Politik

Mohammed weint Ausgabe "der Überlebenden" erscheint

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Drei Millionen Exemplare: Chefredakteur Gerard Briard (l) und Zeichner Luz präsentieren die neue Ausgabe.

(Foto: REUTERS)

Mit einer Rekordauflage antwortet das französische Satireblatt den Angriffen islamistischer Terroristen. Rund ein Dutzend Journalisten hat an der Ausgabe gearbeitet. Erneut ist eine Mohammed-Karikatur auf dem Titel - erneut kommt scharfe Kritik.

Eine Woche nach dem Anschlag islamistischer Terroristen auf "Charlie Hebdo" meldet sich das Satiremagazin mit einer Mohammed-Zeichnung auf dem Titel zurück. Der Verlag kündigte für diesen Mittwoch eine Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren an - rund 60.000 Exemplare waren es sonst. Bei der Terrorwelle der vergangenen Woche in Paris hatten Islamisten insgesamt 17 Menschen getötet - allein 12 beim Angriff auf die Zeitschrift "Charlie Hebdo". Bei der Vorstellung des Titels gab ein sichtlich aufgewühlter Karikaturist Einblicke in die Entstehung der neuen Ausgabe.

Ägyptische Islamgelehrte reagierten mit scharfer Kritik auf die angekündigte neue Ausgabe des Magazins. Diese "ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit" werde eine neue Welle des Hasses in der französischen und in westlichen Gesellschaften auslösen, erklärte die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta in Kairo.

Das schon vorab veröffentlichte Titelbild des Satiremagazins zeigt eine Zeichnung des Propheten Mohammed, der trauernd ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") in den Händen hält. Über der Zeichnung steht "Tout est pardonné" ("Alles ist vergeben"). In Deutschland kommt die erste Ausgabe nach dem Anschlag voraussichtlich erst am Wochenende in den Handel.

"Ich glaube, dass die Menschen intelligent sind"

Er habe geweint, als er die Mohammed-Karikatur für die Titelseite fertig gezeichnet habe, berichtete der Karikaturist Luz in Paris. "Ich habe gezeichnet und gesagt: 'Ich bin Charlie'", sagte Luz, der mit vollem Namen Renald Luzier heißt. "Das war eine Idee, die ich im Kopf hatte, aber es war nicht genug, das war noch keine Titelseite. Und dann gab es noch diese Idee, Mohammed zu zeichnen. Ich habe ihn angeschaut, er war am Weinen, und dann habe ich darüber geschrieben: 'Alles ist vergeben' - und dann habe ich geweint. Und das ist die Titelseite."

"Unser Mohammed ist in erster Linie ein Mann, der weint", sagte Luz, der immer wieder nach Worten rang und bei seinen Ausführungen lange Pausen machte. "Ich habe keinerlei Sorge, was mein Titelblatt angeht. Denn ich glaube, dass die Menschen intelligent sind, immer mehr, als man glaubt."

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Chefredakteur Gerard Biard (l) Zeichner Renald Luzier und Kolumnist Patrick Pelloux (r) bei der Vorstellung der neuen Ausgabe.

(Foto: AP)

Chefredakteur Gérard Biard sagte, der Mohammed auf dem Titelbild sei "viel sympathischer als der, den die (islamistischen) Schützen vor sich hertragen." In muslimischen Ländern ist bereits Kritik an der Abbildung des Propheten Mohammed auf der "Charlie Hebdo"-Titelseite laut geworden.

Historikern zufolge wurden in Frankreich noch nie so viele Exemplare einer Zeitungsausgabe gedruckt. "Charlie Hebdo" wird als Druckausgabe auch auf Italienisch und Türkisch erscheinen, als Online-Ausgabe zudem auch auf Englisch, Spanisch und Arabisch.

Einzelbestellungen über Tausende Exemplare

Den Überlebenden von "Charlie Hebdo" war schnell klar, dass die Satirezeitung nicht klein beigeben darf. Schon am Tag nach den Anschlägen betonte der "Charlie Hebdo"-Kolumnist Patrick Pelloux trotzig: "Wir werden weitermachen."

Rund ein Dutzend Mitarbeiter des 1992 gegründeten Satireblatts, das wegen seiner respektlosen Karikaturen und des oft derben Humors von den einen geliebt, von den anderen gehasst wurde, arbeitete seit Ende vergangener Woche an einer Ausgabe "der Überlebenden". Die linksgerichtete Tageszeitung "Libération" bot dem "Charlie Hebdo"-Team Unterkunft - wie schon nach einem Brandanschlag auf die Redaktionsräume der Satirezeitung im November 2011.

In Frankreich hält aber vor allem die Welle der Solidarität für die Satirezeitung an. Das kommt auch in den Vorbestellungen für die jüngste, 16-seitige Ausgabe zum Ausdruck. Manche Behörden oder Unternehmen haben gleich Tausende Exemplare bestellt: Rathäuser wollen die Satirezeitung den Einwohnern ihrer Gemeinde schenken, Firmen ihren Mitarbeitern, Theatern den Gästen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP

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