Politik

Angeblicher Mörder bei Tat erst 14 Pakistan vollstreckt umstrittenes Todesurteil

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Hinter Gefängnismauern in Karatschi starb am frühen Morgen der heute etwa 25 Jahre alte Schafqat Hussain.

(Foto: REUTERS)

Im Morgengrauen muss im südpakistanischen Karatschi ein junger Mann am Galgen sterben - verurteilt als Mörder eines kleinen Jungen. Doch die Umstände sind mehr als fragwürdig. Seine Familie, die UN und Menschenrechtler kritisieren das als Unrecht.

Trotz internationaler Proteste ist in Pakistan ein Mörder hingerichtet worden, der nach Angaben seiner Familie im Alter von 14 Jahren zum Tode verurteilt worden war. Wie ein Beamter des Innenministeriums erklärte, wurde Schafqat Hussain kurz nach Sonnenaufgang im Gefängnis der südpakistanischen Hafenstadt Karatschi gehängt.

Schafqat Hussain war im Jahr 2004 unter fragwürdigen Umständen schuldig gesprochen worden, einen siebenjährigen Jungen ermordet zu haben. Die Regierung erklärte, Hussain sei zum Zeitpunkt seiner Festnahme unmittelbar nach der Tat 23 Jahre alt gewesen. Die Familie und sein Anwalt betonten, Hussain sei zum Tatzeitpunkt und beim Urteil erst 14 Jahre alt gewesen, deshalb müsse die Todesstrafe in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt werden. Die Hinrichtung war aufgrund der Kritik vier Mal verschoben worden.

Hussains Leiche wurde seinen Brüdern übergeben, die den Behörden vorwarfen, die Hinrichtung sei nicht ordnungsgemäß verlaufen. "Es gibt eine Schnittwunde an seinem Hals und sein halber Hals ist vom Körper abgetrennt". sagte einer der Bruder. Hussains Mutter beteuerte, ihr Sohn sei unschuldig gewesen.

Erst seit 2014 werden Urteile wieder vollstreckt

Menschenrechtsgruppen hatten die pakistanische Regierung aufgefordert, die Exekution zu verschieben und eine neue Gerichtsverhandlung anzusetzen, da Hussain damals von der Polizei gefoltert worden sei, um ein Geständnis zu erhalten. Amnesty International kritisiert, die Hinrichtung sei nach pakistanischem und internationalem Recht illegal. Die Menschenrechtsorganisation bemängelte, der Angeklagte sei damals neun Tage gefoltert worden und habe dann den Mord "gestanden". Auch UN-Experten kamen zu dem Schluss, dass das Gerichtsverfahren gegen Hussain "internationalen Standards" nicht gerecht geworden sei. Ebenso kritisierte die EU das Urteil.

In Pakistan galt sechs Jahre ein Moratorium für die Todesstrafe. Premierminister Nawaz Sharif hatte es nach einem Taliban-Angriff auf eine Schule im Dezember 2014 zunächst für verurteilte Terroristen und später dann generell aufgehoben. Innerhalb von sechs Monaten sind etwa 180 Verurteilte hingerichtet worden.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/AFP