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ORF distanziert sich Böhmermann provoziert die Österreicher

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Der ORF distanziert sich von Böhmermanns Äußerungen.

(Foto: picture alliance/dpa)

In einem Interview mit dem ORF nennt Satiriker Böhmermann die Österreicher "acht Millionen Debile", zieht über Kanzler Kurz her und wirft Vizekanzler Strache Volksverhetzung vor. Der Sender distanziert sich und löst damit ebenso Diskussionen aus.

In Österreich sorgt ein Interview mit Satiriker Jan Böhmermann für heftige Diskussionen - insbesondere auch, weil der dortige öffentlich-rechtliche Sender ORF sich ausdrücklich davon distanziert hat. In der Sendung "Kulturmontag" hatte Böhmermann mit Blick auf Bundeskanzler Sebastian Kurz gesagt, es sei "nicht normal, dass das Land von einem 32-Jährigen geführt wird" und gefragt, ob die Österreicher "denn niemand Besseres" hätten. Über Vizekanzler Christian Strache von der rechtspopulistischen FPÖ sagte er, dieser verbreite "volksverhetzende Scheiße auf Facebook".

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Überdies nahm er ein Zitat des Schriftstellers Thomas Bernhard auf, der die Österreicher einst als "sechseinhalb Millionen Debile" bezeichnet hatte. Böhmermann sagte nun, mittlerweile seien es acht Millionen. "Der Ruf nach autoritärer Führung ist immer noch sehr laut", meinte Böhmermann.

Der ORF-Reporter Christian Konrad fragte Böhmermann in Graz, ob "wir einen Deutschen brauchen, der uns das sagt". Daraufhin sagte der Satiriker: "Wir haben ja vor 80 Jahren auch einen Österreicher gebraucht, der uns gesagt hat, wo es lang geht. Das war auch ein Künstler, auch ein unseriöser Typ. Jetzt drehen wir den Spieß mal um, jetzt kommt mal ein Deutscher nach Österreich über die Grenze und sagt mal, was hier Sache ist." Damit spielte er auf Adolf Hitler an, der in Österreich geboren und in jungen Jahren Maler gewesen war.

ORF distanziert sich - "Aber Satire darf alles"

Damit wollte der öffentlich-rechtliche Sender nichts zu tun haben: "Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns. Aber wie Sie wissen, darf Satire alles - und der öffentliche Rundfunk künstlerische Meinung wiedergeben", sagte Moderatorin Clarissa Stadler anschließend. Das war auch insofern bemerkenswert, als es in der FPÖ Überlegungen gibt, den ORF unter stärkere staatliche Kontrolle zu stellen. Für Aufsehen sorgten die Bestrebungen, den Nachrichtenmoderator Armin Wolf aus seinem Posten zu drängen.

Böhmermann wurde interviewt, weil er Anfang Mai eine ebenso provokante Ausstellung in Graz eröffnet hatte. In "Deuscthland#ASNCHLUSS#Östereich" thematisiert der 38-Jährige den Umgang Österreichs mit seiner Vergangenheit. Die Ausstellung rückt laut Böhmermann "die Ambivalenz von Österreich seiner eigenen Geschichte gegenüber" ins Zentrum, wie er am vergangenen Freitag gesagt hatte.

Als Realsatire gestaltet, verlange die Schau von den Besuchern einiges an Initiative und gehe an die Substanz des Einzelnen, heißt es auf der Internetseite zur Ausstellung. "Die harte Passkontrolle am Eingang zu Böhmermanns Deuscthland und Östereich, die persönliche Wahl einer neuen Identität in Konfrontation zu den eigenen Vorurteilen bezüglich Klasse, Rasse oder des Geschlechts ...." seien nur einige wenige der "Erlebnismomente". Die Schau in Graz, die dort bis zum 19. Juni im Künstlerhaus zu sehen ist, ist eine Art Österreich-Ableger von "Deuscthland". Diese Installation war Ende 2017 in Düsseldorf gezeigt worden.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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