Politik

Karriere vor Mandat Das gibt Politikverdrossenen Rückenwind

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Elke Twesten verschiebt die Mehrheiten im Landtag. Der Wählerwille ist dabei offensichtlich zweitrangig.

(Foto: dpa)

Die Grünen-Politikerin Elke Twesten läuft zur CDU über – kurz nach einer persönlichen politischen Niederlage. Damit bringt sie eine ganze Landesregierung ins Wanken und hat offenbar vor allem die eigene Karriere im Kopf.

Geht es Politikern in Deutschland darum, dem Volk zu dienen? Oder steht bei den Volksvertretern die Karriere im Vordergrund? Politikverdrossene, die letzteres denken, gibt es in Deutschland schon genug. Die Ex-Grüne, bald-CDU-Politikerin Elke Twesten sorgt nun dafür, dass es noch mehr werden. Mit ihrem Verhalten lädt sie regelrecht dazu ein, das Vertrauen in die Politik zu verlieren. Aus Angst vor dem Ende ihrer Karriere und wahrscheinlich der großzügigen Diäten in deutschen Parlamenten läuft sie von den Grünen zur CDU über und reißt eine ganze Landesregierung ein.

Die Diplomfinanzwirtin kann auf einen gemächlichen Aufstieg im politischen Niedersachsen zurückblicken. Im Alter von 34 Jahren trat sie den Grünen bei, war 2007 bis 2009 stellvertretende Landesvorsitzende. 2008 zog sie über die Landesliste in den Landtag ein. 2014 lässt sie sich zur Landratswahl aufstellen, bleibt aber weit hinter ihren Mitbewerbern zurück. Der zweite Rückschlag folgt im Juni 2017: Ihr Kreisverband verweigert ihr die Aufstellung zur Landtagswahl im Januar 2018. Ihrer politischen Karriere droht das Ende. In einem Interview mit der "Kreiszeitung" sagte Twesten beleidigt: "Diejenigen, die mich kritisieren, sollen erst mal beweisen, dass sie mehr für unseren Landkreis erreichen können als ich."

"Doch etwas kurios"

Doch Elke Twesten dreht den Spieß noch einmal um und bringt sich bundesweit in die Schlagzeilen - mit einem Manöver, dass an Egoismus kaum zu übertreffen ist: Knapp fünf Monate vor der Landtagswahl läuft sie zur CDU über. Eine inhaltliche Aussprache habe es über Twestens Ausscheiden nicht gegeben, sagt Grünen-Fraktionschefin Anja Piel: "Auch vor dem Hintergrund, dass es keine inhaltlichen Differenzen gab, können wir diesen Schritt nicht nachvollziehen". Selbst der CDU-Fraktionsvorsitzende in Hannover, Björn Thümler, nennt Twestens Schritt "doch etwas kurios".

Elke Twesten galt innerhalb der Grünen oft als Außenseiterin: Zu nah an der CDU waren manche Positionen den Parteikollegen. Twesten suchte stets den Anschluss an die wirtschaftsfreundlichen Christdemokraten. Sie selbst spricht von einem Entfremdungsprozess. Ein politischer Meinungswechsel ist bei dem Vorgang aber auch nicht das Problem. Es ist der Zeitpunkt – kurz nach einer persönlichen Niederlage.

Und die Frau, die das politische Erdbeben in Niedersachsen auslöste, ist noch nicht einmal bemüht, zu verstecken, dass ihr vor allem die eigene politische Karriere am Herzen liegt. Auf der CDU-Liste für die kommende Wahl wird sie keinen Platz mehr bekommen können, weil alle Kandidaten schon festgelegt sind. Sie könne sich jedoch auch vorstellen, ließ sie nach ihrer Entscheidung verlauten, künftig ein Mandat im Bundestag oder Europaparlament anzutreten. Die nötige Bekanntheit über Niedersachsen hinaus für solch ein gut dotiertes Mandat dürfte ihr seit heute gewiss sein. Die nötige Glaubwürdigkeit für ein solches Mandat hat sie jedoch verspielt.

Quelle: ntv.de

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