Politik

Kopfschutz mit Risikofaktor Bundeswehr tauscht Helme aus

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Soldaten, die Schießübungen durchführen oder gar im Einsatz sind, sollen möglichst schnell neue Helme einsetzen können.

(Foto: REUTERS)

Wieder geht es unmittelbar um die Sicherheit der Soldaten. Nach dem G36-Debakel will das Verteidigungsministerium auch die Standardhelme der Bundeswehr austauschen. Ein Bauteil bietet nicht den gewünschten Splitterschutz.

Ungenau schießende Gewehre, Triebwerksprobleme bei Hubschraubern, altersschwache Transportflugzeuge - die Liste der Pannen bei der Bundeswehr ist lang und wird immer länger. Die Truppe sieht sich gezwungen, jetzt auch ihre Standardhelme auszutauschen.

Konkret handelt es sich um den sogenannte "Gefechtshelm allgemein" vom spanischen Hersteller Induyco. Der Kopfschutz aus dem Kunststoff Aramid verfügt über eine Schraube, über die er sich der Kopfgröße des Soldaten anpassen lässt. In einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums heißt es: Diese Schraube weise "nach aktuellen Erkenntnissen keine ausreichende Splitterfestigkeit" auf. Aufgefallen ist das Problem laut dem Ministerium bei regelmäßigen Überprüfungen der Ausrüstung.

Offensichtlich handelt es sich bei dem Mangel nicht um eine Lappalie. Das Ministerium lässt wissen: "Um eine mögliche Gefährdung der Soldaten und Soldatinnen in den Einsätzen auszuschließen, werden in den Kontingenten die betroffenen Helme schnellstmöglich ausgetauscht. Danach erfolgt auch der Austausch aller betroffenen Gefechtshelme für den Grundbetrieb im Inland."

Warum die Panne erst jetzt aufgefallen ist, ist nicht klar. Das betroffene Modell ersetzte schon vor mehr 20 Jahren den bis dahin gebräuchlichen schwereren Stahlhelm. Hersteller Induyco übergab der Bundeswehr in dieser Zeit rund 328.000 Stück.

Kein U-Ausschuss zum G36

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihre Vorgänger dürften angesichts der Austauschaktion aufschrecken. Erst vor wenigen Wochen stand ein Ausrüstungsgegenstand der Bundeswehr in der Kritik, der unmittelbar die Sicherheit der Soldaten im Einsatz bestimmt. Eine Studie attestierte dem Standardgewehr G36 bei großer Hitze und Dauerfeuer mangelhafte Treffsicherheit. Die CDU-Politikerin von der Leyen verkündete daraufhin, dass alle 167.000 Gewehre des Typs entweder nachgerüstet oder ausgemustert werden.

Einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Affäre wird es aber vorerst dennoch nicht geben. Die Linksfraktion lehnte die Einsetzung eines solchen Gremiums mit großer Mehrheit ab. Die Grünen sind zwar dafür, können eine Untersuchung aber nur zusammen mit einer weiteren Fraktion durchsetzen.

Die Union lehnt einen Untersuchungsausschuss ab. Beim Koalitionspartner SPD gibt es zwar Sympathien dafür. Eine Zustimmung zum Vorschlag der Grünen schloss der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold dennoch aus. "Es ist das Instrument der Opposition".

Quelle: ntv.de, ieh/dpa

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