Politik

Massenhafter Datenklau "Ärger" über Politik trieb Hacker

RTS29S2W (1).jpg

Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk (r) informiert in Wiesbaden über den Stand der Ermittlungen.

(Foto: REUTERS)

Der 20-jährige Verdächtige im Fall des Datenklaus bei Politikern und Prominenten ist geständig. Laut Ermittlern gibt er an, allein gehandelt zu haben. Sein Motiv: "Ärger" über die aktuelle Politik.

Der nach dem massiven Online-Angriff auf Politiker und Prominente vorübergehend festgenommene 20-jährige Deutsche hat in einer Vernehmung Ärger über Äußerungen seiner Opfer als Motiv für seine Taten genannt. Das teilte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk, Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, mit.

Ermittler hatten den jungen Mann, der noch bei seinen Eltern wohnt, am Wochenende in Mittelhessen festgenommen. Laut Ungefuk handelt es sich bei dem Beschuldigten um einen "sehr computeraffinen" Menschen, der aber über keine entsprechende Ausbildung verfüge und nicht vorbestraft sei. Der Mann habe viel Zeit damit verbracht, sich am PC bestimmte Kenntnisse anzueignen. Bei der Vernehmung habe er die Tat eingeräumt und umfassend mit den Ermittlern kooperiert. Zudem habe er erklärt, dass er allein gehandelt habe. Die bisherigen Ermittlungen hätten keine Hinweise auf eine Beteiligung weiterer mutmaßlicher Täter gegeben.

Beschuldigter zeigt Reue

Der Mann wurde nach der Vernehmung auf freien Fuß gesetzt. Es gibt "eine klare Reue-Reaktion", sagte Ungefuk. Der 20-Jährige sei bei der Ausspähung und Veröffentlichung der privaten Daten möglicherweise unbedacht oder leichtfertig gewesen. Bei jüngeren Tätern erlebe man oft, dass dann, wenn plötzlich die Polizei vor der Tür stehe, doch "ein großes Nachdenken einsetzt", so Ungefuk. Derzeit werden die beschlagnahmten Datenträger untersucht. Offenbar gelang es dem 20-Jährigen noch vor der Durchsuchung der Wohnung einen Speicherträger zu vernichten. Reste des gelöschten Datenmaterials konnten aber gesichert werden.

Bei seinem Datenklau hat der 20-Jährige mehrere Sicherheitslücken ausgenutzt. Für die Tat sei ein "gewisser technischer Sachverstand" nötig gewesen, sagte Ungefuk. Dem jungen Mann sei es durch eine "ausgeklügelte Vorgehensweise" gelungen, die Daten auszuspähen. Es habe nicht nur eine, sondern mehrere Ausspähaktionen gegeben, vor allem im Jahr 2018. Zudem habe er Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen. Einige Sicherheitslücken seien inzwischen geschlossen worden.

Der 20-Jährige soll über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_0rbit im Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht haben. Rund 1000 Politiker, Prominente und Journalisten sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums von dem Online-Angriff betroffen. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht wurden.

Quelle: n-tv.de, jog/jpe/dpa