Panorama

Fehlende Transparenz in Missbrauchsfällen UN kritisieren Vatikan scharf

Immer wieder werden Kinder zu Opfern sexueller Übergriffe von Geistlichen. Der Vatikan beteuert zwar, er wolle sich für deren Schutz einsetzten, wichtige Daten zu Missbrauchsfällen will er allerdings nicht herauszurücken. Ein UN-Komitee findet nun deutliche Worte.

Mitglieder eines UN-Komitees haben den Vatikan wegen mangelnder Transparenz im Umgang mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche kritisiert. Der Kirchenstaat weigere sich nach wie vor, die von den UN geforderten genauen Angaben zu Umfang des Skandals und zu Tätern zu machen, bemängelten sie bei der ersten öffentlichen Anhörung zu diesem Thema vor dem UN-Komitee für die Rechte des Kindes in Genf. Papst Franziskus prangerte die Skandale am selben Tag bei seiner Frühmesse im Vatikan als "die Schande der Kirche" an.

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Papst Franziskus prangerte die Missbrauchsfälle an, doch der UN geht das Vorgehen der Kirche nicht weit genug.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vor dem Ausschuss in Genf beteuerte der Gesandte des Heiligen Stuhls bei den UN, Erzbischof Silvano Tomasi, der Vatikan gehe mit aller Kraft gegen den Missbrauch von Kindern vor. So habe der Papst eigens die Bildung einer Kommission für den Schutz von Minderjährigen veranlasst. Sie werde Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit von Kindern in der Obhut der Kirche sowie zur Fürsorge für Missbrauchsopfer vorschlagen. Für die Katholische Kirche gelte, was bereits Papst Johannes Paul II. erklärt habe: Der Vatikan betrachte Kindesmissbrauch durch Kirchenvertreter als Verbrechen und "entsetzliche Sünde vor den Augen Gottes".

Allein mit solchen Zusicherungen wollten sich Mitglieder des UN-Komitees jedoch nicht zufriedengeben. Der Vatikan müsse genaue Daten zum Umfang des sexuellen Missbrauchs in den Kirchen aller betroffenen Länder vorlegen, forderte das Komiteemitglied Hiranthi Wijemanne aus Sri Lanka. Zugleich bemängelte sie, dass Untersuchungen oft lediglich innerhalb der Kirche und dann auch nur streng vertraulich geführt würden. "Warum werden nur einige wenige Fälle an die Justizbehörden gemeldet, warum werden sie nicht öffentlich gemacht?", fragte sie.

Trotz Missbrauch noch im Dienst

"Warum wird nicht mehr für Transparenz getan?", fragte die Vorsitzende des UN-Gremiums, Sara De Jesus Oviedo Fierro. Der Vatikan hatte die Weigerung, konkrete Angaben zu Missbrauchstätern vorzulegen, unter anderem damit begründet, dass er keine staatliche Verantwortung für Kircheninstitutionen und deren Angestellte in anderen Ländern habe. Komiteemitglieder erwiderten, der Vatikan habe jedoch sehr wohl eine "moralische Verantwortung". Sie äußerten auch Kritik daran, dass manche Geistliche trotz Missbrauchshandlungen nicht aus dem Kirchendienst entfernt worden seien.

Einschätzungen zum Umgang des Kirchenstaates mit dem Kindesmissbrauch sowie Empfehlungen für Verbesserungen will das UN-Komitee bis Anfang Februar erarbeiten und dann veröffentlichen. Die Anhörung wurde von Aktivisten begleitet, die für die Aufklärung aller Skandalfälle eintreten und umfassende Entschädigungen für die Betroffenen fordern. Sie verweisen unter anderem darauf, dass der emeritierte US-amerikanische Kurienkardinal William Joseph Levada 2012 erklärte habe, dem Vatikan seien im zurückliegenden Jahrzehnt mehr als 4000 Fälle von Kindesmissbrauch gemeldet worden.

"Keine lebendige Beziehung zu Gott"

Erzbischof Tomasi erklärte, mittlerweile seien zahlreiche Kircheninstitutionen im Einsatz, um den Schutz von Kindern zu gewährleisten. Der Vatikan habe alle relevanten internationalen Verträge zum Schutz von Kindern ratifiziert und setze sie um - darunter das UN-Protokoll zur Bekämpfung von Kinderprostitution und Kinderpornografie. Zugleich trat der apostolische Nuntius dem Eindruck entgegen, Kindesmissbrauch sei besonders stark in Kreisen von Geistlichen verbreitet: "Kinderschänder findet man selbst bei den am meisten geachteten Berufsgruppen der Welt, darunter beim Klerus und anderen kirchlichen Berufen."

Papst Franziskus erklärte in seiner Frühmesse laut Radio Vatikan, zu Skandalen in der Kirche komme es dann, wenn die Menschen keine lebendige Beziehung zu Gott hätten. "Haben wir uns denn geschämt über solche Niederlagen von Priestern, Bischöfen und Laien?", fragte der Papst. Die ersten, die die Folgen der vielen Skandale ausbaden müssten, seien die Gläubigen.

Quelle: n-tv.de, sko/dpa

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