Panorama

Nächstes Fabrik-Unglück in Bangladesch Acht Menschen ersticken qualvoll

Bangladeschs Textilindustrie sucht ein Unglück nach dem nächsten heim: Nun sterben acht Menschen bei einem Feuer. Kurz zuvor schließen die Behörden 18 Werke als Konsequenz aus dem jüngsten Fabrikeinsturz. Die Opferzahl stieg dort auf 912.

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Nahe Dhaka stapeln sich die Särge - rund 800 Arbeiter starben beim Fabrikeinsturz.

(Foto: AP)

Erst zwei Wochen ist das schlimmste Fabrikunglück in der Geschichte Bangladeschs her, da fordert ein neues Unglück weitere Opfer. Bei einem Feuer in einem anderen Unternehmen sind mindestens acht Menschen getötet worden. Laut der Feuerwehr wurden außerdem sechs Menschen verletzt. Die Getöteten erstickten.

Der Brand im Textilwerk in der Hauptstadt Dhaka sei vermutlich wegen eines Kurzschlusses ausgebrochen. Unter den Toten seien keine Arbeite gewesen, da die Produktion gerade ruhte - ansonsten hätten weitaus mehr Menschen ihr Leben verlieren können. Zu den Opfern zählen demnach der Besitzer der Fabrik, Mitarbeiter sowie Polizisten. Die Flammen waren nach zwei Stunden gelöscht.

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Noch immer werden Leichen unter den Trümmern des Gebäudes gefunden.

(Foto: AP)

Vor zwei Wochen war ein achtstöckiges Gebäude in Savar in sich zusammengestürzt. Die Stadt liegt bei Dhaka und ist Standort mehrerer Textilfabriken. Noch immer werden vor Ort Tote aus dem Schuttberg gezogen. Es seien bislang 912 Leichen gefunden worden, sagte ein Armeebeamter. Allein in der Nacht zum Donnerstag entdeckten Helfer mehr als 100 tote Arbeiter. 2437 Menschen wurden nach offiziellen Angaben lebend geborgen. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden bislang festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen.

Behörden machen Fabriken dicht

Das Unglück hatte erneut das Schlaglicht auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Fabriken geworfen, in dem vor allem Frauen für einen sehr geringen Lohn arbeiten. Die EU hat mit Strafmaßnahmen gedroht, sollte Bangladesch nicht für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilbranche sorgen. Als späte Konsequenz schlossen die Behörden in dieser Woche 18 Textilwerke. Die Regierung sicherte zu, die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einhalten zu wollen. Viele Fabriken hätten sich aber nicht an die Bauvorgaben gehalten.

Ein Großteil der Kleidung in den oft maroden Fabriken wird für den Export gefertigt - viele Kleidungsstücke von dort landen auch in Deutschland. Zuletzt räumte der Textildiscounter Kik den Bezug von Kleidung aus der eingestürzten Bekleidungsfabrik bis kurz vor der Katastrophe ein. Nachdem Kik-Kleidung in den Trümmern gefunden wurde, gab die Firma mit Sitz im westfälischen Bönen zu, ein Importeur des Unternehmens habe bis Anfang des Jahres dort produziert.

Quelle: n-tv.de, twi/dpa/rts

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