Panorama

Der Bischof und seine Auszeit in Rom Tebartz-van Elst hatte keine Chance

Der Limburger Bischof verweilt in Rom und wartet auf eine Privataudienz bei Franziskus. Damit ist er aus der Schusslinie und sorgt dafür, dass Nüchternheit in den Fall einkehren kann. Es ist der einzig richtige Schritt, denn eine Chance hatte der Geistliche nie.

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Gönnt sich eine wichtige Auszeit: Bischof Tebartz-van Elst.

(Foto: dpa)

Zuerst war die Aufregung um Tebartz-van Elst groß. Seit der Abreise des Limburger Bischofs nach Rom aber sinkt der Pegel der Empörung, mit dem über den Fall berichtet wird, immer mehr. Schlicht deshalb, weil es nichts zu berichten gibt. Die Prüfungskommission der Deutschen Bischofskonferenz hat ihre Arbeit aufgenommen, der Geistliche selbst verweilt in Rom und wartet - so heißt es - auf ein persönliches Vorsprechen beim Papst. Ob dies allerdings stattfinden wird, ist unklar.

Doch es hätte auch anders laufen können: Ein Bischof, der vor seinen Gläubigen nach Rom flieht, dort vom Papst zurechtgewiesen wird und seinen Posten verliert. Das war es, und das ist es noch, was viele offenbar erwarten. Die Uhren der Kirche aber ticken anders. Das wird häufig kritisiert, doch in diesem Fall ist es unbedingt notwendig. Das weiß auch Papst Franziskus.

Die Öffentlichkeit hat ihr Urteil über Tebartz-van Elst schnell gefällt. Schlag auf Schlag ging es, es verging kein Tag, an dem nicht neue "Enthüllungen" für Empörung sorgten. Tag für Tag wurden die Appelle an den Bischof lauter, er solle seinen Amtsverzicht erklären. Es ist wichtig, dass Franziskus sich nicht von dieser Welle der Empörung leiten lässt. Denn bislang sind zu viele Fragen ungeklärt, um den Konflikt angemessen zu regeln - entgegen dem Eindruck, der unter der Berichterstattung über den "Protz-Bischof" entstehen könnte. Bislang ist völlig unklar, wer in Limburg für welche Dinge Verantwortung trägt und wie gewisse Entscheidungen zustande kamen. Um dies herauszufinden, wurde die Prüfungskommission der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzt.

Privataudienz hat keine hohe Priorität

Nüchtern betrachtet hatte Tebartz-van Elst nie eine Chance, nachdem die Hetzjagd auf ihn eröffnet worden war. Die wenigen Dinge, die er äußerte, wurden stets als Worte eines uneinsichtigen Bischofs von Limburg ausgelegt.  Jegliche - durchaus vernünftige - Versuche seinerseits, darauf hinzuweisen, man solle doch auf gesicherte Fakten durch entsprechende Untersuchungen warten, wurden als Verzögerungstaktik gebrandmarkt.

Der Rückzug des Bischofs nach Rom ist das einzig richtige. Nur so konnte es ihm gelingen, aus der direkten Schusslinie herauszutreten. Noch wichtiger ist jedoch, dass sich der Papst nun Zeit nimmt und sich nicht zu einer Entscheidung drängen lässt. Und so wird es voraussichtlich auch kommen. Der Terminkalender des Papstes ist gut gefüllt und die Weltkirche hat weit größere Probleme als eine Kostenexplosion in Limburg. Es ist also mehr als verständlich, dass die Privataudienz des gebeutelten Bischofs auf der Liste der Prioritäten nicht ganz oben steht.

Es ist ein kluger, wichtiger Schachzug, Ruhe in die Sache einkehren zu lassen. Sowohl von Franziskus als auch von Tebartz-van Elst. Es wäre keinem damit gedient, hier vorschnell zu entscheiden. Spekulationen gab es in dieser Angelegenheit genug. Die Unschuldsvermutung ist in Strafverfahren ein wichtiges Grundprinzip: Demnach ist jeder so lange unschuldig, bis ihm das Gegenteil bewiesen wird. Dieser Grundsatz sollte auch für den Umgang mit Franz-Peter Tebartz-van Elst gelten, egal wie lange die Klärung dauert. Die Auszeit des Limburger Bischofs in Rom sollte dazu dienen, sich dies ins Bewusstsein zu rufen, statt immer nur weiter auf den Ordinarius einzuprügeln.

Quelle: ntv.de