Panorama

"Ich verändere die Welt" Kindernothilfe wird 50

Die blauen Augen von Robert Roßkothen blitzen, wenn der 73-Jährige seine Beziehung zur Kindernothilfe beschreibt: "Wir sind quasi verheiratet." Der pensionierte Landwirt aus Uedem in Nordrhein-Westfalen lehnt sich in seinem Lieblingsohrensessel zurück und witzelt: "Diese 'Ehe' hält schon verdammt lange." Im Oktober 1965 hat Robert Roßkothen zum ersten Mal eine Patenschaft übernommen - für den damals neunjährigen Bathala Jayanna aus Indien. Damit war der 73-Jährige ein Pate der ersten Stunde. Am 11. Mai 1959 wurde die Kindernothilfe in Duisburg gegründet.

Unter dem Motto "Ich verändere die Welt" feiert das evangelische Kinderhilfswerk am 27. März seinen 50. Geburtstag mit einer Festgala in der Duisburger Mercatorhalle. Bundeskanzlerin Angela Merkel hält dabei vor 1700 internationalen Gästen die Festrede. Die Leipziger Band Die Prinzen hat der Kindernothilfe passend zum Jubiläumsmotto den Song "Ich verändere die Welt" geschenkt. Norbert Blüms Enkelin Lilian Beck moderiert die Gala gemeinsam mit Ex-ZDF-Sportmoderator Dieter Kürten.

Idee am Küchentisch entstanden

1959 wurde die Kindernothilfe am Küchentisch der Familie Karl Bornmann in Duisburg ins Leben gerufen. Die Idee der Kinderpatenschaften steuerte der evangelische Missionar Adolf Kölle bei. In den ersten beiden Jahren schlossen sich 250 Paten der Kindernothilfe an. Eine Fernsehsendung über das Hilfswerk brachte Robert Roßkothen dazu, mitzumachen. Seitdem haben der 73-Jährige und seine Frau Thekla acht Patenkinder in Indien unterstützt. "Im Moment schreibt uns die neunjährige Skrilekha jährlich einen Brief", erzählt der Niederrheiner. Mittlerweile hat die Kindernothilfe einen festen Stamm von 100.000 Paten und Spendern, die sich an den Kinder- und Projektpatenschaften beteiligen. Mehr als 550.000 Kinder können so weltweit in 28 Ländern unterstützt werden.

Eine Mark pro Tag so lautete im Gründungsjahr die Rechnung der Kindernothilfe. "Wir haben stets mehr zurückbekommen, als wir gegeben haben", sagte Roßkothen. Auch seine Ehefrau Thekla hat es all die Jahre nicht als Opfer empfunden, für die "Zweitkinder in der Ferne" 30 Mark heute 30 Euro monatlich zu überweisen: "Es ist doch schön, zu helfen. Leider konnten wir nie selbst nach Indien fliegen und unsere Patenkinder vor Ort besuchen. Die Arbeit auf dem Bauernhof ließ das nicht zu", sagte die Mutter von drei Kindern.

Partnerschaften der ersten Stunde

In Ratingen-Lintorf bei Düsseldorf sitzt ein Pionier der Kindernothilfe, Lüder Luers, vor einer Schrankvitrine mit Erinnerungsstücken aus Indien, Äthiopien und Lateinamerika. 1960 lernte Luers den Mitbegründer der Hilfsorganisation Karl Bornmann - kennen. Zunächst nur Pate eines indischen Kindes erweiterte der gelernte Garten- und Landschaftsarchitekt schnell seine ehrenamtliche und finanzielle Hilfe. Aus 30 Mark wurden 50 Mark pro Monat. Aus der Patenschaft die direkte Mitarbeit bei der Kindernothilfe. "1965 bin ich mit meiner Frau Ruth nach Südindien gefahren, um dort fast acht Jahre lang die Kindernothilfe vor Ort aufzubauen", erinnert sich der 82 Jahre alte Luers.

Die Hilfsorganisation entwickelte schon früh die Idee, partnerschaftlich mit den Kirchen vor Ort in der Dritten Welt zu helfen. 1973 kehrte Luers nach Duisburg zurück und übernahm die Geschäftsführung, später wechselte er in den Auslandsvorstand. "Das Elend während einer Reise durch die äthiopischen Hungerkatastrophengebiete werde ich nie vergessen. Bis zu 30 Menschen starben dort 1973 täglich an Unterernährung. Der Bericht darüber hat zu einem Riesenecho in Deutschland geführt. Tausende neuer Paten haben sich daraufhin gemeldet", erzählt Luers.

Dagmar Dahmen, dpa

Quelle: ntv.de