Panorama

Das Wetterjahr 2020 Ausgefallene Sommer und historische Hitzetage

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So war das Wetter in diesem Jahr - zu warm und zu trocken. Wieder einmal.

(Foto: imago images/Die Videomanufaktur)

Ob das Jahr 2020 als bisher wärmstes oder zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen eingeht, entscheidet sich erst auf den letzten Metern. Noch liegt das Jahr 2018 mit 2,21 Grad Celsius überm langjährigen Mittel (Vergleichszeitraum 1961 bis 1990) vorn. 2020 hat momentan eine Abweichung von knapp 2,2 Grad und ist nur knapp dahinter. Die meisten Wetter-Fakten für 2020 stehen aber selbstverständlich schon fest. Hier die Reise durchs turbulente Wetterjahr 2020.

Januar: Der Winter fiel mal wieder aus

Das einstige Zugpferd des Winters, der Hochwintermonat Januar, leidet mit am stärksten unterm Klimawandel. Und das war auch im Januar in diesem Jahr so. Der Pollenflug mit Erle und Hasel kam statt Schnee und Eis. Schlussendlich war der Januar rund 4 Grad zu warm. Gleichzeitig schien die Sonne überdurchschnittlich viel und beim Regen kamen kaum zwei Drittel der ansonsten üblichen Menge vom Himmel, so dass es in Sachen Trockenheit nur wenig Entspannung zu vermelden gab. Das änderte sich zwar im Februar 2020. Doch der Unwinter ging weiter.

Klimacheck (Vergleichszeitraum 1961 bis 1990)

  • 4 Grad zu warm
  • Regen 70 Prozent
  • Sonne 128 Prozent

Februar: "Sabine2 sorgt für den schlimmsten Sturmtag des Jahres

Am Ende war der Februar sogar nochmals wärmer als der Januar. Knapp 5 Grad überm Klimamittel. Markanter ist allerdings der Sturm, der uns am 9. und 10. Februar überquerte: "Sabine" zog mit Spitzenböen knapp über 170 Kilometer pro Stunde über Deutschland hinweg. Mit massiven Schäden an den durch die Trockenheit der vergangenen Jahre geschwächten Wäldern. Zumindest aber brachte der Februar endlich mal wieder viel Regen. Im landesweiten Mittel fielen über 110 Liter pro Quadratmeter. Mehr als doppelt so viel wie ansonsten üblich. 

  • 4,9 Grad zu warm
  • Regen 250 Prozent
  • Sonne 87 Prozent

März: Ein Auf und Ab und am Ende doch zu warm, zu trocken und sehr sonnig

Der März hatte einige Aufs und Abs bei den Temperaturen zu bieten. Gleichzeitig fühlte sich das zum Teil auch schon mal wie Frühsommer an. Deutlich über 20 Grad vermeldete vor allem der Alpenrand. Und auch wenn einige wechselhafte und stürmische Abschnitte mit Spitzenböen von um die 150 km/h auf den Bergen dabei waren, so fiel der März am Ende doch zu trocken und dementsprechend überdurchschnittlich sonnig aus.

  • 1,8 Grad zu warm
  • Regen 90 Prozent
  • Sonne 156 Prozent

April: Rekordsonne, extrem trocken und viel zu warm

Vor allem dem April als klassischen Übergangsmonat hat der Klimawandel übel mitgespielt. Er gilt als einer der größten Verlierer in Zeiten der weltweiten Erwärmung. Und da macht der April keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil. So erlebten wir den inzwischen zwölften zu trockenen April in Folge. Im Endeffekt gab es zwar noch zwei April-Monate in der Wettergeschichte, die trockener waren. Doch war es nach 2007 und 1893 der dritttrockenste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Noch weiter vorne ist der April bei der Sonnenbilanz. Im Endeffekt landen wir im deutschlandweiten Durchschnitt bei mehr als 290 Sonnenstunden und damit haben wir den bisherigen Spitzenreiter 2007 vom Thron gestoßen. Damals gab es 289 sonnige Betriebsstunden. Insofern haben wir sowohl 2007 als auch jetzt fast zehn Sonnenstunden pro Tag erlebt und damit lässt der April sogar viele Sommermonate locker hinter sich. Und natürlich verschärfte sich die Trockenheit in Anbetracht der durstigen Natur und bei kaum zehn  Litern Regen pro Quadratmeter im deutschlandweiten Durchschnitt weiter.

  • 3 Grad zu warm
  • Regen 28 Prozent
  • Sonne 190 Prozent
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Im April schien rechnerisch zehn Stunden am tag die Sonne - Rekord.

(Foto: imago images/Reinhold Becher)

Mai: Der "kälteste" Monat des Jahres

Nimmt man die Abweichung vom langjährigen Mittelwert, dann ist der Mai der kälteste Monat des Jahres 2020. Denn er performte in Sachen Temperaturen sogar etwas unterm langjährigen Durchschnitt. Ähnlich wie im Jahr 2019 ist also vom Wonnemonat kaum etwas geblieben. Allerdings nutzten auch die eher kühlen Wetterlagen kaum etwas in Punkto Niederschlag. Der Mai war am Ende ebenso wie der Januar, der März und der April zu trocken.

  • Knapp 0,2 Grad zu kalt
  • Regen 53 Prozent
  • Sonne 120 Prozent 

Juni: Ein fast ganz normaler Monat

Im Juni sah es dann mal ganz anders aus. Denn eine ausgeglichene Regen- und Sonnenbilanz ließen fast so etwas wie Normalität beim Wetter aufkommen. Die Temperaturen waren auch nicht allzu außergewöhnlich mit den heißesten Tagen am 13. Juni sowie am 26. Juni mit Spitzenwerten bis 34 Grad.

  • 1,5 Grad zu warm
  • Regen 107 Prozent
  • Sonne 105 Prozent

Juli: Im Norden fiel der Julisommer komplett aus

Der Juli kam sehr unausgewogen daher. Im Süden wiederholt mit sommerlichen, zum Teil auch schwülen Luftmassen. Im Norden fiel der Sommer hingegen gänzlich aus. Wer seine Sommerferien im Juli an der Nordsee verbracht hat, der bekam im ganzen Monat nicht einen Sommertag, also mit Höchstwerten über 25 Grad. Und auch im Landesinneren von Niedersachsen bis rüber nach Vorpommern waren es meistens nur ein bis vier Sommertage. Von Hitzetagen, also mit mehr als 30 Grad, mal ganz zu schweigen. Doch das änderte der August.

  • 0,7 Grad zu warm
  • Regen 68 Prozent
  • Sonne 108 Prozent 

August: Vom Normalo-Sommer in den Hitzesommer

Jetzt legt der Sommer mal kurz den Turbo an und dann merkten wir schnell, dass es doch kein ganz normaler Sommer werden sollte. Von Berlin bis nach Hamburg gab es teilweise bis zu 15 Hitzetage! Und apropos Hitze: Die höchste Temperatur des Augusts und damit auch des Jahres aus dem offiziellen Messnetz des Deutschen Wetterdienstes vermeldete Trier-Petrisberg am 9. August mit von 38,6 Grad. Am Ende war der August 2020 der zweitwärmste August seit Aufzeichnungsbeginn mit einer teils sehr unausgewogenen Regenbilanz. Denn die mitunter schweren Gewitter in der hochsommerlichen Luft waren sehr unterschiedlich verteilt. In Teilen Bayerns fielen mancherorts mehr als 340 Liter pro Quadratmeter (Aschau-Innerkoy), während die trockensten Orte im Westen unseres Landes keine 20 Liter zusammen ekommen haben. Das Verrückte an der Statistik ist jedoch, dass im deutschlandweiten Mittel der August 2020 sogar etwas zu nass ausfiel.

  • 3,4 Grad zu warm
  • Regen 110 Prozent
  • Sonne 110 Prozent 
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Im August krachte es häufig.

(Foto: imago images/Gottfried Czepluch)

September: Erst Rekordkurs, dann Absturz

Lange sah es so aus, als würde auch der September am Ende sehr warm ausfallen. Auch Rekorde waren denkbar. Allerdings kam pünktlich mit dem kalendarischen Herbstbeginn eine nachhaltige Abkühlung und außerdem ein Wechsel zu wechselhafterem und nasserem Wetter. Endlich. Denn die Böden waren zum Teil sehr ausgemergelt. Das reichte zwar schlussendlich nicht mehr, um den September zu einer ausgeglichenen Regenbilanz zu bewegen. Aber ein Anfang war gemacht und der Oktober machte in Sachen Regen munter weiter.

  • 1,4 Grad zu warm
  • Regen 85 Prozent
  • Sonne 137 Prozent

Oktober: Alle Facetten der Herbstes

Im Oktober war richtig was los: Föhnsturm in den Alpen, ordentliche Schauer und Gewitter, Sturmflutwarnung an der Küste und Schnee auf den Bergen im Süden gepaart mit nächtlichem Frost und Bodenfrost. Am Ende war aber vor allem wichtig, dass noch was an Regen fiel. Und Regen gab es noch einige Liter. Am meisten regnete es am Brocken im Oberharz mit deutlich mehr als 300 Litern auf jeden Quadratmeter.

  • 1,2 Grad zu warm
  • Regen 145 Prozent
  • Sonne 61 Prozent

November: Sehr trocken und sehr sonnig

In der Vorstellung ist der November gerne mal die graue Eminenz. Doch der November wollte mal aus seiner Rolle ausbrechen. Und es ist ihm gelungen. Kaum Wolken, die ebenso kaum Regen brachten gepaart mit super milden Temperaturen und fertig ist der gefühlte Spätsommer im Spätherbst. Hochdruckwetter, das kaum weichen wollte, brachte zudem etliche Temperaturrekorde und sorgte unterm Strich für einen der sonnigsten und trockensten Novembermonate der letzten Jahrzehnte.

  • 2,1 Grad zu warm
  • Regen 31 Prozent
  • Sonne 157 Prozent

Dezember: Höhen und Tiefen mit kaltem Ende

Die Wettergeschichte des Dezember hat einige Kapitel. Zum einen die durchaus winterlichen und einem spannenden Rennen um die mögliche Weiße Weihnacht. Zum anderen aber natürlich auch das vorgezogene Weihnachtstauwetter, das landesweit am vierten Advent den Schnee dahinschmelzen ließ. Und dann die deutliche Abkühlung zuletzt durch die stürmische "Hermine". Auf den letzten Metern wollte es der Winter also doch noch wissen. Und das ist auch der vorläufige Trend fürs neue Wetterjahr 2021.

  • Knapp 2,5 Grad zu warm
  • Regen 75 Prozent
  • Sonne 75 Prozent

Quelle: ntv.de

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