Panorama

"Schaffen das nicht mehr allein" Ärzte ohne Grenzen wirft Berlin Versagen vor

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Immer wieder infizieren sich auch Mediziner mit Ebola.

(Foto: REUTERS)

Die Kritik ist harsch. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wirft der Bundesregierung vor, "nichts" gegen Ebola zu tun. "Die Verzweiflung nimmt jeden Tag zu", so die Organisation. Ärzte vor Ort hätte es "mehr mit Toten, als mit Lebendigen zu tun".

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schlägt Alarm und wirft der Bundesregierung Tatenlosigkeit im Kampf gegen die Ebola-Seuche in Westafrika vor. "Die Verzweiflung nimmt jeden Tag zu. Wir schaffen das nicht mehr allein. Die deutsche Regierung tut nichts", sagte der Chef der deutschen Sektion, Tankred Stöbe, im Bayerischen Rundfunk (BR).

"Unsere Kollegen in den betroffenen Ländern sind am Ende ihrer Kräfte. Sie haben es mittlerweile mehr mit Toten, als mit Lebendigen zu tun", sagte Stöbe. Die deutsche Regierung habe zwar nun erste Maßnahmen in Aussicht gestellt, dies sei jedoch mit mehrmonatiger Verspätung geschehen. "Wir haben seit Juni gewarnt, dass die Epidemie außer Kontrolle geraten ist - und das tun wir nicht leichtfertig. Weitere Monate sind verstrichen und die deutsche Regierung tut bisher nichts."

Es könne nicht sein, dass die Bekämpfung einer solchen Epidemie den Nichtregierungsorganisationen vor Ort überlassen werde. Die Ärzte ohne Grenzen sind mit 2000 Helfern vor Ort. "Wir schaffen das nicht mehr allein. Wir brauchen Krankenhäuser und Isolierstationen mit ausgebildeten Personal und genau das haben wir nicht mehr." Stöbe forderte insbesondere die Verlegung von militärischen Anti-Seuchen Einheiten in das Krisengebiet.

In den vergangenen Wochen haben sich immer wieder auch Helfer in Westafrika mit dem hochansteckenden Virus infiziert, das zu starkem Fieber und inneren Blutungen führt. Zwar habe die Bundesregierung nun Hilfe in Aussicht gestellt, "Ärzte ohne Grenzen" habe aber seit Juni vergeblich gewarnt, sagte Stöbe.

Merkel verspricht Hilfe

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwoch den Ländern in Westafrika Hilfe zugesagt, nachdem die liberianische Präsidentin in einem persönlichen Brief an verschiedene Regierungschefs dringend um Unterstützung gebeten hatte. Mit Hilfe von Luftwaffe-Transportern sollten Hilfsgüter und Spenden aus Deutschland in die Region gebracht werden. Innerhalb der nächsten zehn Tage solle zudem eine mobile Feldklinik mit 50 Krankenbetten losgeschickt werden.

US-Präsident Barack Obama rief zu einem entschiedeneren Kampf der Weltgemeinschaft gegen die Seuche auf, an der nach offiziellen Angaben bislang 2500 Menschen gestorben sind. Die USA schicken 3000 Soldaten in die Region, darunter Ingenieure und Mediziner. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird die Eindämmung des Ebola-Ausbruchs rund eine Milliarde Dollar kosten.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/rts