Panorama

Überschwemmungen in Australien Flut treibt Giftschlangen in Häuser

Nach den verheerenden Überschwemmungen in Australien finden Rückkehrer in ihren feuchten Häusern nicht nur schimmelige Wände vor. Schlangen haben dort Zuflucht gesucht - und viele australische Arten sind höchst gefährlich.

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Eine Schlange überquert die Fernstraße A4 im besonders stark betroffenen Bundesstaat Queensland.

(Foto: REUTERS)

Schlangen, Spinnen und anderes Getier sind für Kylie Alexander (32) normalerweise kein Problem - sie lebt mit Mann und Tochter auf einer Viehstation im australischen Outback. Mit einer derart massiven Schlangeninvasion hatte sie dort allerdings nicht gerechnet. Die verheerenden Überschwemmungen der vergangenen Wochen haben viele Reptilien aus ihren Bauten gespült. Sie suchen nun da Zuflucht, wo es noch trocken ist, etwa in Häusern.

"Sie sind einfach überall", sagte die 32-Jährige der Zeitung "Courier Mail", nachdem sie von einer giftigen Braunschlange gebissen worden war. Die Behörden hätten schon zusätzliche Vorräte Gegengift nach Nordqueensland geschafft, berichtete die Zeitung "Australian".

Mit einer wilden Traktorfahrt durch angeschwollene Flussbetten und 140 Kilometern über Äcker schaffte es Alexander mit Hilfe von Freunden gerade noch rechtzeitig in das Krankenhaus von Clermont, wie sie berichtete. "Es ging um Leben und Tod", meinte ihr Mann Richard. "Die Schlangen kriechen in Häuser, auf Bäume - egal wohin, Hauptsache weg vom Wasser", sagte Schlangenexperte Michael O'Brien vom Tropenzoo in Cairns der Zeitung.

Auch Greg Goebel, der Leiter des Roten Kreuzes, warnte vor der Gefahr. "Wir haben in der Nähe unserer Notunterkünfte schon einige rotbäuchige Schwarzottern gesehen", sagte er im Rundfunk. "Besonders in Häusern, die teilweise trocken geblieben sind, dürfte sich einiges Getier tümmeln." Die Schwarzottern beißen zwar selten, aber wenn sie zulangen, kann ihr Gift schnell das Atemzentrum lahmlegen.

Schlangen suchen das Trockene

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Seit Weihnachten steht die Hälfte des Bundesstaates Queensland unter Wasser.

(Foto: REUTERS)

Der 21-jährige Rob Holley saß in Warwick bei einem Bier mit Freunden auf der Veranda, als zwei Mulgaschlangen, ebenfalls Giftnattern, auftauchten. "Sie waren bestimmt 1,80 Meter lang", sagte er der Zeitung "Warwick Daily News". "Sie kamen unter dem Haus hervor, sie wollten aus der Feuchtigkeit raus." Mulgaschlangen können mit einem einzigen Biss mehr Gift injizieren als die meisten anderen Schlangen. Das Gift schädigt die Nerven des Opfers und hemmt die Blutgerinnung.

Einen Riesenschrecken bekamen auch die Mitglieder des Cowboys Rugby League-Clubs in Warwick: In ihrem Clubhaus hatten sich zwei Braunschlangen breitgemacht. Sie konnten die Reptilien aber verscheuchen. Die Braunschlangen haben zwar kürzere Zähne als die Mulgaschlangen, doch ist ihr Gift extrem gefährlich. Lynn Gynther, die Schlangen einfängt, wenn Anwohner sich bedroht fühlen, brach jedoch eine Lanze für die Reptilien: "Schlangen beißen nur zur Selbstverteidigung", meinte sie.

Selbst mitten in der überschwemmten Stadt Rockhampton werden die Schlangen zum Problem. Bürgermeister Brad Carter kennt die Gefahr. "Die Schlangen schwimmen den Menschen um die Füße herum, wenn sie durch das Wasser waten", sagte er. "Ein Mann hat an einem Morgen vier Schlangen getötet, eine davon war ein Taipan" - ein besonders giftiges Exemplar aus der Familie der Giftnattern. "Ich habe haufenweise Schlangen gesehen, jeden Tag mindestens 15", berichtete auch Barry Moessinger aus Rockhampton der Zeitung "Australian".

Quelle: ntv.de, Christiane Oelrich, dpa