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Nina und Tobias zufällige Opfer Jan O. tötete aus Mordlust

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Jan O. hatte möglicherweise das "Potenzial zum Serienmörder".

(Foto: dapd)

Der mutmaßliche Doppelmörder von Bodenfelde ist der Polizei durch den Hinweis eines Mädchens aus dem Ort ins Netz gegangen. Der 26-jährige Jan O. habe das Mädchen am Samstagabend auf einem Parkplatz angesprochen, möglicherweise sollte sie sein nächstes Opfer sein.

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Menschen aus Bodenfelde haben an einer Schule Kerzen und Bilder abgelegt.

(Foto: dapd)

Der mutmaßliche Mörder von Bodenfelde plante möglicherweise weitere Taten. Diesen Schluss lassen die Umstände zu, die zur Ergreifung des Mannes führten. Die Ermittler waren auf die Spur des Verdächtigen gekommen, weil er am Tag des Verschwindens von Tobias am vergangenen Samstag ein Mädchen in Bodenfelde ansprach. "Das Mädchen aber war clever", lobt sie der Chef der Mordkommission, Hartmut Reinecke. Sie gab dem Unbekannten ihre eigene Handnummer nicht, nahm aber seine Nummer und ließ ihn dann abblitzen.

Nach dem Fund der Leichen von Nina und Tobias am Sonntag ging das Mädchen zur Polizei, die den Mann identifizierte. Nach nicht näher beschriebenen "Internetrecherchen" sei Jan O. in der Folge als dringend Tatverdächtiger betrachtet und mit Hochdruck gesucht worden, sagte Reinecke. Es sei nicht auszuschließen, dass er weitere Taten begehen wollte.

Jan O. stammt den Ermittlern zufolge aus dem Raum Bodenfelde und ist seit 2003 arbeitslos. Nach eigenen Angaben ist er alkohol- und drogensüchtig. Wegen Gewaltdelikten vorbestraft ist er nicht. Er war aber 2007 wegen Diebstahls zu einer Haftstrafe verurteilt worden und hatte wegen seiner Suchtprobleme eine Zeit in einer Entziehungsklinik verbracht.

Motiv völlig unklar

Bislang gebe es keine Klarheit über die eventuellen Beweggründe des 26-jährigen, sagte Reinecke. Die Leichen des 13-jährigen Tobias und der 14-jährigen Nina waren am Sonntag am Rande von Bodenfelde in einem Waldstück gefunden worden. Jan O. wurde am Montagabend in einem Zug in Bodenfelde festgenommen und sitzt seit Dienstag wegen des Verdacht des zweifachen Mordes in Untersuchungshaft. Trotz des fehlenden Geständnisses des Verdächtigen sind die Ermittler nach Reineckes Angaben völlig sicher, "die richtige Person" zu haben. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Arbeitslosen sei blutverschmierte Kleidung gefunden worden.

"Es kann zahlreiche Motive geben", sagte der Chefermittler. Er hoffe darauf, dass Jan O. sein bisheriges Schweigen breche, die Taten gestehe und über seine Motive Auskunft gebe, sagte Reinecke. Möglicherweise sei er "psychisch gestört". Ein Sexualdelikt hatte die Polizei nach den Obduktionen bereits ausgeschlossen. Das Entkleiden der Opfer könnte dadurch begründet sein, dass der Täter seine Opfer näher betrachten wollte, sagte der Leiter der Kriminalpolizei der Polizeiinspektion Northeim/Osterode, Andreas Borchert.

Der Verteidiger des 26-Jährigen kündigte an, dass sein Mandant die Taten gestehen werde. Jan O. wolle sein Gewissen erleichtern, sagte Rechtsanwalt Markus Fischer. Er gehe davon aus, "dass wir dieses Geständnis am Freitag vorlegen werden".

Zufällige Opfer

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Für Bodenfelde sind die Morde ein Schock.

(Foto: dapd)

Inzwischen steht fest, dass die beiden Jugendlichen nicht zusammen, sondern im Abstand von mehreren Tagen am Fundort der Leichen getötet wurden. Nach derzeitigen Erkenntnissen starb Nina bereits Anfang vergangener Woche, Tobias kurz nach seinem Verschwinden am Samstagabend. Beide Jugendliche seien durch eine Kombination aus Erwürgen und Erstechen getötet worden, sagte Borchert. Zeugenaussagen, wonach Nina im Lauf der vergangenen Woche noch in Bodenfelde gesehen worden sein soll, bewerte die Polizei inzwischen als falsch.

Wie und wo der 26-Jährige Kontakt zu den zwei Teenagern aufnahm, ist bislang noch unklar. Es gebe keinerlei Erkenntnisse über Verbindungen zwischen Jan O. und den Jugendlichen, sagte Reinecke. Sie seien wohl "zufällig" Opfer geworden.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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