Panorama

8000 Menschen warten im Todestrakt Pakistan will Rollstuhlfahrer hängen

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Todeskandidat Abdul Basit ist von der Hüfte an gelähmt.

(Foto: HIman Right Watch)

Fast täglich wird in Pakistan ein Todesurteil vollstreckt. Doch oft sind es fragwürdige Einzelschicksale, die die Exekutionspolitik des Landes in den internationalen Fokus rücken. Wie der Fall von Abdul Basit. Der Mann sitzt im Rollstuhl - am Dienstag soll der 43-Jährige erhängt werden.

Fast sieben Jahre hatte Pakistan die Todesstrafe ausgesetzt. Seit Dezember vergangenen Jahres lässt Islamabad wieder hängen - und das fast im Akkord. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden seitdem 236 Menschen hingerichtet. 8000 Menschen, so schätzen die Menschenrechtler, sitzen in Pakistan im Todestrakt. Fast täglich wird ein Todesurteil vollstreckt. Damit steht das Land hinter China und Iran an dritter Stelle weltweit.

Nicht nur wegen der hohen Zahl an Hinrichtungen steht Islamabad zunehmend in der Kritik. Menschenrechtsaktivisten erklären, dass viele Geständnisse, die zum Todesurteil führen, unter Folter abgepresst werden.

Oft sind es fragwürdige Einzelschicksale, die Pakistans Exekutionspolitik immer wieder in den Fokus rücken. Wie der Fall von Abdul Basit. Der heute 43-Jährige wurde 2009 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Im Gefängnis erkrankte er an tuberkulöser Meningitis und ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt. Trotz der Querschnittslähmung soll er am Dienstag hingerichtet werden, allerdings wissen die Justizbeamten noch nicht, wie sie die Exekution durchführen sollen.

"Statt sich die ganze Grausamkeit der Todesstrafe bewusst zu machen, rätseln die Justizbeamten über die Frage, wie man einen Mann im Rollstuhl henkt", erklärte der Pakistan-Experte von Human Rights Watch, Brad Adams.

"Keine Chance auf Heilung"

Anfang September lehnte ein Gericht Basits Bitte ab, die Hinrichtung wegen seiner Behinderung auszusetzen. Seine Anwälte hatten argumentiert, dass es gegen die Vorgaben verstoßen würde, jemanden im Rollstuhl zu hängen. Da er sein eigenes Gewicht nicht tragen könne, sei die Bestimmung eines geeigneten Seils schwierig. Der Tod wäre "entsetzlich", zitiert der britische "Independent" einen der Anwälte.

Zwei Ärzte diagnostizierten zudem, dass er lebenslang behindert sein wird und es "keine Chance auf Heilung" gebe. Seine Anwälte plädierten deshalb darauf, dass die Querschnittslähmung Strafe genug sei, da Basit sowieso für den Rest seines Lebens ans Bett gefesselt wäre.

Umstrittene Todesurteile

Erst Anfang August machte Pakistan mit einem umstrittenen Todesurteil Schlagzeilen. Trotz internationaler Proteste musste ein junger Mann am Galgen sterben. Schafqat Hussain war im Jahr 2004 unter fragwürdigen Umständen schuldig gesprochen. Er war zum Zeitpunkt der Verurteilung erst 14 Jahre alt. Auch der Fall der wegen Blasphemie verurteilten Christin Asia Bibi hatte einige internationale Aufmerksamkeit erregt. Ende Juli hatte das höchste Gericht des Landes die Vollstreckung des Urteils erneut ausgesetzt.

Ministerpräsident Nawaz Sharif hatte im Dezember 2014 ein inoffizielles vierjähriges Moratorium auf die Todesstrafe aufgehoben. Er reagierte damit auf einen Anschlag der pakistanischen Taliban auf eine Schule in Peshawar, bei dem 148 Menschen getötet wurden, die meisten davon Kinder.

Nach pakistanischem Recht können 28 Arten von Verbrechen mit dem Tod bestraft werden, darunter Mord, Vergewaltigung, Verrat und auch Blasphemie.

Quelle: n-tv.de, dsi