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Konkurrenzkampf mit IS Al-Kaida will Dschihad nach Indien bringen

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Muslime protestieren nach dem Tod Osama bin Ladens 2011 in der indischen Stadt Kalkutta.

(Foto: REUTERS)

Um den wachsenden Einfluss des Islamischen Staats einzudämmen, verkündet Al-Kaida-Chef Sawahiri die Gründung eines Ablegers in Indien. Auf dem Subkontinent will er Muslime von ihren "Feinden" befreien.

Konkurrenzkampf mit IS Der Chef der Terrororganisation Al-Kaida hat in seiner ersten Botschaft seit rund einem Jahr die Absicht verkündet, auf dem indischen Subkontinent einen Ableger des Netzwerkes zu gründen. Wie Aiman al-Sawahiri in einer im Internet veröffentlichten Videobotschaft sagte, sollten in Indien durch den Dschihad die von den "Feinden" aus Großbritannien und Indien errichteten Grenzen überwunden und ein Kalifat geschaffen werden.

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Al-Sawahiri rief Muslime auf dem Subkontinent dazu auf, sich von Unrecht und Unterdrückung durch "Feinde" des Islam zu befreien.

(Foto: REUTERS)

Ein Sprecher des indischen Innenministeriums sagte, sein Land sei angesichts der Drohung besorgt und wachsam. Al-Sawahiri nannte die Gründung eine "gute Nachricht" für Muslime in den Ländern Myanmar und Bangladesch sowie in den indischen Regionen Assam, Gujarat und Kaschmir, in denen das Terrornetzwerk besonders intensiv vorgehen will.

Al-Kaida werde alles dafür tun, um die Muslime dort von Unrecht und Unterdrückung zu befreien. Zugleich rief er die Glaubensbrüder zum Kampf gegen die Feinde des Islams auf. Das Video sei wahrscheinlich authentisch, sagte der indische Regierungssprecher.

"Brüder in Indien nicht vergessen"

In Indien leben überwiegend Hindus, nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Bei einer Bevölkerung von geschätzt rund 1,2 Milliarden Menschen stellen diese mit 180 Millionen Anhängern allerdings die weltweit zweitgrößte muslimische Bevölkerung eines Landes. Al-Sawahiri sagte, dass Al-Kaida seine "muslimischen Brüder in Indien nicht vergessen" habe. Das Land erlebte in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Angriffe von Extremisten, etwa 2008 in der Finanzmetropole Mumbai.

Laut dem "India Express" sei noch unklar, wer den neuen Ableger namens "Organisation für die Basis des Dschihads auf dem indischen Subkontinent" führen solle. In Frage kämen vor allem zwei aus Pakistan stammende Muslime namens Usama Mahmoud und Asim Umar. Letzter richtete bereits vergangenes Jahr einen Appell an die indischen Muslime. "Ihr, die ihr Indien für 800 Jahre beherrscht habt, die ihr die Flamme des einzigen Gottes in die Finsternis der Vielgötterei gesetzt habt: Wie könnt ihr weiter ruhig bleiben, wenn sich die Muslime der Welt erheben?" 

"Nur ein PR-Gag"

Al-Sawahiris neue Botschaft kommt mehr als zwei Monate, nachdem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak ein "Kalifat" ausgerufen hat. Al-Kaida und IS waren früher verbündet. Mittlerweile sind sie jedoch verfeindet. Zum Bruch kam es in diesem Frühjahr, als die Terrormiliz ihr Aktionsgebiet gegen den Willen der Al-Kaida-Führung vom Irak nach Syrien ausdehnte und dort ein Kalifat ausrief. Vielen gewaltbereiten Islamisten wurde der IS damit zur glaubwürdigeren Alternative.

Die jüngste Ankündigung Al-Kaidas deuten Beobachter als Versuch, den Führungsanspruch für den globalen Dschihad zu untermauern. Einen Beleg dafür sehen sie darin, dass al-Sawahiri Afghanistan und nicht den Nahen Osten als das Kerngebiet des weltweiten Dschihad bezeichnet. Mit Taliban-Führer Mullah Omar verbindet Al-Kaida eine enge Loyalität.

Anlass zu größerer Sorge sehen etliche Experten jedoch dennoch nicht. "Dies ist nur ein PR-Gag. Es zeigt ihre Verzweiflung, weil der IS jetzt zeigt, dass er derzeit die wahre Bedrohung in der Welt ist", sagte der indische Konfliktanalyst Ajit Kumar Singh. "Es ist ein Kampf um die Vorherrschaft zwischen Al-Kaida und IS."

Quelle: n-tv.de, bwe/dpa/AFP

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