Panorama

Hunderte Verletzte auf St. Pauli Hamburg erlebt schwerste Krawalle

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Bis tief in die Nacht jagten Polizei und Demonstranten einander.

(Foto: dpa)

Die Stimmung ist von Anfang an geladen, als fast 10.000 Hamburger gegen die Schließung eines linken Kulturzentrums protestieren. Die Polizei greift hart durch. Bei einem stundenlangen Katz-und-Maus-Spiel werden mehr als 100 Polizisten und Demonstranten verletzt.

Bei den Krawallen nach der Demonstration für den Erhalt des linken Kulturzentrums "Rote Flora" in Hamburg sind 120 Polizisten verletzt worden. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, erlitten 19 Beamte schwere Verletzungen. Die Polizei nahm insgesamt 21 Demonstranten fest. 320 Demonstranten seien während der Kundgebung vorläufig in Gewahrsam genommen und dann wieder freigelassen worden. Über das Ausmaß der angerichteten Sachschäden konnte der Sprecher zunächst keine detaillierten Angaben machen. Es sei damit zu rechnen, dass Anwohner im Laufe des Tages weitere Schäden meldeten.

Die Krawalle hatten am Samstagnachmittag begonnen und endeten erst spät in der Nacht. Die Situation war während einer Kundgebung für den Erhalt der "Roten Flora" eskaliert. Zu Beginn der Kundgebung hatten Randalierer aus dem sogenannten Schwarzen Block Böller und Gegenstände in Richtung der Polizisten geworfen. Diese hatten mit dem Einsatz von Wasserwerfern reagiert und den Demonstrationszug mit Schlagstöcken zurückgedrängt.

Gleich mehrere Konflikte auf einmal

Der Protest richtete sich nicht nur gegen die Räumung des seit mehr als 20 Jahren besetzten Kulturzentrums "Rote Flora", die der Eigentümer angedroht hat. Es ging auch um ein Bleiberecht für Flüchtlinge und die sogenannten "Esso-Häuser" an der Reeperbahn. Die Gebäude waren am vergangenen Wochenende wegen Einsturzgefahr evakuiert worden. Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten zuvor parteiübergreifend zu einem friedlichen Protest aufgerufen.

In einer anderen Aktion hatten zuvor rund 800 Menschen in Hamburg-St. Georg auf einer Kundgebung friedlich für ein Bleiberecht der sogenannten Lampedusa-Gruppe demonstriert. Vertreter der afrikanischen Flüchtlinge sprachen sich dabei für friedliche Proteste aus. "Wir wollen Kreativität und keine Gewalt", sagte ein Sprecher der Gruppe.

Bei den Krawallen auf St. Pauli mischten sich dann all diese Konfliktthemen. Die Demonstration für die "Rote Flora" wurde rasch aufgelöst. "Es hat von Anfang an eine aggressive Grundstimmung geherrscht, wir sind massiv angegriffen worden", begründete ein Polizeisprecher diese Maßnahme. "Das ist derart gewalttätig gewesen, das haben wir lange so nicht erlebt."

Kritik an Polizeieinsatz

Die Organisatoren der Demonstration kritisierten einen "massiven Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern". Sie warfen der Polizei vor, den Protestzug von Anfang an bewusst gestoppt zu haben. Dies stelle den skandalösen Versuch dar, die politische Auseinandersetzung um die "Rote Flora", die "Esso-Häuser" und das Bleiberecht von Flüchtlingen hinter Rauchschwaden und Wasserwerfern unsichtbar zu machen, hieß es in einer Erklärung.

Nach Auflösung der Demonstration zogen die Demonstranten in Gruppen in Richtung der gesperrten Reeperbahn und lieferten sich ein stundenlanges "Katz-und-Maus-Spiel" mit der Polizei. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen. Unter anderem wurden bei einem SPD-Büro die Scheiben eingeworfen und zwei Polizeiautos beschädigt. Auch der Nah- und Fernverkehr waren beeinträchtigt: Fernzüge endeten am Hamburger Hauptbahnhof oder wurden nach Harburg umgeleitet, eine S-Bahn-Strecke war teilweise gesperrt.

Insgesamt waren nach Polizeiangaben 7300 Demonstranten ins Schanzenviertel gekommen, darunter 4500 aus dem linksextremistischen Spektrum - viele davon gewaltbereit. Die Veranstalter sprachen von mehr als 10.000 Teilnehmern. Die Polizei war mit einem Großaufgebot von 3168 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa