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Irak versinkt in blutigem Chaos Blair wäscht seine Hände in Unschuld

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Zwei Männer mit einer Mission: Blair war Bushs treuester Verbündeter - sein "Pudel", wie Kritiker spotteten.

(Foto: REUTERS)

Mit vielen Konjunktiven begründet der britische Ex-Premier Blair, warum im Irak heute alles noch schlimmer wäre, wenn er nicht zusammen mit US-Präsident Bush den Irak-Krieg begonnen hätte.

Der frühere britische Premierminister Tony Blair hat bestritten, dass es einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Gewalt im Irak und dem 2003 begonnenen Irak-Krieg gibt. "Wir müssen uns von der Vorstellung befreien, dass 'wir' das ausgelöst haben. Das haben wir nicht", schreibt Blair in einem Text, den er auf seiner Webseite veröffentlichte.

In seiner Zeit als Premierminister gehörte Blair zu den entschiedensten Unterstützern der Kriegspläne des damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Wie die US-Regierung sagte Blair damals, der irakische Diktator Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen - eine Behauptung, die sich als frei erfunden herausstellte. Britische Truppen beteiligten sich am Angriff auf den Irak, der nicht durch ein UN-Mandat gedeckt war.

"Wir können darüber streiten, ob unsere Politik zu bestimmten Zeiten geholfen hat oder nicht, und darüber, ob Handeln oder Zusehen die beste Politik ist", schreibt Blair. "Aber die grundlegende Ursache der Krise liegt in der Region, nicht außerhalb."

Wenn der Arabische Frühling auf einen von Saddam kontrollierten Irak übergegriffen hätte, so Blair, dann hätte der Diktator mit allen Mitteln gekämpft, um an der Macht zu bleiben. "Wir hätten also einen sunnitischen Staatschef gehabt, der versucht, seine Macht angesichts eines schiitischen Aufstands zu erhalten. Man stelle sich die Konsequenzen vor. Nebenan in Syrien klammert sich eine schiitisch unterstützte Minderheit an die Macht, um den Aufstand einer sunnitischen Mehrheit zu stoppen." Das Risiko wäre ein großer Religionskrieg in der gesamten Region gewesen, in dem Staaten keinen Stellvertreterkrieg führen, sondern ihre nationalen Armeen einsetzen.

Blair plädiert für Militärschläge gegen die sunnitischen Isis-Rebellen, die weite Teile des Irak kontrollieren. US-Präsident Barack Obama habe Recht, "mit Blick auf den Irak alle Optionen auf den Tisch zu legen, einschließlich militärischer Schläge gegen die Extremisten".

2006 hatte Blair in einem Interview gesagt, dass er die Entscheidung für den Irak-Krieg im Gebet gefunden habe. Nach seinem Rücktritt als Premier trat Blair zum Katholizismus über. In seinem aktuellen Text schreibt Blair, "unser Kampf" richte sich gegen den islamischen Extremismus. Dabei gehe es auch "um den Radikalismus in unseren Gesellschaften, in denen es jetzt erhebliche muslimische Bevölkerungsgruppen gibt". Wenn der Extremismus im Nahen Osten besiegt werde, so Blair, dann werde er schließlich auch auf der ganzen Welt besiegt, "denn diese Region ist seine geistige Heimat".

Quelle: n-tv.de, hvo

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