Politik

"Bisschen komische" Entwicklung Berlin überprüft Anstieg von Förderschülern

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"Total erfundene" Diagnosen hat die Bildungsverwaltung in Berlin noch nicht gesehen.

(Foto: imago images/MiS)

In Berlin erhalten Schulen zusätzliche Mittel, um Schüler mit besonderem Förderbedarf betreuen zu können. In den vergangenen Jahren kommt das immer häufiger vor. Eine Entwicklung, die nicht zu den Schülerzahlen insgesamt zu passen scheint. Die Senatsverwaltung für Bildung untersucht den Fall.

In Berlin wundert sich die Senatsverwaltung für Bildung anscheinend über den kontinuierlichen Anstieg von Schülern mit Förderbedarf. Die Zahl sei in den vergangenen zehn Jahren sehr viel kräftiger gestiegen als die Schülerzahlen insgesamt, berichtet der Berliner "Tagesspiegel" unter Berufung auf den Senat. Die Diagnosen für Kinder mit geistigen Behinderungen sollen demzufolge systematisch überprüft werden.

Wird eine solche Diagnose gestellt, erhalten Schulen besonders viele zusätzliche Mittel für Lehrkräfte. Die Steigerung komme ihnen "ein bisschen komisch vor", sagen die Verantwortlichen im "Tagesspiegel", auch wenn sie bisher keine "total erfundenen" Diagnosen gesehen hätten. Die Ressourcen müssten für alle reichen. "Wir gucken, in welchen Bezirken die Zahlen steigen, und ob es einen Zusammenhang damit gibt, wie die Diagnose gemacht wurde", erläutert die zuständige Expertin ihr Vorgehen.

Diagnosen stellen in Berlin Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der "Schulpsychologischen und Inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentren", kurz Sibuz, die es in jedem Bezirk gibt. Seit 2011 sind die Schülerzahlen in Berlin um 15 Prozent gestiegen. Die Zahl der sogenannten GE-Schüler, bei denen ein Schwerpunkt auf die geistige Entwicklung gelegt wird, nahm im gleichen Zeitraum um 29,3 Prozent zu.

"Elternwahlrecht ist richtig"

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Bildungssenatorin Sandra Scheeres kann grundsätzlich die Entscheidung von Eltern eines Kindes mit einer GE-Diagnose für ein spezielles Förderzentrum statt Inklusions-Unterricht in einer Regelklasse nachvollziehen. "Das im Schulgesetz geregelte Elternwahlrecht ist richtig", sagt die SPD-Politikerin dem "Tagesspiegel". Eltern könnten sich in einem Sibuz informieren "und dann eine für ihr Kind und ihre Lebenssituation angemessene Entscheidung treffen".

Scheeres fügt hinzu: "Gerade Eltern von Kindern mit sehr schweren Behinderungen befinden sich oft in Situationen, die nicht immer leicht nachvollzogen und eingeschätzt werden können. Eine Wahloption kann zur Entlastung beitragen."

Quelle: ntv.de, chr

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