Politik
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Sonntag, 24. Juli 2016

Amoklauf mit zehn Toten: Das ist in München geschehen

Bei einem Anschlag an einem Einkaufszentrum in der bayerischen Landeshauptstadt kommen neun Menschen sowie der Angreifer ums Leben, über 27 werden verletzt. Der Angreifer tötet sich später offenbar selbst. In München gibt es stundenlang eine "akute Terrorlage", bevor die Polizei Entwarnung gibt.

Was hat sich wann ereignet?

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Um 17.52 Uhr geht der erste Notruf bei der Polizei ein - in folgenden Stunden sind es mehr als 4000. Es werden Schüsse nahe einem Einkaufszentrum im Nordosten der Stadt gemeldet. Die Polizei geht von einer Terrorlage aus. Am Ende sind bis zu 2300 Einsatzkräfte mobilisiert. Der öffentliche Nahverkehr wird im Raum München gesperrt und der Hauptbahnhof evakuiert. Die Bürger sollen zu Hause bleiben und nicht auf die Straßen gehen.

Im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass es nur einen Täter gegeben hatte. Während des Amoklaufs sichtet eine Zivilstreife den Täter und schießt auf ihn. Er bleibt unverletzt und kann entkommen. Er richtet sich später vor den Augen von Polizisten selbst.

In den frühen Morgenstunden gibt die Polizei Entwarnung, Busse und Bahnen fahren wieder. Das Elternhaus des Täters wird durchsucht. Die Beamten sichern umfangreiches Beweismaterial. Dabei wird deutlich, dass der Täter über einen gefakten Facebook-Account gezielt Jugendliche in das Schnellrestaurant gelockt hat. Ermittler schließen eine politische Motivation der Tat aus.

Wie viele Tote gibt es?

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Bei dem Amoklauf kommen neun Menschen ums Leben. Fünf seiner Opfer erschießt der Täter im Schnellrestaurant, zwei davor. Vor einem Elektrohandel tötet er eine Person und eine weitere im Einkaufszentrum. Die Polizei geht davon aus, dass die Opfer willkürlich gewählt sind.

Die Zahl der Verletzten wird später mit 35 angegeben. Vier von ihnen werden mit Schusswunden behandelt. Unter den Verletzten sind auch Menschen, die sich Blessuren durch Panikausbrüche an anderen Orten der Stadt zugezogen haben.

Was weiß man über den Täter?

Der Täter ist der in München geborene 18-jährige Deutsch-Iraner David Ali S. Er ist Schüler und hat die mittlere Reife. Bis zum Amoklauf war er bis polizeilich unbekannt. Auch nachrichtendienstlich ist er nicht erfasst. In den Akten tauchen zwei Fälle auf, bei denen er als Opfer geführt geführt wird. Dabei handelt es sich um Mobbing und Diebstahl.

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Nach Ermittlerangaben hat sich der Täter intensiv mit dem Thema Amok auseinandergesetzt. So reiste er im vergangenen Jahr nach Winnenden und machte Fotos von den Tatorten des dortigen Amoklaufs. Seit dem plant er die Tat. Intensiv hat er sich zudem mit der Bluttat des Norwegers Anders Behring Breivik befasst. Auf seinem Rechner finden Ermittler ein Manifest, das sich mit den Umständen seines Amoklaufs in München beschäftigt.

David Ali S. war lange Zeit in ärztlicher Behandlung. Er litt an Depressionen und sozialen Phobien. Zeitweise erfolgte die Behandlung stationär, lange Zeit ambulant. Bis zuletzt wurden ihm Medikamente verschrieben. Nachbarn beschreiben ihn als nett und freundlich. Er wohnte mit seinen Eltern und seinem Bruder im Stadtteil Maxvorstadt.

Er war begeisterter Spieler des Ego-Shooters "Counterstrike", das er über eine Plattform im Internet spielte.

Die Waffe

Während des Amoklaufs schoss der Täter mit einer illegal erworbenen Neun-Millimeter-Pistole vom Typ Glock. Die Waffe bezog er aus dem sogenannten Darknet. Es handelt sich um eine ehemals unbrauchbar gemachte und wieder instand gesetzte Theaterwaffe. Das Prüfsiegel stammt aus der Slowakei. Die Seriennummer war ausgefeilt. Einen Waffenberechtigungsschein hatte David Ali S. nicht.

Er führte während des Amoklaufs zwei Magazine mit je 17 Schuss mit sich. In seinem Rucksack fanden die Ermittler mehr als 300 Schuss Munition. Am Ende zählen die Ermittler 57 Schuss, die David Ali S. abgefeuert hat. Auf dem Parkdeck soll er die Pistole nachgeladen haben.

Was weiß man vom Hintergrund?

Die Polizei München spricht von einem klassischen Amoklauf. Noch ist die Motivlage unklar.

Wer sind die Opfer?

Acht Getötete waren zwischen 14 und 20 Jahre alt. So kamen zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige ums Leben. Die weiteren Opfer waren jeweils 17, 19 und 20 Jahre alt. Ein neuntes Opfer war 45 Jahre alt. Unter den neun Opfern sind drei Frauen. Sie waren alle in München und Umgebung gemeldet. Ihre Staatsangehörigkeiten sind: ungarisch, deutsch-türkisch, deutsch, türkisch, kosovarisch, griechisch und staatenlos.

Quelle: n-tv.de