Panorama
Nach Frühling sieht das noch nicht aus.
Nach Frühling sieht das noch nicht aus.(Foto: dpa)
Donnerstag, 24. Januar 2013

Große Kälte verabschiedet sich: Wann kommt der Frühling?

Die Sonne macht sich momentan rar, es ist dauerfrostig und die Straßen sind oft gefährlich glatt. Da fragen sich viele, wenn endlich der Frühling kommt. n-tv Meteorologe Björn Alexander hat für die nächsten Tage keine guten Nachrichten. Aber vielleicht haben die Wettermodelle ja doch unrecht?

n-tv.de: Björn, erst legt der Winter richtig los, um dann zu Weihnachten richtig nachzulassen. Jetzt hält er scheinbar ewig. Wann kommt der Frühling?

Björn Alexander: Das wird wohl noch dauern. Aber zumindest der Hochwinter mit eisigen Temperaturen wird sich wohl ab Sonntag aus Deutschland verabschieden. Wie mild es wird, ist zwar noch unsicher. Die Temperaturen steigen aber auf jeden Fall an und wir kommen wohl überall aus dem Dauerfrostbereich. In dieser Woche bleibt es aber insgesamt noch bei Eis und Kälte.

Wie ist der genaue Verlauf?

Der Winter hat auch seine kunstvolle Seite.
Der Winter hat auch seine kunstvolle Seite.(Foto: dpa)

Genauigkeit und Wetterprognosen sind in dieser Woche leider zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

Das klingt fast schon philosophisch.

Echt? Sollte es gar nicht. Wobei: Es hat ja schon was mit Wahrheit und Dichtung zu tun. Auf jeden Fall liegen die namhaften Wettermodelle in dieser Woche - selbst für die folgende Nacht oder den nächsten Tag - ganz schön weit auseinander. Grund ist dabei maßgeblich die Hartnäckigkeit der Wolkendecke. Lockert es über Schnee in den Nächten länger auf, dann sind zweistellige Minusgrade möglich. Bleibt es hingegen dicht am Himmel, dann ist es eher der leichte oder mäßige Frost. Also um minus 5 Grad. Selbiges gilt auch für die Höchstwerte am Tag. Mit Sonne kann es durchaus mal aus dem Frostbereich rausgehen. Bleibt es dagegen grau, dann ist in den meisten Fällen Dauerfrost angesagt.

Wie groß waren denn die Fehler bei den Wettermodellen?

Da lagen in Sachen Sonne schon mal gut und gerne ganze Tageslängen dazwischen. Das heißt konkret zwischen 0 oder 9 Sonnenstunden! Am Mittwoch beispielsweise hätte es in weiten Teilen Süddeutschlands ein hochneblig grauer Tag werden sollen. Stattdessen konnte man dort vielerorts einen schönen Wintertag genießen. Damit wurden es statt Dauerfrost leichte Plusgrade und die Fehlprognose ist perfekt. Analog ist die Problematik in den Nächten: Geht es längere Zeit auf, dann sind minus 10 bis minus 20 Grad kein Problem. Bleibt es dicht, dann liegen die Tiefstwerte eher zwischen minus 6 und minus 2 Grad.

Das sind wirklich große Unterschiede. Was erwartet uns in den kommenden Tagen und Nächten?

Björn Alexander
Björn Alexander(Foto: n-tv)

Die Tage bleiben zuerst einmal meistens dauerfrostig. Oft sind zwischen minus 9 und minus 2 Grad möglich. Erst in der kommenden Woche wird es überall spürbar milder. Dasselbe gilt in den Nächten. Wenn es über den Schneeflächen nachts längere Zeit aufklart, dann wird es nach wie vor eisig. Zweistellige Minusgrade bis minus 20 Grad sind dann durchaus mal möglich. Ab nächsten Montag wird die Nachtfrostgefahr hingegen von Westen her geringer.

Apropos "gering": Das trifft wohl auch auf die Sonnenanteile in diesem Monat zu. Oder war es irgendwo schöner?

Natürlich war es regional schon mal etwas sonniger. In Teilen Süddeutschlands sind bislang schon mal zwei Drittel der ansonsten üblichen Sonnenstunden im Gesamtmontag Januar zusammengekommen. Im Berliner Raum waren es bislang nur gut zehn Prozent. Das entspricht nur rund fünf Sonnenstunden in etwas über drei Wochen – und ist (bis jetzt!) Rekord seit Beginn der Wetteraufzeichnung

Wird's denn besser?

Nicht wirklich. Aber - wie eingangs bereits gesagt - die ganz große Kälte wird sich erst einmal verabschieden. Noch halten sich die letzten Überreste der Polarluft über uns sowie dem Kältehoch über Nordeuropa. Jedoch werden die Atlantiktiefs im Laufe der nächsten Woche sehr wahrscheinlich wieder die Oberhand gewinnen.

Wie sieht es in Sachen Wetter bis dahin aus?

Bis einschließlich Samstag bleibt es bei ruhigem, meist trockenem und gebietsweise auch mal freundlichem Winterwetter. In den Alpen wird es nach ein paar dichteren Wolken sogar richtig sonnig. Ab Sonntag naht von Westen her dann die große Umstellung. Dabei müssen Sie von Westen her mit akuter Glätte rechnen. Grund sind aufkommende Niederschläge in Form von Schnee, Schneeregen oder Regen, die auf gefrorene Böden treffen.

Wird es ähnlich schlimm wie am letzten Wochenenden?

Schwer zu sagen. Aber das Potenzial ist da. Maßgeblich hängt das Gefahrenpotenzial davon ab, wie lange und wie massiv sich die Kaltluft vor den aufkommenden Niederschlägen halten kann. Bleibt es am Boden lange kalt, bevor die Milderung in der Höhe mit Regen einsetzt, dann ist auch massives Glatteis möglich. Am Sonntag kommen die Niederschläge ostwärts voran. Auch dabei kann es zu einer extrem gefährlichen Glatteislage kommen, die am Montag anfangs vor allem im Osten noch andauern kann. Spätestens am Dienstag sind dann aber mehrheitlich Plusgrade mit Tauwetter in den tieferen Lagen zu erwarten. Nur die Nächte können bevorzugt im Osten sowie im Süden noch leichten Frost und Glätte bringen.

War es das dann mit dem Winter?

Vorerst sieht es danach aus. Aber um endgültig den Frühling auszurufen, ist es einfach noch zu früh. Ich denke, dass wir uns ziemlich sicher noch auf einige nasskalte Tage einstellen müssen. Ob es für den Hochwinter wie in den letzten zwei Wochen noch einmal reichen wird, da bin ich momentan noch eher skeptisch. Zumal sich der Polarwirbel schließen wird. Das hat eher maritim geprägtes Wetter aus westlichen Richtungen im Februar zur Folge.

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Quelle: n-tv.de