Politik

Krisenmanagement bei Ebola "Ärzte ohne Grenzen" übt scharfe Kritik

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Ein Versorgungszentrum von Ärzte ohne Grenzen im westafrikanischen Guinea mit dem Internisten Maximilian Gertler von Ärzte ohne Grenzen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wirft der internationalen Gemeinschaft Untätigkeit und Ineffizienz bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in West-Afrika vor. Auch die Weltgesundheitsorganisation habe zum "Kontrollverlust" beigetragen.

Ein Jahr nach dem offiziellen Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika hat die Organisation Ärzte ohne Grenzen der internationalen Gemeinschaft eine zu zögerliche Reaktion im Kampf gegen die Krankheit vorgeworfen. Die Organisation spricht in einem vaktuellen Bericht von einer monatelangen "globalen Koalition der Untätigkeit" von lokalen und internationalen Akteuren. Ärzte ohne Grenzen habe bereits im März 2014 vor einer breiten Epidemie gewarnt, die betroffenen Länder hätten den Ausbruch aber zunächst geleugnet. In dieser Zeit habe sich das Virus "völlig unkontrolliert" verbreitet.

Die Epidemie habe "schonungslos offengelegt, wie ineffizient und langsam die internationalen Gesundheits- und Hilfssysteme auf Notfälle reagieren", erklärte die Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, Joanne Liu. Auch Christopher Stokes, Geschäftsführer der Organisation in Belgien, erklärte, dass die Epidemie derart außer Kontrolle geraten sei, liege am "Versagen zahlreicher Institutionen". Genannt wurde unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die das nötige Wissen besitze, "um Ebola unter Kontrolle zu bringen". Sie habe aber etwa die Hilferufe aus Liberia zu lange ignoriert.

Ärzte ohne Grenzen warnte außerdem davor, die Epidemie vorschnell für beendet zu erklären. Sie forderte eine globale Strategie zur Entwicklung von Impfstoffen, Medikamenten und Diagnostika gegen Ebola. Zuletzt war die Zahl der Neuinfektionen wieder gestiegen, nachdem es in den vergangenen Monaten Fortschritte gegeben hatte. In den am stärksten betroffenen westafrikanischen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea starben nach WHO-Angaben seit Dezember 2013, als die ersten Fälle aufgetreten waren, insgesamt mehr als 10.000 Menschen an dem Virus. Fast 25.000 Menschen in neun Ländern hatten sich infiziert.

Quelle: ntv.de, dka/AFP