Panorama

Koblenzer Missbrauchsprozess Vater legt Teilgeständnis ab

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Am zweiten Prozesstag legt der Vater ein Teilgeständnis ab.

(Foto: dpa)

Der Vater soll sie jahrelang sexuell missbraucht, geschlagen, ihre Körper verkauft haben. Am zweiten Prozesstag sagen auch der Stiefsohn und die leibliche Tochter gegen den Mann aus dem Westerwald aus. Dem bleibt nichts anderes übrig, als die Flucht nach vorn anzutreten und den Missbrauch seiner Tochter zuzugeben.

Im Koblenzer Missbrauchsprozess hat der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt. Die Vorwürfe der Anklage, wonach er seine leibliche Tochter jahrelang missbraucht habe, seien zutreffend, sagte der Verteidiger des 48-jährigen Familienvaters nach Rücksprache mit seinem Mandanten im Koblenzer Landgericht. Zuvor war die Tochter als Zeugin wiederholt bei ihrer Aussage in Tränen ausgebrochen.

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Markus S., einer der beiden Stiefsöhne des Angeklagten.

(Foto: dapd)

Der Angeklagte aus Fluterschen im Westerwald soll seine 18-jährige Tochter, den 27-jährigen Stiefsohn und dessen Zwillingsschwester über Jahre hinweg missbraucht haben. Zum Prozessauftakt am Dienstag hatte der 48-Jährige zunächst nur zugegeben, sieben Kinder mit seiner Stieftochter gezeugt zu haben, die Missbrauchsvorwürfe bestritt er aber. Am Mittwoch wurde auch der Stiefsohn als Zeuge gehört.

Die Öffentlichkeit wurde vor der Befragung ausgeschlossen. Damit reagierten die Richter auf einen Antrag des 27-jährigen Zeugen. Das Landgericht begründete seine Entscheidung damit, dass dabei intime Details aus dem Sexualleben des Mannes zur Sprache kämen.

Leibliche Tochter in Angst

Tochter und Stieftochter des Beschuldigten sagten der Illustrierten "Bunte", sie wollten künftig ein möglichst normales Leben führen. Sie träume von einem Leben "ohne Gewalt. Ohne Schläge. Ohne Fremdbestimmung", sagte die 27-jährige Stieftochter. "Vielleicht in einem kleinem Häuschen. Mit meinen Kindern und einem Mann, der mich liebt." Zudem wolle sie eine Friseurlehre machen.

Opfer an einem sicheren Ort

Ihre 18-jährige Halbschwester beginnt den Angaben zufolge im Sommer eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. "Papa wollte nicht, dass wir Mädchen zur Schule gehen. Dort hatte er ja keine Kontrolle über uns." Über ihren Vater sagt sie: "Wenn er aus dem Gefängnis freikommen würde, würde ich weglaufen." Beide Frauen haben inzwischen Freunde, doch die kennen laut "Bunte" nicht alle Details ihrer Vergangenheit. Die 27-Jährige sagte der Illustrierten, sie fange langsam zu verstehen an, "wie sich Liebe anfühlt".

Nach Angaben des Radiosenders SWR4 haben die Anwälte der mutmaßlichen Opfer diese wegen des enormen Medienaufkommens an einen sicheren Ort gebracht. Die Anwältin der 18-Jährigen, Sandra Buhr, bezweifelt laut SWR4, dass die junge Frau je wieder ein normales Leben führen kann. "Ob sie gleich eine neue Identität braucht, kann ich nicht beurteilen, sie wird aber sicherlich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen müssen, um das Ganze zu verarbeiten. Wie es dann in zwei, drei Jahren aussieht, mag ich heute nicht zu beurteilen."

Quelle: ntv.de, dpa