Panorama

Virus erreicht den Kongo Immer mehr Ebola-Helfer infizieren sich

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In Westafrika infizieren sich nun auch immer mehr medizinische Helfer mit dem Ebola-Virus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Ebola-Epidemie in Westafrika greift weiter um sich. Immer mehr Menschen fallen dem Virus zum Opfer, die Zahl der infizierten Helfer schnellt in die Höhe. Während die Hoffnungen auf dem Medikament "ZMapp" ruhen, übt ein Experte scharfe Kritik an der WHO.

Bei der Ebola-Epidemie in Westafrika haben sich medizinische Helfer in bisher beispiellosem Ausmaß mit dem Virus infiziert. Bislang hätten sich mehr als 240 Ärzte, Pfleger und andere Helfer angesteckt, von denen über 120 gestorben seien, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf mit.

Ebola-Virus

Das in Afrika vorkommende Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es führt in 50 bis 90 Prozent der Fälle zum Tod. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine vorbeugende Impfung noch ein Heilmittel.
Das Virus wird nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts hauptsächlich durch direkten, engen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, wahrscheinlich über bluthaltige Körpersekrete. Nach einer Inkubationszeit von zwei Tagen bis drei Wochen führt die Krankheit meist zu Fieber und inneren Blutungen (hämorrhagisches Fieber), die Mehrheit der Patienten stirbt an Lungenversagen und Kreislaufschock.
Das Virus, das zuerst am Ebola-Fluss im Kongo auftauchte, lässt sich im Blut, Urin und Rachensekret nachweisen. Schon der Verdacht auf eine Erkrankung ist in Deutschland meldepflichtig.

Der renommierte Experte und Ebola-Mitentdecker Peter Piot warf der Organisation vor, viel zu spät auf die Epidemie reagiert zu haben. Für die hohe Infektionsrate unter den Helfern nannte die WHO etliche Gründe: Oft sei die Ausstattung mit Schutzausrüstung wie Spezialkleidung, Mundschutz oder Handschuhen unzureichend. Zudem seien viele Helfer mit der chaotischen Situation vor Ort völlig überfordert, was das Infektionsrisiko erhöhe.

"Überlastetes Personal ist anfälliger für Fehler", erklärte die WHO. Der Kampf gegen die Epidemie wird nach Angaben der Vereinten Nationen durch die Reduzierung der internationalen Flüge nach Westafrika stark behindert. Dadurch werde es sehr schwer, Helfer und Hilfsgüter in die betroffenen Länder zu bringen, sagte der UN-Koordinator für Hilfsoperationen in Sierra Leone, David McLachlan-Karr, bei einer Pressekonferenz in Freetown. Die UN seien bereit, Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie erheblich auszuweiten. "Aber dies ist nur möglich, wenn die Flüge wieder aufgenommen werden."

Experte prangert Nachlässigkeit an

Unterdessen weitet sich der Virus-Ausbruch nach den Worten des UN-Sonderbeauftragten für die Bekämpfung von Ebola, David Nabarro, immer noch aus. Für die Bekämpfung der Seuche sei eine "globale Partnerschaft" nötig, an der sich alle Staaten beteiligen, betonten die UN in einer Mitteilung.

Piot, der verschiedene UN-Programme leitete, warf der WHO vor, zu langsam auf den Ausbruch in Westafrika reagiert zu haben. Bereits im März sei gewarnt worden, dass sich seit Dezember 2013 eine Ebola-Epidemie entwickele, sagte der belgische Forscher der Pariser Zeitung "Libération".

"Ungeachtet von Anforderungen durch MSF (Ärzte ohne Grenzen) ist die WHO nicht vor Juli aufgewacht", kritisierte der Mikrobiologe, der das Ebola-Virus 1976 im damaligen Zaire mitentdeckte. "Inzwischen hat sie die Führung übernommen, aber das kam spät." Der 65-Jährige warnte, dass die Ebola-Epidemie noch weit schlimmere Folgen haben könne als bisher. Für westliche Länder sieht er hingegen keine ernste Gefahr. Es sei möglich, dass einzelne Fälle von Ebola auftreten. Moderne Gesundheitssysteme könnten damit aber fertig werden. Ebola-Viren würden sich keineswegs so leicht verbreiten wie etwa Grippe-Erreger. Wegen Ebola-Gefahr warnte das Auswärtige Amt in Berlin vor Reisen in die nordöstlichen Landesteile des Kongo, wo zwei neue Fälle aufgetreten sind.

Hoffnungen ruhen auf "ZMapp"

Der mit Ebola infizierte britische Krankenpfleger könnte nach Darstellung des Gesundheitsministeriums in London noch mit dem Medikament "ZMapp" behandelt werden. Die britischen Behörden stünden mit der WHO in Kontakt, um an dieses oder ein ähnliches noch nicht zugelassenes Medikament zu kommen. Die Entscheidung, ob das noch im Experimentierstadium befindliche Mittel angewandt wird, müssten die Mediziner gemeinsam mit dem Patienten treffen. Im Royal Free Hospital im Londoner Stadtteil Hampstead liegt der 29-Jährige, der sich als Helfer in Sierra Leone angesteckt hatte. Für Ebola gibt es kein zugelassenes Heilmittel. Ärzte können nur die Symptome behandeln.

Quelle: ntv.de, cri/dpa