelmusters" tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil, kein anderes Dekor ist weltweit so oft gefälscht und kopiert worden. Allein der Meissener Katalog umfasst davon heute mehr als 750 verschiedene Artikel.

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Porzellanmalerinnen arbeiten an Meisterwerken der russischen Oper und der deutschen Sagenwelt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Seinen Ursprung hat die traditionsreiche Manufaktur Anfang des 18. Jahrhunderts. Im Jahr 1701 lässt August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, den Apothekergehilfen Johann Friedrich Böttger als vermeintlichen Goldmacher in Gewahrsam nehmen und in seine Residenzstadt Dresden bringen. Zwar kann Böttger kein Gold zaubern, nach jahrelangem Experimentieren gelingt es ihm aber gemeinsam mit anderen, "weißes Gold" herzustellen. 1708 gilt als Geburtsjahr des europäischen Porzellans - damit muss der Adel nicht mehr für horrende Summen Porzellan aus China importieren.

Farben werden streng gehütet

Am 23. Januar 1710 verkündet August der Starke per allerhöchstem Dekret die Gründung der Porzellan-Manufaktur Meissen. Das zur Porzellanherstellung notwendige Kaolin wird bis heute im wohl kleinsten Bergwerk Deutschlands in Seilitz nahe Meißen abgebaut. Auch das Laboratorium zur Herstellung der rund 10.000 verschiedenen Farben wird streng gehütet.

Meissener Porzellan gilt nicht nur als besonders hochwertig, es spiegelt auch die Kunst- und Kulturgeschichte aus drei Jahrhunderten wider. Die Dekore und Formen wurden erst von ostasiatischen Vorbildern, später von Rokoko, Jugendstil und der Moderne inspiriert. Es entstanden Figuren wie die "Dame mit Mohr", Glockenspiele und sogar Wandbilder wie der berühmte Fürstenzug in Dresden. Großformatige Bilder aus Meissner Porzellan schmückten auch zahlreiche öffentliche Gebäude in der DDR und fanden auch im Westen Abnehmer. Ohnehin war das Porzellan aus dem Volkseigenen Betrieb (VEB) in Meißen ein wichtiger Devisenbringer.

Ausstellung im Jubiläumsjahr

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Besucher bestaunen Vasen aus der Zeit von 1918 bis 1933 von Emil-Paul Börner.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mehrere tausend historische Stücke können Besucher im Jubiläumsjahr im Manufaktur-Museum bewundern. Darüber hinaus ist eine limitierte Schmuckedition zu sehen - mit einigen Teilen davon kann sich sogar US-Präsident Barack Obama schmücken. Bei seinem Dresden-Besuch im vergangenen Sommer wurden ihm Manschettenknöpfe mit den gekreuzten Schwertern überreicht.

Zum Jubiläum hofft die Region nun auf einen Touristenboom. "Seit 2007 sinken die Übernachtungszahlen, jetzt erwarten wir wieder mehr Gäste", sagt Kerstin Oefler vom Tourismusverband sächsisches Elbland. Es gibt einen Reiseführer zu den historischen Stätten des Porzellans, und in ausgesuchten Gaststätten können Besucher "auf weißem Gold" dinieren.

Jüngere Kunden  gewinnen

Für die Manufaktur geht es im Jubiläumsjahr aber auch darum, sich wirtschaftlich zu stabilisieren. Denn auch an den Porzellangestaltern ist die Finanzkrise nicht spurlos vorbeigegangen. Die Manufaktur mit ihren rund 800 Mitarbeitern will sich strategisch neu ausrichten und dabei mehr jüngere Kunden gewinnen, denen das "Zwiebelmuster" zu altbacken ist.

Quelle: n-tv.de, Andrea Hentschel, AFP

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