Panorama

Radler sollen selbst entscheiden Deutschland bleibt die Helmpflicht erspart

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Niemand bezweifelt, dass Fahrradhelme vor schweren Kopfverletzungen schützen können.

(Foto: dpa)

Wer keinen Helm trägt muss nicht zahlen, wenn er sich bei einem unverschuldeten Unfall verletzt. Das entscheidet der BGH. Denn eine Helmpflicht für Radler gibt es in Deutschland nicht. Bravo. Aufklärung heißt das probatere Mittel.

Radfahren ohne Helm wird auch künftig in Deutschland möglich sein. Grund dafür ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe. Es kassierte einen Richterspruch des Oberlandesgerichts Schleswig, das einer Radfahrerin nur teilweise Schadenersatz für die Folgen einer Kopfverletzung zugestanden hatte. Sie war ohne Helm schuldlos in einen Unfall verwickelt. Die Frau legte Revision gegen den Richterspruch ein - mit Recht, wie sich jetzt zeigte.

Allgemein war erwartet worden, dass der BGH der Frau recht gibt. Denn es gilt als paradox, dass jemandem keinerlei Schuld an einem Unfall zugesprochen, dann aber die Schuld an den Unfallfolgen auch auf das Opfer abgewälzt wird.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub befürchtete im Falle eines Verbots einen Rückgang der Fahrradnutzung insgesamt. So wurde beispielsweise 1991 in Australien eine landesweite Helmpflicht für Radfahrer eingeführt. Der seit Jahren anhaltende Fahrradboom brach dramatisch ein, nach zwei Jahren lag der Rückgang bei 44 Prozent. Zwar ging auch die Zahl der Unfälle zurück - stieg aber ins Verhältnis gesetzt zur geringeren Zahl der Radfahrer dramatisch an. Es trat das ein, was Psychologen als Risikokompensation bezeichnen: Mehr Schutz bedeutet mehr Übermut.

Befürworter hielten die Helmpflicht indes für längst überfällig, viele Kopfverletzungen ließen sich vermeiden. Die Versicherungsbranche hatte gehofft, dass der BGH das Urteil des Oberlandesgerichts bestätigt und damit eine Trendwende in der Rechtsprechung eintritt.

Bessere Aufklärung könnte helfen

Dabei ist es doch so einfach. Kein gesetzliches Verbot, sondern Aufklärung ist die Lösung. Schließlich ist das Rauchen auch nicht verboten - obgleich daran weit mehr Menschen sterben als Radfahrer ohne Helm im Straßenverkehr. Die Frage ist doch: Wie greifen Menschen freiwillig zur schützenden Kopfbedeckung?

Wie mit Schockbildern auf Zigarettenpackungen sollte über den Sinn von Fahrradhelmen aufgeklärt werden. Eine solche Kampagne, analog der "Erst gurten, dann spurten"-Plakate, gehört ins Stadtbild und an Schulen. Man muss ja keine verunglückten Menschen zeigen - ein verbeultes Rad oder eine beeindruckende Röntgenaufnahme tun es auch.

Mehr Selbstverständnis, mehr Eigenverantwortung sind gefragt. Denn Verbote provozieren auch immer Widerstand. Womöglich würde radeln ohne Helm sogar cool werden.

Indes: Wenn alle mit Helm fahren, sehen auch alle gleich uncool aus. Frei nach der Devise: Lieber Helmfrisur statt Schädelfraktur. Und der Helm wäre schon bald so normal wie der Gurt - ganz ohne Verbot.

Quelle: ntv.de