Politik

Widersprüchliches aus Teheran Admiral dementiert Raketenstart

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Seit Tagen übt die iranische Marine im Persischen Golf.

(Foto: dpa)

Verwirrung um Raketenstart: Offenbar gab es doch keine Raketentests im Persischen Golf. Der Abschuss verschiedener Raketentypen sei erst in den kommenden Tagen geplant, verkündet Admiral Mussawi im Staatsfernsehen. Damit widerspricht er Meldungen der Nachrichtenagentur Fars, die zuvor berichtet hatte, dass der Iran im Rahmen des zehntägigen Seemanövers Langstreckenraketen getestet habe.

Die für Samstag angekündigten Raketentests des Iran sollen nach Angaben des Militärs nun erst "in den kommenden Tagen" stattfinden. Die Einsatzfähigkeit verschiedener Kurz- und Langstreckenraketen werde in den kommenden Tagen getestet, sagte Admiral Mahmud Mussawi im iranischen Staatsfernsehen. Dem Sender Press TV sagte er zudem, noch sollten Zielattrappen im Meer postiert werden, um die jeweiligen Tests vorzubereiten.

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Die Truppen sollen auf eine kriegsähnliche Situation vorbereitet werden, so Admiral Mussawi.

(Foto: REUTERS)

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Fars allerdings bereits den Beginn der Tests gemeldet. "Der Iran hat im Persischen Golf unter anderem Langstreckenraketen getestet", hieß es. Das Land hatte mit der Schließung der weltweit wichtigsten Ölhandelsroute gedroht, falls der Westen im Streit um das Atomprogramm des Iran wie angekündigt die iranischen Ölexporte mit Sanktionen belegt. Durch die Straße von Hormus flossen 2009 etwa ein Drittel des weltweit über das Meer transportierten Öls.    

Das Seemanöver des Iran dauerte zehn Tage und sollte mit den Raketentests abgeschlossen werden. Damit sollte der Drohung, die Ölhandelsroute zu schließen, Nachdruck verliehen werden. Den Medien des Landes zufolge unterschied sich dieses Manöver von früheren. So hätten sich die Aktionen über ein größeres Gebiet erstreckt. Auch die militärische Ausrüstung und Taktik seien anders. Der stellvertretende Marine-Befehlshaber Admiral Mahmud Musawi hatte erklärt: "Der letzte Teil der Übung soll die Marine darauf vorbereiten, dem Feind in einer Kriegssituation entgegenzutreten."

USA rüstet Saudi-Arabien auf

Die USA haben den Iran mit deutlichen Worten vor einer Blockade der Straße von Hormus gewarnt und schließen in dem sich zuspitzenden Konflikt auch militärische Mittel grundsätzlich nicht aus. Am Donnerstag hatten die USA bekanntgegeben, zur Wahrung der Sicherheit am Golf ihrem langjährigen Verbündeten Saudi-Arabien Kampfflugzeuge und andere Waffen im Wert von knapp 30 Milliarden Dollar zu verkaufen. Der Iran sei eindeutig eine der Bedrohungen, der Saudi-Arabien und andere Länder der Region ausgesetzt seien - auch wenn der Verkauf nicht allein gegen den Iran ziele, erklärte die Regierung in Washington.     

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Jeder Test ist eine Provokation für die Nachbarn: Kurzstreckenrakete "Tondar" (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Der Konflikt zwischen dem Westen und dem Iran hat sich verschärft, nachdem sich nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) der Verdacht erhärtet hat, dass das Land nach Atomwaffen strebt. Die Islamische Republik weist dies zurück. Die Europäische Union (EU) will Ende Januar neue Strafmaßnahmen gegen den Iran verhängen. Offenbar ist der Iran zu weiteren Gesprächen mit der sogenannten Sechsergruppe bereit. Chefunterhändler Said Dschalili wolle sich in einem Brief an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton dazu bereiterklären, sagte Irans Botschafter in Deutschland, Aliresa Scheich Attar, am Samstag der halbamtlichen Nachrichtenagentur Mehr. Zu der Sechsergruppe gehören die fünf UN-Vetomächte und Deutschland.     

Der Ölpreis werde sich im Fall von neuen Sanktionen dramatisch verteuern, sagte Irans Ölminister Rostam Kasemi der Wochenzeitung "Aseman". "Der Ölpreis wird mindestens auf über 200 Dollar pro Fass steigen." Ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostet derzeit rund 107 Dollar.

Teheran will Atomgespräche wieder aufnehmen

Als Zeichen der Entspannung erklärte sich Teheran unterdessen zur Wiederaufnahme der Gespräche über sein Atomprogramm bereit. Die Atomgespräche mit den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschland liegen seit fast einem Jahr auf Eis. Sein Land sei gewillt, die Verhandlungen fortzusetzen, sagte Außenminister Ali-Akbar Salehi während des Besuches eines chinesischen Regierungsbeamten in Teheran.

Der iranische Chefunterhändler Said Dschalili werde die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Kürze über die Bereitschaft seines Landes zur Wiederaufnahme der Verhandlungen informieren, meldeten Staatsmedien. Die EU zeigte sich offen für neue Gespräche. Voraussetzung sei allerdings, dass vom Iran keinerlei Vorbedingungen gestellt würden, teilte ein Sprecher Ashtons mit.

Die Atomgespräche des Irans mit der 5+1-Gruppe waren zuletzt im Januar in Istanbul wegen fehlender Fortschritte auf unbestimmt Zeit vertagt worden. Hauptziel der fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschlands ist es, den Iran von einer weiteren Anreicherung von Uran abzubringen. Hoch angereichertes Uran kann für den Bau einer Atombombe verwendet werden.

Der Westen verdächtigt die iranische Regierung, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms heimlich am Bau solcher Atomwaffen zu arbeiten. Israel und die USA haben deshalb auch Militärschläge gegen iranische Atomanlagen nicht ausgeschlossen. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte in ihrem jüngsten Bericht Hinweise auf ein solches militärisches Atomprogramm dokumentiert. Daraufhin hatten EU und USA ihre Sanktionen gegen den Iran verschärft. Die EU plant darüber hinaus weitere Strafmaßnahmen. Seit längerem ist auch ein Öleinfuhrverbot im Gespräch.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts/AFP

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