Panorama

BP will Quelle mit Schlamm schließen Ölpest erreicht den Golfstrom

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Greenpeace konterkariert den BP-Slogan "Nach dem Öl" in den verseuchten Uferbereichen Louisianas.

(Foto: dpa)

Der Ölunfall im Golf von Mexiko ist längst kein regionales Ereignis mehr. Erste Ausläufer des Ölteppichs treffen auf die Strömung, die im Uhrzeigersinn den Golf durchfließt - den so genannten Loop-Current. Damit ist nicht auszuschließen, dass das Öl die Florida Keys erreicht und über den Golfstrom die gesamte Ost-Küste verschmutzen könnte.

Die Ölpest im Golf von Mexiko nimmt immer größere Ausmaße an. Schon in wenigen Tagen könnte es die Korallenriffe in Florida erreichen. Zudem erwarten Wissenschaftler, dass das Öl in den Golfstrom gelangen und dann sogar die US-Ostküste hochziehen könnte. Dann würden die langen Strände Georgias und South Carolinas mit den vorgelagerten Inseln betroffen sein.

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Verschmutzt: Ein Greenpeace-Experte entnimmt Proben am Rand des Mississippi.

(Foto: dpa)

Im Bundesstaat Louisiana wurde derweil dickflüssiges Öl im Marschland am südlichen Mississippi entdeckt. Die Region ist ökologisch sehr empfindlich. "Das ist das erste Mal, dass wir so viel schweres Öl in unseren Feuchtgebieten sehen", sagte Louisianas Gouverneur Bobby Jindal. Wie die Zeitung "Houston Chronicle" berichtet, warnte der Politiker in der Stadt Venice: "Wir wissen, dass da draußen noch eine Menge dickes Öl ist, das bislang die Küste noch nicht erreicht hat."

Erste Ausläufer des Ölteppichs seien auf die Strömung getroffen, die im Uhrzeigersinn den Golf durchfließt - den so genannten Loop-Current. Das zeigen Aufnahmen des Satelliten Envisat der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA. "Mit diesen Bildern aus dem Weltraum haben wir den sichtbaren Beweis, dass zumindest Öl auf der Wasseroberfläche die Strömung erreicht hat", erläuterte Bertrand Chapron vom französischen Meeresforschungsinstitut IFREMER.

Öl bald in den Keys

Der sichtbare Ölfilm auf der Oberfläche zieht sich immer mehr nach Süden in die Länge, wo er den Kreisstrom berührt. "Es ist wahrscheinlich, dass er binnen sechs Tagen Florida erreicht", erklärte Bertrand Chapron.

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Die von der NASA veröffentlichte Satelliten-Aufnahme zeigt den sichtbaren Verlauf des Öls.

(Foto: dpa)

Im Loop-Current dürfte sich das Öl stärker mit dem Wasser vermischen. "Das könnte den Ölfilm von der Oberfläche verschwinden lassen und uns daran hindern, ihn weiter mit Hilfe der Satelliten zu beobachten", sagte Chapron. "Doch die Verschmutzung wird wahrscheinlich das Ökosystem der Korallenriffe treffen." Andere Forscher hatten schon früher gewarnt, dass das Öl vom Unfall der Plattform "Deepwater Horizon" die Korallenriffe der Florida Keys beschädigen kann.

Eine große Menge des ausgelaufenen Öls treibt zudem unsichtbar unter der Wasseroberfläche. Dies ist auf den Einsatz von Chemikalien zurückzuführen. Längerfristig könnte ein Teil des Öls in den Golfstrom gelangen und dann sogar die US-Ostküste hochziehen. Der mächtige Golfstrom zieht aber nicht nur die Ostküste hinauf, sondern auch über den Atlantik nach Europa. Damit ist der Ölunfall im Golf von Mexiko längst kein regionales Ereignis mehr.

BP startet neuen Versuch am Wochenende

Unterdessen hat der Ölkonzern BP verkündet, die Öl-Quelle im Golf von Mexiko am Wochenende komplett zu schließen. Das Unternehmen werde am Samstag oder Sonntag versuchen, schweren Schlamm in die seit vier Wochen sprudelnde Quelle in der Tiefe des Meeres zu pumpen, berichten US-Medien. Dabei sollen mehr als 6000 Liter pro Minute in die Öffnungen eines Ventilsystems gepresst werden, das über dem Hauptbohrloch installiert ist. BP hofft, dass das Loch dadurch verstopft wird. Danach könne es mit Zement abgedichtet werden.

Die Technik bislang nicht angewendet worden, weil Daten über die Druckverhältnisse in dem 450 Tonnen schweren Ventil-System gefehlt hätten, sagte ein BP-Sprecher. Die Ergebnisse eines Drucktests lägen aber nun vor. US-Innenminister Ken Salazar sagte vor einem Senatsausschuss in Washington, die Methode sei von Wissenschaftlern und BP-Ingenieuren als die aussichtsreichste bezeichnet worden. Sollte dieser Versuch scheitern, werde das Unternehmen versuchen, statt des Bohrlochs das Ventilsystem selbst zu verstopfen. Dafür müsste das Loch unter anderem mit kleinen Gummiteilen beschossen werden.

Probleme bei zweiter Plattform?

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Aus der Luft ist das Ausmaß der Katastrophe noch besser zu erkennen.

Am 22. April war die Ölbohr-Plattform "Deepwater Horizon" nach mehreren Explosionen untergegangen. Seitdem sprudeln täglich Hunderte von Tonnen Rohöl ins Meer. Einen Teil des Öls fängt der Plattformbetreiber, der Konzern BP, mittlerweile ab. BP pumpt es aus einem Leck in rund 1500 Meter Tiefe hoch in einen Tanker. Die genaue Menge des auslaufenden Öls ist aber unklar. BP gab den Wert lange mit etwa 700 Tonnen pro Tag an. Nun würden etwa zwei Fünftel davon abgefangen. Einige Fachleute vermuten allerdings, dass viel mehr Öl aus den Lecks sprudelt.

Die US-Regierung prüft derweil mögliche Sicherheitsprobleme auf einer weiteren Ölförderplattform des Konzerns BP. Salazar sagte, man gehe Hinweisen wegen möglicher Sicherheitsbedenken auf der Plattform "Atlantis" nach, die ebenfalls im Golf von Mexiko steht. Die Plattform, an der BP einen Anteil von 56 Prozent hält, ist mit einer Fördermenge von täglich 200.000 Barrel Öl eine der größten Ölförderanlagen der USA.

Langfristige Folgen

Salazar räumte eine Mitverantwortung der US-Regierung für die Ölkatastrophe ein. Das Innenministerium und die ihm unterstellte Abteilung für die Ausbeutung der Bodenschätze seien mitverantwortlich, sagte der Minister. "In diesem Haus muss saubergemacht werden", fügte er hinzu.

Die Meereswelt im Golf von Mexiko wird nach Einschätzung der US-Naturschutzbehörde noch über Jahrzehnte die Folgen der Ölpest zu spüren bekommen. Allerdings könne das volle Ausmaß der Schäden wohl niemals ganz ermittelt werden, weil die meisten betroffenen Tiere weit von der Küste entfernt lebten.

Ein Blick aus dem Weltraum auf den Golf von Mexiko verstärkt die Sorgen um die Auswirkungen der Ölpest. "Wir sind vor 30 Minuten über den Golf von Mexiko geflogen und haben Fotos von dem Ölfleck gemacht", sagte der Kommandant der Internationalen Raumstation ISS, Oleg Kotow, dem Fernsehsender CNN. "Es sieht sehr erschreckend aus. Es hat mir ein schlechtes Gefühl bereitet."

Quelle: ntv.de, ppo/rts/dpa/AFP

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