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IS führt Massenhinrichtungen durch Amnesty sieht "systematische Säuberungen"

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Die UN und Amnesty berichten von Massenhinrichtungen.

dpa

Die Dschihadisten des IS löschen Minderheiten wie Christen oder Jesiden im Nordirak systematisch aus, sagt Amnesty. Die UN entsenden eine Ermittlermission. Deutschland liefert Waffen an die Kurden, Australien zieht nach.

Die radikale Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) betreibt im Nordirak eine Kampagne der "systematischen ethnischen Säuberungen", berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Minderheiten wie die Jesiden, Christen oder schiitischen Turkmenen würden systematisch ausgelöscht, sagte Amnesty-Vertreterin Donatella Rovera, die sich derzeit in der Region aufhält. Unter Berufung auf Augenzeugenberichte warf die Organisation dem IS schwere Kriegsverbrechen vor, darunter Massenhinrichtungen und -Verschleppungen.

Zuvor beschloss der UN-Menschenrechtsrat die Entsendung einer Ermittlungsmission zur Untersuchung der verübten Gräueltaten. Die IS-Kämpfer hätten Taten verübt, "deren Ausmaß an Unmenschlichkeit unvorstellbar ist", sagte die stellvertretende UN-Menschenrechtskommissarin Flavia Pansieri. Dazu gehörten Morde, Zwangskonversionen, Entführungen, Versklavung, Folter und systematische Verfolgung aus religiösen oder ethnischen Gründen. Kinder würden durch die Dschihadisten zwangsrekrutiert und als Kanonenfutter an die Front geschickt, andere zur Blutspende für verletzte IS-Kämpfer gezwungen.

Terrorregime in Syrien und Irak

Die radikale sunnitische Gruppierung hatte im Juni bei einer Blitzoffensive Teile von fünf Provinzen im Nordirak in ihre Gewalt gebracht. Gemeinsam mit den von ihr in Syrien kontrollierten Gebieten erklärte die Miliz sie zum islamischen "Kalifat" und errichtete ein Terrorregime mit öffentlichen Enthauptungen, Kreuzigungen und Steinigungen. Ziel des IS sei es, "alle Spuren von Nicht-Arabern und nicht-sunnitischen Milizen zu beseitigen", erklärte Amnesty.

Unter dem Eindruck der Geschehnisse sprach sich der Bundestag für Waffenlieferungen an die kurdischen Truppen aus, die sich im Nordirak gegen den IS zur Wehr setzen. Dazu gehören 40 Maschinengewehre, 500 Panzerabwehrraketen, mehrere Tausend Sturmgewehre und 10.000 Handgranaten.

Im Amnesty-Bericht kommen mehrere Überlebende von Massenhinrichtungen zu Wort. Demnach wurden allein am 3. und 15. August Hunderte Männer und Jungen aus den beiden Jasiden-Dörfer Kinije und Kocho umgebracht. Nur mit einigem Glück überlebten die Brüder Sajed und Chaled das Massaker, sieben weitere Brüder von ihnen wurden getötet. Sajed sei dreimal ins linke Knie sowie jeweils einmal in Hüfte und Schulter geschossen worden, berichtete Amnesty.

Salem, ein weiterer Augenzeuge, erzählt, wie er sich zwölf Tage lang verstecken konnte, während vor seinen Augen Verletzte starben. "Einige konnten sich nicht mehr bewegen, sie lagen in Qualen da und warteten auf ihren Tod. Sie starben einen schrecklichen Tod". Ein muslimischer Nachbar habe ihm geholfen, bis er schließlich flüchten konnte.

Familie mit 45 Vermissten

Laut Amnesty verschleppten IS-Milizionäre auch Tausende Frauen und Kinder, Zehntausende flüchteten aus Angst um ihr Leben. In einem Fall habe eine Familie 45 vermisste Angehörige gemeldet. Amnesty-Vertreterin Rovera forderte die irakische Regierung auf, alle Verantwortlichen zu verfolgen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Der australische Premierminister Tony Abbott kündigte unterdessen an, schon in wenigen Tagen mit Waffenlieferungen an die kurdischen Kämpfer zu beginnen. Die Grausamkeit der IS-Kämpfer rechtfertige es, sie mit aller Macht zu bekämpfen, sagte Abbott. Er verglich die Gräueltaten mit denen der "Nazis und Kommunisten". Im Gegensatz zu deren Versuchen, ihre Schandtaten zu verbergen, zeige der IS sie aber noch voller Stolz im Internet. Eine australische Transportmaschine wurde einem Zeitungsbericht zufolge unter Beschuss genommen, als sie Hilfslieferungen über der kurdischen Stadt Amerli abwarf.

Quelle: n-tv.de, rpe/AFP

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