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Bei Anhörung zusammengebrochen Ägyptens Ex-Präsident stirbt vor Gericht

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(Foto: picture alliance / Mohamed Hossa)

Ägyptens erster frei gewählter Präsident Mohammed Mursi stirbt im Alter von 67 Jahren. Berichten zufolge bricht er bei einer Gerichtsverhandlung zusammen. Im Krankenhaus können die Ärzte nichts mehr für ihn tun.

Ägyptens früherer Präsident Mohammed Mursi ist tot. Der 2013 von der Armee entmachtete Staatschef starb offenbar im Umfeld eines Prozesses. Dem Staatsfernsehen zufolge kollabierte er nach einer Gerichtsverhandlung. Aus Sicherheitskreisen verlautete dagegen, dass Mursi während einer Anhörung vor Gericht zusammengebrochen und später im Krankenhaus verstorben sei. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der enge Beziehungen zu Mursi unterhalten hatte, würdigte ihn als einen "Märtyrer".

Der 67-Jährige habe 20 Minuten lang vor dem Richter gesprochen, sagte ein Justizvertreter. Dabei habe er sich sehr aufgeregt und sei in Ohnmacht gefallen. Mursi sei schnell ins Krankenhaus gebracht worden, dort aber gestorben. Er war wegen Spionage angeklagt.

Nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar 2011 hatte Mohammed Mursi als Kandidat der Muslimbruderschaft im Juni 2012 die Präsidentenwahl gewonnen. Nach nur einem Jahr wurde er nach Massenprotesten als erster demokratisch gewählter Führer des Landes wieder gestürzt. Seine Kritiker warfen ihm vor, die Interessen der Muslimbrüder an die erste Stelle zu setzen und eine religiöse Herrschaft errichten zu wollen.

Schwierige Präsidentschaft eines Technokraten

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Im Januar 20103 war Mursi in Berlin bei Kanzlerin Merkel zu Gast.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mursis Präsidentschaft war geprägt von Konflikten mit dem Militär, mit der Justiz und mit der Revolutionsjugend, die die Revolte gegen Mubarak getragen hatte. Er selbst strahlte wenig Charisma aus und galt als treuer Bürokrat der Muslimbrüder. Mursi schaffte es vor allem nicht, Vertrauen zu nicht-islamistischen Gruppen aufzubauen. Diese lehnten eine Zusammenarbeit mit ihm ab, obwohl ihn viele 2012 in der Stichwahl um das Präsidentenamt unterstützt hatten.

Gleichzeitig arbeiteten aber auch viele Staatsorgane gegen ihn und versuchten, seine Herrschaft zu untergraben. Vor allem in der Justiz traf er auf starken Widerstand. Die Richter legten aus Protest zeitweise ihre Arbeit nieder. Anhänger der Islamisten sprachen von alten Seilschaften aus Zeiten der Mubarak-Herrschaft. Mursi entließ zwar im August den Armeechef und Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi sowie den Generalstabschef Sami Anan, konnte aber das Militär, den eigentlichen Herrscher Ägyptens, nicht entmachten. 

Mursis Karriere war typisch für die eines Muslimbruders. Er wurde 1951 in einem Dorf der Provinz Scharkija als Sohn eines Bauern geboren. Einen Teil seiner akademischen Laufbahn absolvierte er in den USA. Als Maschinenbau-Ingenieur gelang ihm ein sozialer Aufstieg. 2012 trat er für die Muslimbrüder jedoch nur als Ersatzkandidat an, weil die Wahlkommission den eigentlichen Favoriten der Organisation aus formalen Gründen von der Wahl ausgeschlossen hatte. Seine Anhänger sahen in ihm bis zu seinem Tod den rechtmäßigen Präsidenten des Landes. Sein Sturz nach dem Putsch symbolisiert auch den Niedergang der Muslimbrüder.

Dauergast auf der Anklagebank

Mursi wurde Dauergast als Angeklagter vor Gericht und mehrfach zu langen Haftstrafen verurteilt. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem die Tötung von Demonstranten bei Protesten gegen seine Herrschaft und angebliche Spionage für Katar. Wegen eines Gefängnisausbruchs erhielt er zunächst sogar die Todesstrafe, die später jedoch in eine langjährige Haftstrafe umgewandelt wurde. Bis zu seinem Tod saß Mursi im Gefängnis.

Nach dem Sturz Mursis hatte im Juli 2013 der damalige Armeechef Abdel Fattah al-Sisi hatte die Macht in Ägypten übernommen. Proteste gegen den Sturz Mursis ließ die Armeeführung blutig niederschlagen. Al-Sisi wurde 2014 erstmals zum Präsidenten gewählt, vor einem Jahr wurde er in einem international kritisierten Urnengang wiedergewählt. Durch eine Verfassungsänderung infolge einer Volksabstimmung wurde seine Amtszeit bis 2030 verlängert.

Unter der autokratischen Führung Al-Sisis geht Ägypten mit harter Hand gegen Kritiker vor. Zehntausende sitzen in Haft. Auch die Meinungsfreiheit und das Demonstrationsrecht sind stark eingeschränkt. Zu Al-Sisis Prestigeprojekten gehört unter anderem der Bau einer neuen Hauptstadt östlich von Kairo.

Quelle: n-tv.de, jki/jwu/dpa/AFP

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