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"Für uns selbstverständlich" Bahn öffnet ICE für Flüchtlinge

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Der ICE ist das Flaggschiff im deutschen Schienenfernverkehr: Die Bahn bemüht sich, Gemeinden, Städte und Länder "mit allen Kräften" zu unterstützen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Flüchtlingsandrang entwickelt sich für Deutschland zur logistischen Großaufgabe: Erstmals zieht die Deutsche Bahn einen regulären ICE aus dem laufenden Verkehr ab, um damit Neuankömmlinge zu ihren Aufnahmelagern zu transportieren.

Die Deutsche Bahn setzt zur Bewältigung der Flüchtlingskrise nun auch ihre besten Züge ein: Erstmals stellte der Staatskonzern am Wochenende auch einen seiner Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ ICE zum Weitertransport von Flüchtlingen ab. Bislang kamen dafür lediglich extra eingeplante Sonderzüge zum Einsatz.

Weil in München weiterhin neue Flüchtlinge eintreffen, habe es jedoch "keine Reserve" mehr gegeben, sagte eine Bahn-Sprecherin. Die Deutsche Bahn entscheide nach Anfragen von Behördenseite, inwieweit Personal und Züge verfügbar seien. Das Unternehmen helfe, damit die in Deutschland Schutz suchenden Flüchtlinge "menschenwürdig ans Ziel kommen".

Betroffen ist zunächst nur eine ICE-Verbindung auf der Strecke München-Berlin. "Die Passagiere sind gebeten worden, umzubuchen", erklärte die Bahn-Sprecherin. Ihren Angaben zufolge handelte es sich bei dem fraglichen Zug um den ICE 1508, der planmäßig um 11.21 Uhr in München gestartet und um 17.37 Uhr in Berlin angekommen wäre. Ob es sich um den Zug handelt, der gegen 17.30 Uhr mit etwa 600 Flüchtlingen in Berlin-Schönefeld erwartet wird, konnte sie nicht sagen.

Nach Angaben der Bahn wurde für die gebuchten Passagiere die Zugbindung aufgehoben; sie konnten demnach einfach auf jeden anderen Zug ihrer Wahl umsteigen. Der betroffene ICE sei bereits "früh" als ausfallender Zug im Auskunftssystem gekennzeichnet worden.

Es sei bislang der einzige Zug, der von einer derartigen Aktion betroffen sei, sagte die Bahn-Sprecherin. Die Bahn setze ansonsten zahlreiche Sonderzüge ein, die von München aus in alle Richtungen fahren würden. Bis vergangenen Freitag habe es mehr als 30 Sonderzüge gegeben, hieß es.

"Härten im Reiseverkehr"

Die Behörden bemühen sich, mit Hilfe der Bahn die Masse der in München eintreffenden Asylsuchenden in Erstaufnahmelager überall in Deutschland zu verteilen. Die derzeitige Lage erzwinge "Härten im Reiseverkehr", wie der Präsident der Regierung von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, betonte.

Aus humanitären Gründen sei dies aber nicht anders zu lösen. "Die aktuelle Situation birgt solche Herausforderungen." In München waren am Wochenende erneut tausende Flüchtlinge eingetroffen. Nach Angaben der Behörden zählte die Stadt seit dem 31. August insgesamt 63.000 Ankömmlinge.

Laut Hillenbrand sollen auch zu Wochenbeginn weitere Regelzüge mit Flüchtlingen besetzt werden. Zur genauen Anzahl und den betroffenen Verbindungen wollte er sich nicht äußern. Die Deutsche Bahn erklärte dazu lediglich, sie entscheide "operativ", ob weiter reguläre Züge für die Weiterreise von Flüchtlingen eingesetzt würden.

Schnelle, unbürokratische Hilfe

Die Bahn selbst hatte in den vergangenen Tagen bereits angekündigt, "alles daranzusetzen, den ankommenden Flüchtlingen eine sichere Weiterreise in die bereitstehenden Aufnahmeeinrichtungen im gesamten Bundesgebiet zu gewährleisten".

Mit den Sonderzügen der Bahn seien bis zum Wochenende bereits 22.000 Flüchtlinge an ihr Ziel gebracht worden, hieß es in einer Mitteilung an Bahn-Kunden. "Für uns ist es selbstverständlich, dass die DB mit allen Kräften unterstützt, um diesen in existentielle Not geratenen Menschen zu helfen", sagte Bahnchef Rüdiger Grube.

"Planer und Disponenten in den Betriebszentralen und ICE-Werken haben mit Hochdruck daran gearbeitet, zusätzliche Züge zusammenzustellen und in den Fahrplan aufzunehmen." Grube bedankte sich bei dieser Gelegenheit auch bei "allen Mitarbeitern und den vielen freiwilligen Helfern auf den Bahnhöfen überall in Deutschland".

Bahn stellt Gebäude zur Verfügung

"Bei der Bahn arbeiten schon heute Mitarbeiter aus weit über 100 Nationen miteinander, das ist gelebte Integration", betonte der Bahnchef. In den Bahnhöfen vor Ort sorgten hunderte Mitarbeiter der Bahn, der Behörden sowie freiwillige Helfer für "einen geordneten Empfang" der Flüchtlinge.

Die Deutsche Bahn versucht zudem, Kommunen durch die Freigabe von Grundstücksflächen oder die Bereitstellung von Gebäuden für die Unterbringung von Flüchtlingen zu unterstützen. Wie die Bahn mitteilte, bearbeite ein kurzfristig eingerichtetes Team "mit Hochdruck" die Anfragen von Gemeinden, Städten und Ländern.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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