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Inselstreit mit Japan könnte zu Krieg führen China kultiviert die Brachialdiplomatie

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Die Senkakuinseln sind unbewohnt. Aus strategischen Gründen und wegen vermuteter Rohstoffe streiten sich aber China und Japan um sie.

(Foto: AP)

Argumente und Ausgleich sind nicht nach dem Geschmack der Chinesen. Das Land verfolgt kompromisslos sein Ziel, eine Hegemonialmacht zu werden. Im Fall der japanischen Senkaku-Inseln ist das gefährlich.

Das chinesische Gebaren im Inselstreit mit Japan ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Kurzerhand hat Peking das Territorium im Ostchinesischen Meer zur seiner staatlichen Luftverteidigungszone erklärt. Damit nehmen sich die Chinesen das Recht heraus, japanische oder US-amerikanische Flugzeuge anzugreifen, die über den Senkaku-Inseln kreisen.

Das ist deshalb so dreist, weil Japan die Inselgruppe seit Jahrzehnten kontrolliert. Jetzt aber fühlen sich die Chinesen stark genug, um dem Nachbarland eine neue Realität aufzuzwingen. Sie halten sich für die rechtmäßigen Eigentümer der Inseln, die sie Diaoyu nennen und wo wertvolle Rohstoffvorkommnisse vermutet werden. Einwände aus Japan wehrt China als "völlig grundlos" ab.

Mit dem diplomatischen Dampfhammer voran

Der Fall ist ein Beispiel für die Brachialdiplomatie, mit der Peking seit Jahren außenpolitische Konflikt e angeht. Die Strategie bringt die Volksrepublik immer öfter ans Ziel. Das liegt weniger an rhetorischer Überzeugungskraft der Staatsspitze als vielmehr an der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung des Landes. Andere Nationen, darunter auch Deutschland, haben sich angewöhnt, den Chinesen lieber nicht frontal zu begegnen und in vorauseilendem Gehorsam jede Art von Konflikt zu vermeiden. Die Angst vor der Rache der ökonomischen Supermacht nimmt stetig zu.

So hat Peking den Dalai Lama zur unerwünschten Person in nahezu allen wichtigen Staaten der Erde erklärt. Wer dem geistigen Oberhaupt der Tibeter einen staatlichen Empfang bereitet, muss damit rechnen, dass seine Geschäftsinteressen in China beschädigt werden, indem Investitionen oder Lizenzen verzögert werden.

Außerdem gelang es den Chinesen, die Mitglieder der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean auseinanderzudividieren, um Territorialansprüche im südchinesischen Meer besser durchsetzen zu können. Tigerstaaten und Entwicklungsländer der Region sehen mit Sorge, aber hilflos dem chinesischen Drang zu einer hegemonialen Macht entgegen, weil sie die Volksrepublik als Handelspartner dringend benötigen.

Chinesen gehen auch untereinander rabiat miteinander um, Kompromisslosigkeit gehört zur chinesischen Streitkultur. Das gilt für einen Nachbarschaftsstreit genauso wie für die politische Weltbühne. Solange sich niemand wehrt, geht es für Peking mit dem Dampfhammer nach vorne. Das mag im Fall der Deutschen gut funktionieren und besitzt kaum Potenzial für eine Eskalation. Der Einsatz beim Streit mit den Japanern um Senkaku ist jedoch ungleich höher.

Von allein kommen die Chinesen nicht zur Vernunft

Es geht um Krieg, nicht um ein paar Milliarden Euro in der Handelsbilanz. Natürlich will die chinesische Regierung nicht ernsthaft einen militärischen Konflikt vom Zaun brechen, weil die Volksrepublik damit ihre Entwicklung selbst massiv blockieren würde. Aber im Verhältnis zu den Japanern spielen Emotionen eine wesentlich größere Rolle als bei Auseinandersetzungen mit jedem anderen Land der Welt. Die Wunden aus den Zeiten japanischer Besatzung sind längst nicht bei allen Chinesen verheilt.

Angeheizt von solchen Emotionen kann der Streit um die Inseln schnell außer Kontrolle geraten. Bislang ignoriert China die Gefahr. Doch der Ernst der Lage lässt sich auch an der Reaktion der US-Amerikaner festmachen, die ihre Bereitschaft formuliert haben, Japan zu verteidigen. Als Antwort fauchten die Chinesen sinngemäß zurück, die USA sollten sich nicht in Dinge einmischen, die sie nichts angingen. Doch die USA tun gut daran, ihre Entschlossenheit deutlich zu machen. Denn nur mit Stärke kann man die Chinesen zur Vernunft bringen. Auf ihr Einknicken zu hoffen, weil sie sich ihrer eigenen Dreistigkeit bewusst werden, ist völlig aussichtslos.

Quelle: n-tv.de

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