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Was ist der Sinn des Leidens? Der Papst hat keine Antwort

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Papst Benedikt XVI. beim Kreuzweg am Kolosseum.

(Foto: REUTERS)

Benedikt XVI. erinnert beim Kreuzweg in Rom an die Leiden Jesu erinnert - ein Höhepunkt der Osterfeiern. Zum ersten Mal erscheint ein Papst als Interviewgast einer Fernsehsendung. Ein sieben Jahre altes Mädchen stellt ihm dabei eine Frage, auf die selbst der Stellvertreter Christi auf Erden keine Antwort hat.

Papst Benedikt XVI. hat am Karfreitag am Kolosseum in Rom zusammen mit Tausenden von Gläubigen den Kreuzweg gebetet. Erstmals seit Beginn seines Pontifikats vor sechs Jahren hatte eine Frau alle Meditationen zu den 14 Stationen des Leidens und Sterbens Jesu geschrieben. Die traditionelle Zeremonie am Abend, ein Höhepunkt im Osterprogramm, lief im Schein vieler Fackeln und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen an dem Wahrzeichen Roms ab.

Die Kreuzwegtexte stammten aus der Feder der italienischen Augustiner-Eremitin Maria Rita Piccione. Sie wandten sich dagegen, engherzig "Buchführung des eigenen Wohlbefindens" zu betreiben und die Unschuld der Kleinen und Schwachen zu schänden. Nach den zahlreichen Missbrauchsskandalen, die die Kirche weltweit seit Jahren erschüttern, konnte das auch als Selbstkritik der katholischen Kirche gewertet werden. Auch zwei Kinder durften kleinere Teile der Meditationen verlesen.

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Während der Fastenzeit sind in katholischen Kirchen die Kreuze verhüllt. Karfreitag werden sie enthüllt.

(Foto: REUTERS)

Zuvor gab es eine Premiere bei den Osterfeiern von Benedikt: Es stand der erste direkte TV-Auftritt eines Papstes auf dem Programm - in einem zuvor aufgezeichneten Teil der katholischen Sendung "A Sua Immagine" (Nach seinem Bilde) des staatlichen Fernsehsenders RAI 1 äußerte sich das 84-jährige Kirchenoberhaupt zu insgesamt sieben Fragen.

"Das frage ich mich auch"

In der TV-Sendung musste Benedikt die Frage eines siebenjährigen japanisch-italienischen Mädchens beantworten, das nach dem schweren Erdbeben in seiner fernen Heimat etwas vom Sinn des Leidens wissen wollte: "Liebe Elena, das frage ich mich auch", antwortete ihr der Papst: "Wir haben darauf keine Antwort, aber wir wissen, dass Jesus wie ihr unschuldig gelitten hat und dass Gott, der sich in Jesus zeigt, auf eurer Seite ist."

Wo die Seele ihres Sohnes sei, der im vegetativen Koma liegt, fragte eine italienische Mutter: "Hat ihn sein Geist verlassen, weil er nicht mehr bei Bewusstsein ist, oder ist er noch bei ihm?" Benedikt sagte, dass der Geist den Körper nicht verlassen habe und nur gerade nicht wahrnehmbar sei. Er sei überzeugt, dass der Geist ihres Sohnes ihre tiefe Liebe spüre, ermutigte der Papst die Frau. Der bewusstlose Patient ähnele einer Gitarre, bei welcher die Saiten zerstört seien.

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Tausende kamen zum Kolosseum.

(Foto: dpa)

Auch eine irakische Studentengruppe wandte sich an das Kirchenoberhaupt. Christen sind im Irak schwerer Verfolgung durch fundamentalistische Terroristen ausgesetzt. Ihnen sagte Beneditk, er bete für Versöhnung und Verständigung in dem von Konflikten zerrissenen Land. Der Heilige Stuhl sei in einem ständigen Kontakt mit den verschiedenen religiösen Gemeinschaften, um dabei zu helfen.

Den Fragen von Bürgern hatte sich Papst Benedikt XVI. noch nie in einer Fernsehsendung gestellt. Beim Sender Rai gingen dazu 2000 Fragen aus aller Welt ein, aus denen eine Handvoll ausgesucht wurde. Keine der ausgewählten Fragen beschäftigte sich mit dem Missbrauchsskandal.

Auftakt mit Fußwaschung

Zum offiziellen Auftakt der viertägigen Osterfeierlichkeiten hatte Benedikt am Gründonnerstag in der römischen Lateranbasilika die traditionelle Fußwaschung absolviert. Dabei wäscht der Papst zwölf Priestern die Füße, in Erinnerung an diese Geste der Demut Jesu Christi seinen Jüngern gegenüber. Die Kollekte war für Erdbeben-und Tsunamiopfer in Japan bestimmt. In seiner Ansprache warb er für eine Einheit der Christen sowie dafür, "Jesus so anzunehmen, wie er ist, und nicht so, wie wir ihn haben wollen". Das müssten alle immer wieder lernen: "Auch wir verstecken uns hinter Ausreden, wenn die Zugehörigkeit zu ihm uns zu kostspielig und zu gefährlich wird."

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Fußwaschung am Gründonnerstag in der Lateranbasilika.

(Foto: dpa)

Die kommenden Tage bleiben anstrengend für den 84-jährigen Joseph Ratzinger. Den Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten im Vatikan bildet die Messe zur Osternacht am Abend des Karsamstag. Am Ostersonntag erteilt der Papst auf dem Petersplatz seinen Segen "Urbi et Orbi", der Stadt Rom und dem Erdkreis. Schon seit Donnerstag sind Tausende Pilger in der Ewigen Stadt, um bei fast sommerlichen Temperaturen gemeinsam mit dem Papst das wichtigste Fest der Christen zu feiern. Der Papst will sich am Sonntag in seine Urlaubsresidenz Castel Gandolfo bringen lassen, um sich vor der Seligsprechung seines Vorgängers Johannes Paul II. am 1. Mai etwas ausruhen zu können.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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