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Studie schlägt andere Lösung vor Ebola-Kontrolle bei Ankunft nicht effektiv

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In den USA werden Ebola-Kontrollen an Flughäfen vorgenommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die USA und einige europäische Staaten kontrollieren bei der Ankunft von Flügen die Passagiere auf den Ebola-Erreger. Doch wer glaubt, dass dies für viel mehr Sicherheit sorgt, liegt womöglich ganz falsch, wie eine neue Studie zeigt.

Im Kampf gegen eine Ausbreitung von Ebola sind Passagier-Kontrollen vor dem Abflug aus den betroffenen Ländern viel effektiver als am Zielflughafen. Das ist das Ergebnis einer veröffentlichten Studie, für die Wissenschaftler Flugverbindungen und Passagierströme unter die Lupe nahmen, die von den betroffenen westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone aus starteten. Neben den USA hatten zuletzt auch Frankreich, Großbritannien und Belgien Flughafenkontrollen eingeführt, bei denen Passagiere unter anderem auf Fieber untersucht werden.

"Die beste Herangehensweise, um das Risiko für die Weltgemeinschaft zu minimieren, ist es, die Epidemie an ihrer Quelle zu kontrollieren", erklärte Studien-Mitautor Kamran Khan vom St.-Michael's-Krankenhaus im kanadischen Toronto. "Untersuchungen von Reisenden, die an Flughäfen außerhalb von Westafrika ankommen, mögen den Vorteil haben, ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln." Der Nutzen wäre aber "bestenfalls geringfügig" und für effektivere Interventionen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge könnten dadurch "wertvolle Ressourcen fehlen".

15 internationale Ziele

Der im britischen Fachmagazin "Lancet" veröffentlichten Studie zufolge müssten im Kampf gegen Ebola derzeit Passagiere an nur drei internationale Flughäfen kontrolliert werden: Conakry  in Guinea, Monrovia in Liberia und Freetown in Sierra Leone. Von dort werden mit Direktflügen 16 Flughäfen in 15 Ländern angesteuert. Von dort aus gibt es wiederum Flugverbindungen in 1238 Städte - dort treffe lediglich einer von 2500 ankommenden Passagieren aus den drei von der Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Staaten ein.

2013 reiste mehr als die Hälfte der Flugpassagiere aus Guinea, Liberia und Sierra Leone in fünf Länder: 17,5 Prozent flogen nach Ghana, 14,4 Prozent nach Senegal, 8,7 Prozent nach Großbritannien, 7,1 Prozent nach Frankreich und 6,8 Prozent nach Gambia. Mehr als 60 Prozent der Passagiere flogen in Staaten mit "begrenzten" medizinischen Ressourcen und wenig ausgebauten Gesundheitssystemen, wie Khan betonte. Diese Staaten dürften "Schwierigkeiten haben, eingeschleppte Ebola-Fälle schnell zu identifizieren und effektiv darauf zu reagieren".

Statistik: Drei infizierte Passagiere pro Monat

Welche Wirkung Ausreisekontrollen haben können, geben die Wissenschaftler nicht mit konkreten Zahlen an. Sie betonten aber, dass ein zusätzlicher Nutzen durch Kontrollen nach der Ankunft "unbedeutend" wäre.

Ohne jede Kontrolle an den Startflughäfen würden rein statistisch pro Monat drei infizierte Passagiere mit internationalen Flügen eines der drei betroffenen Länder verlassen. "Im Idealfall gehen wir davon aus, dass alle Passagiere mit Symptomen bei der Ausreisekontrolle identifiziert werden", erklärte Studien-Mitautorin Marisa Creatore.

Viele Infizierte könnten aber gar nicht erkannt werden. Weil das Ebola-Virus eine lange Inkubationszeit hat, während der die Menschen nicht krank seien und keine Symptome aufwiesen, hätten die meisten Reisenden keine Symptome und wüssten womöglich nicht einmal, dass sie infiziert sind, betonte Creatore. Die Inkubationszeit bei Ebola liegt im Schnitt bei acht bis zehn Tagen und maximal bei 21 Tagen. An der Ebola-Epidemie sind bereits mehr als 4500 Menschen gestorben.

Quelle: n-tv.de, hla/AFP

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