Panorama

Untergang der "Grande America" Ölteppiche treiben auf Frankreichs Küste zu

Umweltalarm im Surferparadies Biarritz, bei Bordeaux und in der Hafenstadt La Rochelle: Nach dem Untergang eines Frachtschiffes droht der französischen Atlantikküste eine größere Ölkatastrophe. Raue See verschärft die Situation - den Behörden sind die Hände gebunden.

Zwei kilometerlange Ölteppiche treiben nach der Havarie des Frachtschiffs "Grande America" in der Biskaya auf Frankreichs Westküste zu. Die Behörden kämpfen mit allen verfügbaren Kräften, um die drohende Ölpest an den auch bei Touristen beliebten Atlantikstränden zu verhindern.

Die französischen Behörden warten weiterhin auf eine Wetterberuhigung, um im Atlantik mit dem Abpumpen von ausgelaufenem Schweröl beginnen zu können. Wie die zuständige Meerespräfektur mitteilte, sind sechs Schiffe an Ort und Stelle. Die beiden verunreinigten Zonen der Meeresoberfläche trieben am Donnerstag etwa 300 Kilometer westlich von dem Küstenort La Rochelle im Meer. Erste Einschätzungen bestätigten das Risiko einer Küstenverschmutzung, hieß es.

Das Problem: Die vorherrschenden Westwinde und die in der Biskaya auftretende Meeresströmung schieben das Öl Richtung Küste. Wenn die Ölteppiche dort ankommen, dürfte sich das Öl über kurz oder lang von den bretonischen Felsküsten über die ausgedehnten Sandstrände weiter im Süden verteilen: Denn die Wassermassen der Biskaya bewegen sich, angetrieben von den Ausläufern des Golfsstroms, wie in einem riesigen Kreisel im Uhrzeigersinn an der französischen Westküste entlang Richtung Baskenküste bis nach Nordspanien.

Wo trifft das Öl an Land?

Wo genau das Öl an Land kommt, ist noch unklar. Potenziell betroffene Bereiche könnten erst in einigen Tagen ermittelt werden, teilten die französischen Behörden mit. Umweltminister François de Rugy nannte als gefährdete Regionen das Département Charente-Maritime mit der Hafenstadt La Rochelle und das Département Gironde, in dessen Mitte Bordeaux liegt. Er schloss nicht aus, dass das Öl auch an die spanische Biskaya-Küste gelangen könnte.

Der unter italienischer Flagge fahrende RoRo-Frachter "Grande America" war am Dienstag nach einem tagelangen Brand gesunken. Das aus dem Autotransporter ausgelaufene Schweröl soll nun mit Spezialschiffen abgepumpt werden. Schlechte Witterungsbedingungen und raue See erschwerten allerdings den Kampf gegen die Verschmutzung, so die Präfektur. Das Schiff hatte auch Gefahrgut an Bord.

Der größere der beiden Ölteppiche ist offiziellen Angaben zufolge etwa 13 Kilometer lang und 7 Kilometer breit. Der zweite Teppich ist demnach rund 9 Kilometer lang, ebenfalls 7 Kilometer breit, aber insgesamt weniger kompakt als der erste. Das Öl stammt demnach aus den Treibstofftanks des Frachters. Der Zustand der Gefahrgutladung ist noch unklar.

Die Ölteppiche trieben mit einer Geschwindigkeit von rund 30 Kilometern pro Tag in Richtung Osten, sagte Stéphane Doll, Leiter der auf Wasserverschmutzung spezialisierten Einrichtung Cedre. Damit dürften etwa zehn Tage vergehen, bis die ersten Ausläufer der Ölpest die Küste erreichen.

Beliebte Touristenstrände bedroht

Eine größere Ölpest konfrontiert die Region auch mit einer drohenden wirtschaftlichen Katastrophe: Die Westküste Frankreichs zieht im Sommer viele Touristen an, beliebt sind La Rochelle, die Sandstrände der Vendée oder die Insel Île d'Oléron. Im nahe der spanischen Grenze liegenden Badeort Biarritz will Präsident Emmanuel Macron im August den Gipfel der sieben großen Industrieländer (G7) ausrichten.

In französischen Medien erinnerten Beobachter an frühere Schiffskatastrophen. Vor gut 20 Jahren etwa sorgte die Havarie des Öltankers "MV Erika" für Aufsehen: Das Schiff war im Dezember 1999 im Sturm vor Lorient auseinandergebrochen und gesunken. Austretendes Öl löste gravierende Umweltschäden und langwierige Aufräumarbeiten in der Region aus. Jahrzehnte zuvor war vor der Küste der Bretagne bereits der Tanker "Amoco Cadiz" auf Grund gelaufen.

Experten zufolge sind die beiden Vorfälle allerdings nur bedingt mit dem Untergang der "Grande America" vergleichbar: Bei den Tankerkatastrophe vom März 1978 und Dezember 1999 sei massenweise Öl aus den Ladetanks der Schiffe ausgelaufen. Im Fall der "Grande America" handelt es sich demnach um sehr viel kleinere Mengen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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