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25 Grad plus x Eisdiele statt Eisheilige - Frühsommer dreht auf

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Apfelblüte vor Rapsfeld - der Mai verspricht sonnig und warm zu werden.

(Foto: dpa)

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Die Eisheiligen, dieses Jahr Mitte Mai, markieren laut Bauernregel normalerweise die letzten Frostnächte des Jahres. Doch in diesem Jahr bringen sie den Sommer nach Deutschland. Drin sind Temperaturen von 25 Grad und mehr, berichtet ntv-Meteorologe Björn Alexander.

ntv.de: Bisher hielten sich die sommerlichen Gefühle jenseits der 25 Grad noch sehr in Grenzen. Wird es der Mai anders machen?

Björn Alexander: Das sieht derzeit voll danach aus. Ausgerechnet zu den Eisheiligen, die ja vom 11. bis zu 15. Mai andauern, stellt unser Wetter auf Frühsommer um und es wird deutlich wärmer. Sonnenbaden statt Bibbern und Eisdiele statt Eisheiligenscheint in diesem Jahr die Devise der "Gestrengen Herren".

"Scheint" - gibt es auch noch andere Prognosen?

Auf eine Woche gesehen, kann sich immer noch was ändern. Und auch die Details sind natürlich ebenso noch etwas wackelig. Aber alles in allem sind die Wettermodelle in ihren Vorhersagen schon seit einigen Tagen darauf aus, es lecker warm werden zu lassen.

Bleibt die Frage: Wie warm denn genau?

Derzeit liegen die Schlagzahl bei 25 Grad plus x. Das kann sich echt sehen lassen. Zumal es in diesem Jahr überhaupt erst an drei offiziellen Wetterstationen in Deutschland für sommerliche Temperaturen von 25 Grad und mehr gereicht hat. Nämlich am 13. und 14. April im Südwesten unseres Landes in Waghäusel-Kirlach und Rheinstetten bei Karlsruhe sowie in Wolfach am Fuße des Schwarzwalds.

Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

Woher kommt der Hang zur Hitze ausgerechnet an den Eisheiligen?

Eigentlich beschreiben die Eisheiligen ja nur, dass es inmitten des auflebenden Sommers zwischen Maibeginn und Maiende häufig nochmals kühlere Phasen gibt. In diesem Jahr ist aber das Ausgangsniveau der Temperaturen bislang eher unsommerlich, was wiederum an den vorherrschenden Windrichtungen tendenziell aus nördlichen Breiten liegt. Jetzt stellt sich die Wetterlage allerdings großräumig um.

Was bedeutet das genau?

Los geht die Reise der Sommerluft im Norden Afrikas. Von hier aus zieht sich die Hitze gepaart mit einer Ladung Saharasand am Wochenende zunächst einmal nach Portugal und Spanien, was auf der Iberischen Halbinsel wiederum für die erste Hitzewelle des Jahres 2022 sorgen wird. Dort sind schon bald Spitzen von 30 bis 35 Grad drin.

Wären solche Temperaturen auch bei uns denkbar?

Eher unwahrscheinlich. Denn während der Südwesten Europas voll in den Bereich der nordafrikanischen Hitzeglocke kommt, schiebt sich angenehme Frühsommerluft in Richtung Deutschland. Insofern sieht es temperaturtechnisch aktuell ziemlich genussvoll aus. Es bleibt aber ein Problem, das momentan vor allem die Nordwesthälfte unseres Landes betrifft: die zunehmende Trockenheit.

Wie ist denn die Verteilung des Regens in nächster Zeit?

Vor allem im Süden Deutschlands sind vorm Wochenende zuerst einmal teils kräftige Gewitter zu erwarten - mit Unwettergefahr durch Starkregen, Hagel und Sturmböen. Ganz anders schaut es derweil nördlich der Mitte aus. Hier sehen die Wettermodelle bis zur Monatsmitte und darüber hinaus - Stand jetzt - keine nennenswerten Regenmengen kommen. Die Probleme in der Land- und Forstwirtschaft, Stichwort Waldbrandgefahr beispielsweise, dürften sich dementsprechend in nächster Zeit wohl leider weiter verschärfen. Zumal die experimentellen Langfristprognosen des Amerikanischen Wetterdienstes NOAA inzwischen die Monatsvorhersage für den Mai schrittweise von normal nass hin zu trocken bis deutlich zu trocken gedreht haben. Keine guten Vorzeichen also.

Deutet das auf einen Dürre-Sommer hin oder verregnet uns dafür der trockene Mai den Sommer?

Grundsätzlich steht zu hoffen, dass die Wetterlage irgendwann auch mal an Dynamik zulegt. Und es ist auch durchaus wahrscheinlich, dass das passiert. So zeigen die Langfristtrends für den Sommer zum Beispiel vermehrt wechselhafte Ansätze. Es sieht - zumindest momentan - somit eher nach einem durchwachseneren Trend für den Juni, Juli und August aus.

Vom Sommer zurück zum Mai und den Aussichten am Wochenende. Welches Wetter hält das Muttertags-Wochenende für uns bereit?

Am Samstag dominiert an der Küste die Sonne. Ansonsten ist es unbeständiger mit ein paar Schauern. Das Ganze bei 14 Grad an der Nordsee und bis zu 23 Grad am Oberrhein. Der Muttertag verläuft bei den Nordlichtern strahlend schön. Die breite Mitte ist am Sonntag zumindest zeitweise sonnig. Der Süden bekommt hingegen noch ein paar kühle Duschen, vielleicht gepaart mit Blitz und Donner, ab. Die Temperaturen ändern sich dabei nur wenig und bringen es auf 13 bis 23 Grad.

Und dann legt sich die Frühsommer ins Zeug?

So ist es. Bereits der Start in die nächste Woche lässt die Sonne oft ungetrübt scheinen und bringt uns damit Höchstwerte von 14 Grad im Seewind und bis zu 24 Grad am Rhein. Der Dienstag legt nochmals einen Zacken zu und lässt es bei zumeist sonnigen 22 bis 24 Grad richtig lenzen. Unterdessen wackelt die Sommermarke vor allem am Rhein und seinen Nebenflüssen, wo 25 bis 26 Grad durchaus in Reichweite sind. Einzig auf den Bergen sowie bei den Nordlichtern ist es noch frischer mit 14 bis 21 Grad.

Dann folgt am 11. Mai mit Mamertus der erste der Eisheiligen. Wie sehr wird er uns in diesem Jahr ins Schwitzen bringen?

Besonders das Europäische Wettermodell dreht noch einmal richtig dran. Verbreitet ist demnach der Frühsommer angekommen, mit Höchstwerten von meistens 23 bis 28 Grad, wobei es in den Flussniederungen im Westen und Südwesten am wärmsten sein dürfte. Einschränkungen in puncto Wärme zeigen sich lediglich im höheren Bergland sowie im äußersten Norden. Die Bergwanderung oder der Strandspaziergang findet nämlich eher bei 14 bis 18 Grad statt.

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Wie geht es danach weiter?

Der Donnerstag (Pankratius) könnte nochmals ein bis zwei Grad zulegen, sodass - abseits der kühleren Küsten - verbreitet 24 bis 27, eventuell sogar bis zu 28 Grad möglich sind. Und auch für die nachfolgenden Eisheiligen (Servatius, Bonifatius und Sophie beziehungsweise die Kalte Sophie) zeigt das Gros der Wettercomputer bis mindestens zur Monatsmitte frühsommerliche Trends. Es erwartet uns somit die bisher wärmste Phase des Jahres 2022.

Quelle: ntv.de

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