Politik

13 mutmaßliche Islamisten verhaftet Belgische Polizei findet Waffen

Bei einem der größten Anti-Terror-Einsätze in der Geschichte des Landes setzt die Polizei in Belgien 13 Verdächtige fest. In Verviers finden die Ermittler Sturmgewehre, bei Brüssel gefälschte Ausweise, Geld und Sprengstoff. Es gilt die zweithöchste Terrorwarnstufe.

Die belgische Polizei hat bei zwölf Anti-Terror-Einsätzen 13 mutmaßliche Islamisten festgenommen. In der ostbelgischen Kleinstadt Verviers, wo bei der Razzia am Donnerstagabend zwei Personen von Sondereinsatzkräften erschossen wurden, habe man neben Kalaschnikow-Sturmgewehren auch mehrere Polizei-Uniformen bei den Verdächtigen gefunden, teilte die belgische Staatsanwaltschaft mit. Es sei einer der größten Anti-Terror-Einsätze in der belgischen Geschichte gewesen. Die Rückkehrer aus dem syrischen Bürgerkrieg hätten kurz davor gestanden, Attentate zu verüben, um "Polizisten im öffentlichen Raum und in Polizeirevieren zu töten", sagte der Sprecher.

Weitere Razzien habe es unter anderem im Großraum Brüssel in Molenbeek und Anderlecht gegeben. Die Polizei habe gefälschte Ausweise, Geld, Handfeuerwaffen und Sprengstoff gefunden. Zwei weitere Verdächtige wurden in dem Zusammenhang mit den Razzien in Frankreich festgenommen. Es handele sich um belgische Staatsbürger. Die Identifizierung der zwei von der Polizei getöteten mutmaßlichen Islamisten dauere noch an, erklärte der Sprecher der belgischen Bundesstaatsanwaltschaft. Eine direkte Verbindung mit den Terroranschlägen in Paris von voriger Woche sei nicht erkennbar.

Belgien ist derzeit im Alarmzustand. Die Behörden riefen die zweithöchste Terrorstufe für das ganze Land aus. Polizeiwachen sind verbarrikadiert, die jüdischen Schulen in Brüssel und Antwerpen geschlossen. Polizisten wurden angewiesen, nicht mehr alleine auf Streife zu gehen. Im vergangenen Jahr war in Brüssel ein Attentat auf das Jüdische Museum verübt worden, vier Menschen starben.

Ausweitung von Abhöraktionen geplant

Die Regierung berät zur gleichen Zeit über schärfere Sicherheitsmaßnahmen. Angedacht sind der Einsatz des Militärs zur Überwachung von Einrichtungen, eine Ausweitung von Telefon-Abhöraktionen und Maßnahmen zum Schutz gegen rückkehrende Dschihad-Kämpfer aus Syrien oder dem Irak. Laut dem Radiosender RTBF basierte der Polizeieinsatz vom Abend auf abgehörten Telefonaten von Terrorverdächtigen, die aus Syrien zurückgekehrt waren. Gegen die Radikalisierung von Muslimen plant Belgien zudem Projekte in Gefängnissen und die Kontrolle sozialer Netzwerke. Das Thema stand bereits vor dem Polizeieinsatz auf der Agenda der Kabinettssitzung, erhält nun aber neue Brisanz.

Einen Zusammenhang mit den Anschlägen in der vergangenen Woche in Frankreich sehen die Ermittler nicht. Auch der französische Premierministers Manuel Valls sieht "keine direkte Verbindung". "Die Verbindung, die besteht, ist der Wille der Terroristen, unsere Werte, unsere Bürger anzugreifen", sagte Valls. "Wir stehen derselben Bedrohung gegenüber, demselben außergewöhnlich erhöhten Risiko, aber wir handeln mit all den Ländern, die von dieser Bedrohung betroffen sind, mit derselben Entschlossenheit."

Einer der Attentäter von Paris hatte allerdings Verbindungen nach Belgien: Ein Mann aus der südbelgischen Stadt Charleroi verhandelte offenbar in den vergangenen Monaten mit dem erschossenen Pariser Geiselnehmer Amedy Coulibaly über den Kauf eines Autos und von Waffen. Das Geschäft kam nicht zustande.

Quelle: n-tv.de, rpe/AFP/rts/dpa

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