Panorama

Schlimme Zustände im Elsass "Über 80-Jährige werden nicht mehr beatmet"

Mit mehr als 25.000 Infizierten ist Frankreich unter den am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Ländern. Vor allem in Straßburg und Mülhausen geraten die Kliniken an ihre Kapazitätsgrenze. Dort herrschen inzwischen Zustände, wie man sie bisher nur aus Italien kannte.

Katastrophenmediziner haben sich ein Bild von der Lage in Straßburg gemacht - und berichten über dramatische Zustände an der Grenze zu Deutschland. Demnach arbeiten infizierte Mediziner an der Universitätsklinik Straßburg weiter mit Corona-Patienten und über 80-Jährige werden nicht mehr beatmet. Stattdessen erfolge "Sterbebegleitung mit Opiaten und Schlafmitteln", schreiben die Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin in Tübingen in dem Bericht.

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Unter der Annahme, dass sich die Entwicklung, wie sie im Elsass bestehe, bald in Deutschland einstellen werde, sei eine optimale Vorbereitung von "allerhöchster Dringlichkeit". Die Region ist besonders stark von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Die Kliniken in Mülhausen und Straßburg sind völlig überfüllt.

Bereits am Donnerstag waren deshalb rund 20 Patienten per Zug aus dem Risikogebiet gebracht worden. Von Straßburg aus wurden sie mit einem medizinisch umgerüsteten TGV-Hochgeschwindigkeitszug in mehrere Orte im Westen Frankreichs gebracht. Betreut werden die Kranken von insgesamt 50 medizinischen Kräften und Organisatoren. Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran hatte den Krankentransport per Zug als "Premiere in Europa" bezeichnet.

Mehr als 1300 Todesopfer

Auch Deutschland und die Schweiz haben bereits mehrere schwer kranke Patienten aus dem Grenzgebiet aufgenommen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft die gesamte französische Region Grand Est an der deutschen Grenze als Risikogebiet ein. Dazu gehört auch das Elsass. In der Region kamen nach offiziellen Angaben mehr als 500 Menschen durch das Coronavirus ums Leben. Das sind mehr als ein Drittel der insgesamt gut 1300 Todesopfer in dem Land.

Frankreich ist eines der am stärksten durch die Pandemie betroffenen Länder. Das Land zählt nach Berechnungen von ntv.de inzwischen 25.233 Infizierte. Staatspräsident Emmanuel Macron hatte zuletzt eine "Operation Widerstandskraft" angekündigt, die der bereits existierenden französischen Militäraktion im Kampf gegen den Terrorismus nachempfunden werde. Ziel sei es, die Bevölkerung im "Krieg" gegen das tödliche Virus zu unterstützen.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP