Panorama

Mehr und mehr Leichen vor Italiens Küste Helfer finden 130 tote Flüchtlinge

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(Foto: AP)

Zuerst war es ein Flüchtlingsdrama, nun wird es zur Katastophe: Vor der italienischen Küste schwimmen immer mehr Leichen. Von 133 ist nun die Rede, nachdem ein vollbesetztes Boot kenterte. Schaut man auf den genauen Ablauf des Vorfalls, ist alles ganz besonders tragisch.

Der Unfall eines Flüchtlingsboots vor der italienischen Insel Lampedusa hat mindestens 133 Menschen das Leben gekostet. Taucher der Küstenwache entdeckten am frühen Abend in und neben dem gekenterten Schiff mindestens 40 weitere Leichen, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. 94 Leichen wurden Berichten zufolge bereits geborgen. Etwa 220 Menschen werden noch vermisst - von Minute zu Minute sinken die Chancen, sie lebend zu finden.

Unter den Toten seien auch Kinder, sagte Bürgermeisterin Giusi Nicolini. Das Boot mit etwa 500 Menschen an Bord ha tte im Mittelmeer vor der Nachbarinsel Isola dei Conigli Feuer gefangen und war gekentert. Die Küstenwache konnte rund 155 Menschen in Sicherheit bringen. Hunderte weitere Flüchtlinge versuchten sich im Mittelmeer über Wasser zu halten.

Fischerboote hatten am frühen Morgen den Alarm gegeben, woraufhin Küstenwache und Zoll erste Schiffe entsandten. Auch mehrere Hubschrauber waren im Einsatz. Als erstes seien Touristenboote an der Unglücksstelle eingetroffen, sagte Antonio Cancela, ein Mitarbeiter der Rettungskräfte. "Die Menschen sind seit den frühen Morgenstunden im Wasser", sagte Bürgermeisterin Nicolini. Die Leichen wurden in einen Flughafenhangar auf Lampedusa gebracht, weil es so viele waren.

Feuer wurde womöglich absichtlich gelegt

"Es ist ein Horror", sagte Nicolini nach dem zweiten Flüchtlingsdrama innerhalb weniger Tage. "Sie hören nicht auf, weitere Leichen zu bringen." Die Migranten sollen Medienberichten zufolge aus Eritrea und Somalia stammen. Sie waren etwa zwölf Stunden vor dem Unglück an der libyschen Küste aufgebrochen.

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Ein Geretteter wartet in einer Ambulanz auf Lampedusa auf den Arzt.

(Foto: AP)

In ihrer Not hatten die Einwanderer Decken an gezündet, nachdem knapp tausend Meter vor der Küste der Motor ausgefallen war - so hätten sie auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam machen wollen, sagte die Bürgermeisterin unter Berufung auf Schilderungen der Flüchtlinge. Doch habe sich das Feuer ausgebreitet, Panik sei ausgebrochen und das Schiff dann untergegangen.

EU-Kommissarin fordert neue Einwanderungspolitik

Mit Bestürzung reagierten Vertreter der EU-Kommission auf den tödlichen Schiffbruch vor Lampedusa. "Es ist wirklich eine Tragödie, ganz besonders, weil auch Kinder betroffen sind", erklärte EU-Regionalkommissar Johannes Hahn in Brüssel. Er spreche stellvertretend für die Kommission und die anderen EU-Institutionen.

Die zuständige Innenkommissarin Cecilia Malmström mahnte einen Kurswechsel in der europäischen Einwanderungspolitik an. "Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken im Kampf gegen kriminelle Netzwerke, die die Verzweiflung der Menschen ausnutzen", erklärte Malmström in einer Botschaft über den Internetdient Twitter. Die Schleuser dürften keine Menschenleben in "kleinen, überfüllten und seeuntauglichen Booten" riskieren.

Europa solle enger mit den Herkunftsländern zusammenarbeiten, forderte Malmström. Die EU müsse mehr Menschen eine legale Einwanderung ermöglichen und Asyl gewähren.

Italienische Regierung sagt Termine ab

Innenminister Angelino Alfano will nach einem Treffen mit Regierungschef Enrico Letta nach Lampedusa reisen. Letta bezeichnete den Tod der Migranten als "ungeheure Katastrophe". Die Minister von Alfanos Partei Volk der Freiheit (PdL) sagten eine geplante Pressekonferenz ab. "Eine enorme Tragödie, für die es keine Worte gibt", sagte Vize-Innenminister Filippo Bubbico.

Papst Franziskus schrieb bei Twitter: "Beten wir für die Opfer des tragischen Schiffbruchs vor Lampedusa." Der Papst hatte die italienische Insel im Sommer besucht und die Gleichgültigkeit der Welt angesichts der vielen Toten dort beklagt.

Mutmaßlicher Schleuser gefasst

Die Staatsanwaltschaft Italiens hat ein Ermittlungsverfahren eröffnet, einer der mutmaßlichen Schleuser wurde Medienberichten zufolge bereits festgenommen.

Kurz vor dem Unglück war ein bereits ein anderes Boot mit 463 Migranten vor Lampedusa angekommen. Bei gutem Wetter versuchen immer wieder Flüchtlinge mit Booten von Afrika aus die europäischen Küsten zu erreichen. Oft endet die Überfahrt auf den kaum seetüchtigen Booten für einige von ihnen tödlich.

Quelle: ntv.de, jtw/nsc/dpa/AFP

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