Panorama

Vierfachmord in den Alpen Substanz ist doch kein Sprengstoff

36z45109.jpg2287394055123201986.jpg

Drei Tage lang hatten die Ermittler das Haus durchsucht.

(Foto: dpa)

Nach dem mysteriösen Vierfachmord in den französischen Alpen rücken am Haus der Opfer-Familie südlich von London Bombenexperten an. Die als möglicherweise gefährlich eingestufte Substanz, die in dem Haus gefunden wurde, erweist sich jedoch als ungefährlich. Die Suche nach dem Tatmotiv geht weiter.

Auf der Suche nach einem Motiv hinter dem mysteriösen Vierfachmord in den französischen Alpen hat die britische Polizei Bombenexperten eingesetzt. Im Haus der getöteten Eltern in England seien "möglicherweise explosiven Substanzen" gefunden worden, hieß es. Die Gebäude rund um das Einfamilienhaus im Ort Claygate in der Grafschaft Surrey wurden evakuiert. Nach rund zwei Stunden rückten die Sprengstoffexperten wieder ab. Die gefundenen Substanzen seien ungefährlich, erklärte die Polizei.

Bei der Bluttat waren am Mittwoch in einer abgelegenen Gegend in der Nähe von Chevaline ein Ehepaar und eine Großmutter in einem Auto, sowie ein zufällig vorbeifahrender Radfahrer mit je zwei Kopfschüssen erschossen worden. Ein sieben und ein vier Jahre altes Mädchen überlebten. Von ihnen erhoffen sich die Ermittler wichtige Hinweise zu den Umständen der rätselhaften Bluttat.

Die Polizei sucht fieberhaft nach dem Motiv für die Morde und hat das Haus der Familie in Claygate bereits seit Samstag im Visier. Unter anderem gibt es Hinweise auf einen Erbstreit. Doch der Bruder des erschossenen Mannes hatte sich bereits gemeldet und gesagt, das sei ausgeschlossen.

"Recht plötzlich in den Urlaub aufgebrochen"

Die Polizei teilte mit, von einem Familiendrama über einen missglückten Raubüberfall bis hin zu einer rassistisch motivierten Straftat sei alles möglich. Der getötete Vater stammte ursprünglich aus dem Irak und hatte unter anderem für ein Satellitentechnik-Unternehmen in Surrey gearbeitet.

2012-09-10T130547Z_01_OCH107R_RTRMDNP_3_FRANCE-KILLINGS-CLAYGATE.JPG5157760045452112737.jpg

Bombenexperten untersuchten die gefundene Substanz.

(Foto: Reuters)

Nach Angaben der britischen Tageszeitung "Independent" soll die Familie "recht plötzlich in den Urlaub aufgebrochen" sein. Die Zeitung zitierte einen Freund der Familie mit den Worten, die Familie sei "Hals über Kopf" abgereist. Von einer "Flucht" wollte der Freund aber ausdrücklich nicht sprechen. Medienberichten zufolge war der Iraker mit britischem Pass erst vor kurzem in seiner alten Heimat, um Immobilien zurückzufordern, die seiner Familie vom Regime Saddam Husseins abgenommen worden waren. Britische Zeitungen schrieben, bei dortigen Geheimdiensten sei der Name des Getöteten schon länger bekannt.

Ein britischer Augenzeuge, der Verbrechen und Tatort entdeckt hatte, hat laut Staatsanwaltschaft einen grünen Audi mit Allradantrieb in der Gegend gesehen. Ein solches Fahrzeug sei in der bergigen Gegend jedoch keine Seltenheit. Bei dem Zeugen handelt es sich um einen ehemaligen Offizier der britischen Luftwaffe, der in der Gegend ein Haus besitzt.

Siebenjährige aus dem Koma geholt

Nach Informationen des französischen Fernsehsenders M6 wurde bei dem Gewaltverbrechen lediglich eine Waffe benutzt. Die vermutlich rund zwei Dutzend Schüsse seien aus einer automatischen Pistole mit dem Kaliber 7,65 Millimeter abgefeuert worden, hieß es unter Berufung auf Ermittlerkreise. Alles deute auf eine ältere Waffe hin. Der Angriff soll nicht länger als 30 Sekunden gedauert haben.

Die ältere Tochter des getöteten Elternpaars steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch immer unter Schmerz- und Beruhigungsmitteln. Sie wird deswegen erst in den nächsten Tagen vernommen werden können. Sie hatte durch heftige Schläge einen Schädelbruch und eine Schussverletzung in der Schulter erlitten. Die schwer verletzte Siebenjährige war von den Ärzten am Sonntag aus einem künstlichen Koma geholt worden. Die Ermittler erhoffen sich von dem Mädchen wertvolle Informationen über die bislang völlig mysteriösen Hintergründe der Tat.

Ihre vierjährige Schwester überlebte das Verbrechen zwar unverletzt, weil sie sich unter der Leiche ihrer Mutter versteckte. Allerdings konnte sie keine Angaben zum Täter machen, da sie die Tat nicht gesehen, nur gehört habe. Sie hat ihre Eltern aber bereits als Opfer identifiziert. Sie ist mittlerweile mit Verwandten und Betreuern nach England zurückgeflogen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

Mehr zum Thema